Mehrzweckgebäude oder Fröbelstraße sind Alternativen

Tageseltern für Obertshausen brauchen Räume

Geordnetes Chaos im Grünen: Die Tagesmamas Nicole Balta, Angelika Clauß und Meike Mook (von links) mit ihren Schützlingen.
+
Geordnetes Chaos im Grünen: Die Tagesmamas Nicole Balta, Angelika Clauß und Meike Mook (von links) mit ihren Schützlingen.

Obertshausen - Hätte die aktuelle Stadtpolitik eine Überschrift, dann vielleicht: „Platz verzweifelt gesucht“. Nicht nur VdK und Tausendfüßler brauchen eine neue Heimat. Auch die Tageseltern Oberts-hausen möchten Räume – und kämpfen um finanzielle Sicherheit in ihrem Jobs. Von Eva-Maria Lill

Emma mag nicht stillsitzen. Sie will lieber die Gartentreppe hoch und ihre Kinderhände in warmes Katzenfell stecken. Mit Stirnrunzeln packt sie das Geländer, tastet über Stufen. Währenddessen rutscht sich Philip mit seinem rostbraunem Disney-Truck Grasflecken auf die Hose. „Der Tank ist wieder leer“, mault er und tuckert zur Tankstelle. Die liegt am anderen Ende des Gartens hinter Wintergewächs und Buschgestrüpp. „Mittendrin im Leben“, sagt Nicole Balta. Die 32-Jährige ist Tagesmama. Und braucht ihre Hände überall.

15 Pflegemütter und -omas gibt es aktuell in der „Klein-stadt mit Herz“. Sie organisieren sich als Tageseltern Obertshausen (TEO) und betreuen circa 35 Kinder. Einen zentralen Treffpunkt gibt es nicht. „Wir brauchen Räume“, stellt Balta klar. Im Kopf hat sie dabei etwa 50 bis 60 Quadratmeter, möglichst barriere- und rauchfrei. Vor kurzem hat sich TEO den Tausendfüßlern angeschlossen – und hofft auf einen Platz im möglichen Mehrzweckgebäude an der Vogelsbergstraße.

Bis es soweit ist, wird Zeit vergehen. Erst in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung explodierte zum Thema das ein oder andere Diskussions-Dynamit. Bürgermeister Roger Winter findet die Ansprüche der Tageseltern realistisch: „Das Mehrzweckgebäude wäre eine Lösung. Wir sitzen aber gerade auch an Plänen bezüglich der Fröbelstraße 4. Dort könnte ein Treff entstehen.“

Aktuell arbeitet die Tageselternvermittlung in den Räumen der Tausendfüßler. Zuständig an der Seligenstädter Straße ist Iris Wijnveen. Aber der Platz reicht nicht. „Wir brauchen ein noch besseres Netzwerk“, verdeutlicht Balta. Besonders wenn eine Tagesmama erkrankt, wird es eng. Ohne eine Zentrale läuft die Kommunikation schleppend. Einmal pro Woche zusammensitzen wäre ideal. „Kitas können ausgleichen, wenn jemand fehlt. Bei uns ist das nicht so einfach“, sagt die gelernte Veranstaltungskauffrau.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Dennoch: Balta und ihre Kolleginnen Angelika Clauß und Meike Mook sind sicher, dass das Konzept „Tagesmutter“ Zukunft hat. „Wir haben Frauen, die das schon seit über 20 Jahren machen“, erzählt Balta. Sie ist seit 2013 dabei, ebenso Angelika Clauß. Mook macht den „Herzensjob“ schon länger. „Der Beruf ist wundervoll, weil es kein Raster gibt. Man ist frei und kann den Kindern so viel geben“, sagt die 46-Jährige. Der Vorteil gegenüber einer regulären Kita sei vor allem Flexibilität und ein geschützteres Umfeld.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Kopfzerbrechen bereitet neben dem Platzproblem auch die finanzielle Situation. Bis zu fünf Kindern darf eine Tagesmama betreuen, Stunden und Anzahl wechseln, Kontinuität ist Seltenheit. „Ein Spiel mit dem Feuer“, sagt Mook. 2013 hat der Kreis zudem die Tagespflegesatzung geändert. Anders als früher gibt’s keine Zuzahlungen mehr aus Elternhand. Etwa zwei Euro pro Stunde fallen weg. Stattdessen beträgt der Brutto-Lohn für 60 Minuten 4,95 Euro je Kind. Abzüglich Steuern und der Hälfte der Krankenversicherung bleiben weniger als zwei Euro. „Das reicht zum Leben“, sagt Balta, „aber es wird knapp“.

Seit diesem Jahr erhalten Tageseltern von der Stadt pro Stunde und Kind aus Oberts-hausen einen Euro obendrauf. Bürgermeister Winter kann die Zukunftssorgen der Mamas ein bisschen beruhigen: Der Zuschuss ist auch im neuen Haushalt vorgesehen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare