Surfer schmecken nicht

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Rolf Richter hat aber noch viel bessere Gründe, um mit seinem Shark-Projekt für bedrohte Haie zu kämpfen. Die Kinder lernen das viel schneller als Erwachsene. Was läuft da schief, fragt Rolf Richters Präsentation. Im Jugendzentrum gar nichts, in den Weltmeeren dafür umso mehr.

Obertshausen - Haie - sind das nicht diese Monster, die zum Nachtisch einen Surfer verschlingen oder einen Schwimmer anknabbern, der sich zu weit ins offene Meer hinaus gewagt hat? Wer das noch glaubt, hat zu viel „Weißer Hai“ geguckt und in der Schule nicht aufgepasst.

Dem halben Dutzend Mädchen und Jungen, die sich im Jugendzentrum getroffen haben, macht in Sachen Haie unterdessen keiner mehr was vor. Die Schüler und Rolf Richter sind einer Einladung der städtischen Kinder- und Jugendförderung gefolgt. Der Obertshausener ist Präsident des Hessischen Tauchsportverbands, aber auch Schulreferent des Shark-Projekts. Darin sind viele Sportler und Fachleute vereint, die sich ehrenamtlich für den Erhalt der Raubfische engagieren. Das tun sie seit 2002 im Internet, in Schulen und mit zahlreichen Multimedia-Vorträgen. Mindestens 100 der 500 bekannten Haiarten seien bereits vom Aussterben bedroht.

Für seine jungen Zuhörer hat Richter speziell aufbereitetes Informationsmaterial mitgebracht. Ein bisschen beängstigend sieht so ein geöffnetes Hai-Maul mit dem mächtigen Gebiss ja schon aus. Trotzdem: Es ist wahrscheinlicher, von einem Getränkeautomat erschlagen als von einem Hai gefressen zu werden. Das haben sie in Amerika berechnet, lässt der Referent sein Publikum staunen. Und der Mensch passe nicht in das Beuteschema der bedrohten Arten. Die sind nämlich schon lange durch die Meere gezogen, als noch kein Zweibeiner den Globus bevölkert hat.

Jagd auf Haie bedroht Tierart

Umgekehrt sei das leider ganz anders. Das Leben von 70 bis 100 Millionen der großen Fische sei durch die Tradition des Finnings bedroht. Dabei werden ihnen bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten, die als wertvolle Trophäe gelten. Bislang habe nur Costa Rica den abscheulichen Brauch gesetzlich verboten. Den Bestandteilen der Meerestiere werden schließlich allerlei magische positive und heilende Wirkungen für den menschlichen Körper nachgesagt. Erwiesen seien all diese Effekte nicht.

Im Gegenteil, lernen die Ferienkinder: Der Genuss von Haifleisch sei bedenklich, weil der Räuber Fische fresse, die wiederum kleinere Meerestiere vertilgen. Dabei sammeln sich im Hai, der an der Spitze der Nahrungskette steht, all die Giftstoffe an, die schon seine Beute und deren Beute aufgenommen haben, erkennt die Gruppe mit Hilfe der Nahrungs-Pyramide. Schuld sei vor allem das Plastik, das in großen Mengen in die Weltmeere gelange, unterrichtet Richter. Es dauere zehn bis 20 Jahre, bis eine Einkaufstüte im Salzwasser zersetzt sei. Doch in kleinsten Teilchen bleibe sie in dem Lebensraum und werde von seinen Bewohnern aufgenommen. Dabei habe der Müll in der See nichts verloren. Wie Obertshausen bieten viele Kommunen eine kostenlose Entsorgung an, wissen auch die jungen Juz-Besucher.

Stirbt der Hai, sei das Gleichgewicht der Arten im Meer bedroht. Zum Beispiel, weil sich bestimmte Meeresbewohner ungehindert vermehren können, die dann wiederum andere Tiere und Pflanzen in übergroßem Maße fressen. Das Shark-Projekt hat also noch viel zu tun. Rolf Richter verteilte Prospekte, Lesezeichen und die Internet-Adresse der Aktion. Gestern begleitete er eine Gruppe der Jugendförderung ins Meeresmuseum Sea-Life in Speyer, wo sie lebenden Haien, Seepferdchen, Krokodilen und Clownfischen begegneten. Heute, 10 Uhr, startet in der Burg im Hain die sogenannte Kräuterlernundschmeck-Wanderung: Mit allen Sinnen lernen die Schüler Kräuter kennen, die vor der Haustür wachsen. Und in der nächsten Woche heißt es im Kinderzirkus „Manege frei!“.

(M.)

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