Auf Suche nach Kita-Platz

Keine schriftliche Absage

Obertshausen - Kein freier Platz in einer Kita für einen Einjährigen. Vater fordert Schriftstück, um den Rechtsanspruch einzuklagen. Fachbereichsleiter: Von uns kann der Mann jederzeit eine Bestätigung haben, dass aktuell keine Plätze frei sind. Von Claudia Bechthold

Brian Gängel ist sauer. Kurz nach der Geburt seines Sohnes vor rund einem Jahr hat er seinen Nachwuchs in allen städtischen Kindertagesstätten Obertshausens angemeldet. Von Januar 2015 an benötige er einen Betreuungsplatz für den Junior, da seine Frau dann wieder ihre Vollzeit-Stelle antreten müsse. Einen Platz aber hätten sie bis jetzt noch nicht. Gängel ist aber vor allem auch deshalb verärgert, weil die Mitarbeiter der Kitas nicht bereit seien, ihm eine schriftliche Absage zu schicken. Denn: Die schriftliche Absage sei Voraussetzung, um einen Platz einklagen zu können.

So einfach sei das alles nicht, sagt Michael Möser, Leiter des Fachbereichs Soziales bei der Stadt Obertshausen und damit auch für die Kitas zuständig. „Eine Mitteilung, dass wir derzeit keinen freien U3-Betreuungsplatz in Obertshausen bieten können, kann er gern haben“, betont Möser auf Anfrage, allerdings nicht von den Kindertagesstätten selbst. Allerdings reiche dies für eine Klage nicht aus. Dazu müsse er sich an den Kreis Offenbach als offiziellen Träger der Jugendpflege wenden.

Die Kitas selbst verschickten schon deshalb keine Absagen, erläutert Michael Möser, weil sich jederzeit etwas an der Situation ändern könne. Wenn sich Eltern an die Stadtverwaltung wenden, versuche man in schwierigen Situationen zu helfen, meist mit Erfolg. Tagesmütter seien da eine Möglichkeit, Plätze in Einrichtungen der Nachbarkommunen eine andere. So habe man schon mehrfach Glück gehabt in Mühlheim-Lämmerspiel und in Bieber-Waldhof.

Klagen auf einen Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Derzeit gibt es in Obertshausen 160 U3-Plätze für 25,28 Prozent der Kinder in diesem Alter. „Das ist natürlich viel schwerer zu schätzen, wie viele Plätze benötigt werden“, weiß der Fachbereichsleiter. Schließlich habe man für den Bedarf nur ein Jahr Vorlauf, da die Kinder ja im Alter von einem Jahr den Rechtsanspruch haben. Bei den Kindergarten-Kindern wisse man ja immerhin drei Jahre vorher, wie viele Kinder im entsprechenden Alter es geben wird.

Ein weiteres Problem ist die Übersicht. Da sich die Eltern derzeit in jeder Kita anmelden müssen, wisse man wegen der vielen Doppel- und Dreifach-Anmeldungen nicht auf einen Blick, wie viele Kinder tatsächlich einen Platz benötigen. „Da ist Heusenstamm zum Beispiel schon weiter“, meint Michael Möser. In der Nachbarstadt melden sich Eltern seit einigen Monaten über ein Internet-Programm an. Deshalb werden dort Absagen automatisch verschickt, verbunden mit der Frage, ob das Kind auf die Warteliste gesetzt werden soll.

Auch in Mühlheim gibt es Wartelisten in der Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Absagen in dem Sinn verschicke man daher dort nicht, erläutert Erste Stadträtin Gudrun Monat: „Die Eltern wissen, dass wir uns melden, sobald ein Platz frei wird.“

Auch Mühlheim möchte die zentrale Anmeldung über das Internet einrichten. „Das wird aber vermutlich erst 2016 was“, sagt Monat.

In Obertshausen könnte die Internet-Anmeldung früher verwirklicht werden. Aber dazu müsste der Haushalt beschlossen werden.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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