Traditionen weitergeben

Tätowierer bleibt seinen indonesischen Wurzeln treu 

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Suryana (Mitte) tätowiert seit 25 Jahren, davon seit sieben Jahren in seinem Studio in der Seligenstädter Straße. Aber auch in seiner Heimat Bali besitzt er noch zwei Studios, um befreundeten Künstlern einen Ort für ihre Kunst zu bieten.

Obertshausen - Kunstwerke auf der Haut, die für die Ewigkeit gedacht sind – so erklärt Wayan Abuth Suryana seine Arbeit, durch die er das Ansehen und das Verständnis von Tattoos ändern will. Von Yvonne Fitzenberger 

Jeder Strich der Maori-Tattoos hat dabei eine Bedeutung: So stehen die Vierecke. die aus gezackten weißen und schwarzen Flächen bestehen, für die Balance zwischen Mann und Frau.

Pflanzen und Schmuckständer mit Ketten stehen in den großen Schaufenstern. Die Scheiben lassen viel Licht, das im Inneren von Vitrinen und Spiegeln reflektiert wird, in das Geschäft. Über dem Eingang hängt das Schild „AS Tattoo Gallery“. Dass sein Tattoo-Studio mehr einer Galerie gleicht, darauf legt Besitzer Wayan Abuth Suryana viel wert. Was er verkaufe, sei kein Körperschmuck, sondern Kunst und Geschichte. Er möchte weg von dem, was meist mit Tätowierungen in Verbindung gebracht wird. „Ich höre auch Rock und mag Totenköpfe“, erläutert Suryana. Das bedeute für ihn nicht, dass er diese Vorlieben seinen Kunden aufzwingen muss. Er erklärt weiter: „Stell dir vor, du kommst mit 18 Jahren in ein Studio rein und es ist dunkel und die Musik laut. Da hast du doch Angst, dass aus deinem Schmetterling ein Skelett wird.“ Genau solch einen Eindruck möchte der Künstler nicht erwecken.

Sein anderes Steckenpferd sind realistische Hautbilder.

„Come in and feel at home“ – also „Komm rein und fühl dich wie Zuhause“ – wirbt er auf der Internetseite: Die Galerie ist groß und hell, an den hellgrauen und goldenen Wänden hängen Masken – großteils gewonnene Auszeichnungen –, im Hintergrund spielt leise Musik. „Was läuft“, sagt Suryana auf die Art der Musik bezogen, „hängt von unserer Laune und unseren Kunden ab“. Denn: Wer mehrere Stunden bei ihm verbringt, wolle ja nicht nur von den Lieblingsliedern der Tätowierer beschallt werden. Suryana stammt von der indonesischen Insel Bali. Dort gehören Tätowierungen seit Generationen zur Identität der Bevölkerung. „Sie sind ein Zeichen des Erwachsenseins“, erklärt er.

Auch die Maori in Neu-Seeland oder auf Haiti pflegen eine solche Tradition. Jeder Strich habe eine eigene Bedeutung: Ist zum Beispiel eine Gesichtshälfte des Mannes tätowiert, zeigt es seine Verbundenheit mit einem Elternteil; trägt er auf dem kompletten Gesicht die Verzierungen, ist er es mit beiden. Diese Sicht auf die Körperbilder brachte Suryana vor 18 Jahren mit nach Deutschland – zuerst ließ er sich mit seiner Familie in Gießen nieder, seit sieben Jahren leitet er seine Tattoo-Galerie in Obertshausen. In der Branche tätig ist er seit 25 Jahren, bereits auf Bali eröffnete er ein Studio. Inzwischen sind es zwei, die er in seiner Heimat leitet.

Tattoo-Fans spüren aktuelle Trends auf: Bilder

Das Tattoo-Studio von Wayan Abuth Suryana gleicht eher einer Kunstgalerie: Er arbeitet kontinuierlich an einem Wandbild, das aus traditionellen Symbolen besteht – darauf hat er sich auch als Tätowierer spezialisiert.

Sein Handwerk erlernte der Künstler über die Jahre hinweg beispielsweise bei Tätowierern aus Neu-Seeland und Haiti. „Ich möchte nicht, ihre Kultur verkaufen“, erklärt der Balinese, „sondern ihre Tradition weitertragen“. Daher sei es für ihn wichtig, zu verstehen, was hinter den Symbolen und Zeichen steckt, die er auf der Haut seiner Kunden verewigt. „Das hier“, er zeigt auf eines der wenigen Fotos, die versteckt an der Seite hängen, „bedeutet Ausgeglichenheit zwischen Mann und Frau“. Es ist ein Viereck, unterteilt in eine helle und eine dunkle gezackte Fläche.

Dabei sollen keine Kopien entstehen: Alle Bilder, alle Muster zeichnen Suryana und sein Team selbst. „Wenn derjenige sein Tattoo ein Leben lang behalten will, möchte er ein Unikat“, betont der Galerie-Inhaber.

Mehr Infos: as-tattoo.com

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