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Stücke mit Geschichte

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Historische Schätze: Bei dem Ehepaar Holstein kann der Besucher einige Gegenstände mit viel Geschichte erwerben.
Historische Schätze: Bei dem Ehepaar Holstein kann der Besucher einige Gegenstände mit viel Geschichte erwerben. © M

Schwer wie Blei, grün wie frisches Gras und gerade mal 1,60 Meter hoch. Hans Holstein erinnert sich noch gut, als er die Eingangstür der Obermühle gerettet hat. „Gebückt mit einem Sack Mehl auf dem Rücken biste da gut durchgekommen“, vermutet der Blumenhändler. Früher hat er bei Neckermann und Karstadt als Dekorateur gearbeitet, und so begann seine Sammelleidenschaft. Jetzt möchte er mit seiner Frau Hermine möglichst viele seiner alten Stücke loswerden, und das für einen guten Zweck.

Obertshausen – „Neues kann man überall kaufen, Altes nicht“, erklärt er sein Interesse für Antikes und Trödel. Doch jetzt soll Platz geschaffen werden im urigen Hof hinter dem „Blumenkorb“. Schon das kleine Geschäft an der Steinheimer Straße fällt durch seine stilvolle Erscheinung auf, mit viel Liebe fürs Detail. Hingucker in der Hofeinfahrt daneben ist ein monströser Schlitten vom Format der historischen Gefährte, in denen sich in der „guten alten Zeit“ Adlige von Pferdegespannen durch die weiße Winterwelt kutschieren ließen. Auf den stieß Hans Holstein im ehemaligen Sägewerk Becker in Obertshausen.

Puppen-Mädchen mit der Dauerwellen-Damenmode der 1960er

Den eisernen Unterbau des riesigen Kinderwagens fand er auf einem Flohmarkt in Büdingen, erinnert er sich. Das Oberteil, ein geflochtener Korb, passt exakt drauf. Es gehörte einem Nachbarn und beherbergt nun eine ganze Familie gut bürgerlich eingekleideter Sprösslinge – Puppen-Mädchen mit der Dauerwellen-Damenmode der 1960er.

All die guten Stücke stapeln sich in dem eingehausten Hof der Familie Holstein, als gehörten sie zur Architektur. Freiliegende Holzbalken über Backstein-Wänden und kleinem Straßenpflaster wecken nostalgische Gefühle.

Der Ehemann schätzt auch das Sakrale. Stattliche Heiligenfiguren überragen das Angebot an irdischen Kostbarkeiten. Die zwei Gemälde am Boden fehlen einem 14-teiligen Kreuzweg, die „Erinnerung an meine Firmung“ stammt aus dem Jahr 1933: Stramm stehende Burschen hinter züchtig aufgerichteten jungen Damen auf Stühlen davor, alle in finsterer Kleidung. „Davon musste in den 50ern jeder eine haben“, deutet der Gastgeber auf ein Mädchen in Öl. Es trägt eine rote Rose im schwarzen Haar und ein Medaillon im Ausschnitt des knallroten Kleids. Lebensecht ausgestattete Marionetten sowie viele der kleinen Bügeleisen stammen aus Prag und Böhmen.

Der Erlös des Marktes geht an ein Waisenhaus in Uganda

Mit dem Sammeln angefangen haben Holsteins genau vor 60 Jahren bei einer alten Dame in Bieber. Sie haben ihr das Zimmer tapeziert, und weil sie kein Geld nehmen wollten, schenkte ihnen die Bewohnerin einen Regulator, eine Standuhr mit Pendel. Auch die gehört nun zum einzigartigen Sortiment und lässt die Zeit stehen.

Den Erlös des Marktes stellen die Hausener der Familie ihrer Tochter zur Verfügung. Anja Holstein, Andreas Jäger und Tochter Tilli unterstützen das „Hope Orphanage“, das „Waisenhaus Hoffnung“ in Uganda. Es liegt auf der Insel Bugala im Victoriasee, wohin das Trio regelmäßig Kleidung, Schulsachen und Bargeld für den Schulbesuch der fast 40 Mädchen und Jungen bringt. Der Flohmarkt in der Steinheimer Straße 27 ist donnerstags und freitags von 9 bis 13 und 15 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr offen. (Michael Prochnow)

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