Begleiter ohne Ansprüche

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Thomas Duttiné (hinten links) überreicht die therapeutisch wirkenden Spielgeräte an den Leiter des Seniorendorfs Haus Jona, Rolf Nispel.

Obertshausen - Sind es Labradorwelpen oder doch Huskys? Die Katzen gehören jedenfalls der Perser-Rasse an, da sind sich die Beteiligten im „Wohnzimmer“ des Hauses Jona einig. Von Michael Prochnow

Der Heusenstammer Unternehmer Thomas Duttiné brachte gestern gleich ein Dutzend Hunde und ebensoviele „Stubentiger“ mit in das Altenwohn- und -pflegeheim. Ums Gassi-Gehen müssen sich die Mitarbeiter jedoch nicht kümmern, bei den Präsenten handelt es sich um so genannte Kuschelrobots.

Sie sehen ihren lebenden Vorbildern zum Verwechseln ähnlich, äußern aber deutlich weniger Ansprüche, lächelt Duttiné. Der 54-Jährige baut Heim-Therapiegeräte für Menschen mit Problemen in den Schultergelenken. Auf die Idee, der Einrichtung der Inneren Mission die tierischen Geräte im Wert von rund 2 000 Euro zu vermachen, brachte ihn seine eigene Mutter.

Margarethe Duttiné lebt seit einigen Jahren an der Vogelsbergstraße. Und mit ihr im Zimmer wohnt eine „Katze“ mit einem weichen, weiß-braunen Fell. Sie begleitet ihre Besitzerin in den Speisesaal, über den Flur und beim Ausfahren in ihrem Rollstuhl. Meistens liegt sie auf dem Schoß der demenzkranken Bewohnerin, wird liebevoll gestreichelt und im Arm gewiegt. So gingen auch die anderen Senioren im Haus Jona mit ihren neuen „Haustieren“ um, die sie für eine Testphase erhalten haben, erzählt Meike Wambold.

Die Sozialarbeiterin berichtet von guten Erfahrungen, die Studenten von der Fachhochschule Frankfurt bei dem Versuch gesammelt haben. „Die Leute werden ruhiger und ausgeglichener“, schildert die Mitarbeiterin. Viele der älteren Menschen hüteten früher selbst Tiere, lebten auf einem Hof oder teilten ihr Zuhause mit einem Vierbeiner. Die seien oft Gefährte, Vertrauter oder gar Lebensinhalt. „Sie haben etwas in der Hand“, erläutert die Fachfrau, „das ist bei vielen Charakteren und Krankheitsbildern bereits sehr wertvoll“.

Manche „Herrchen“ und „Frauchen“ nähern sich den „Robots“ respektvoll und legen vorsichtig eine Hand darauf. Die Katzenartigen quittieren die Aufmerksamkeit mit einem lauten Miauen, das selbst Personen mit einer Hörbehinderung registrieren, heben den Kopf oder rollen sich auf den Rücken. Die „Bellos“ wenden sich mit einem treuen Blick dem Zweibeiner zu und wedeln mit dem Schweif. Ihr innerer Antrieb sind handelsübliche Akkus. Thomas Duttiné hat dem Haus gleich einen ganzen Karton samt Ladegerät zur Verfügung gestellt. „Sie reagieren auf Geräusche und Berührung“, erläutert der Sponsor.

„Meine Mutter sorgt fürsorglich für ihren Kameraden“, sagt er, „gelegentlich stellt sie ihm sogar Wasser hin.“ Klinge erheiternd, sei aber ein hilfreiches Verhalten, klärt Meike Wambold auf. Die Betroffenen, sie sonst oft versunken in ihren Rollis säßen, kämen so aus ihrer eigenen, verschlossenen Welt heraus, nähmen auch wieder Mitbewohner und Personal wahr, lauten die vielversprechenden Beobachtungen aus der Erprobungsphase. Das verbessere die Lebenqualität deutlich, meint die Sozialarbeiterin. Diese Erfahrung mache sie auch, wenn sie mit ihrem eigenen Labrador auftauche. Der sei natürlich nicht so pflegeleicht wie die Exemplare mit der ausgefeilten Technik im Leib.

Sie und ihre Kollegen setzen die Kuschelrobots jetzt regelmäßig bei Betreuungstreffen ein. Ob einzelne Damen und Herren ein „eigenes Tier“ erhalten, stehe noch nicht fest. Freilich, nicht alle wollten mit den Fellträgern spielen, das sei zu respektieren, ergänzt sie. Um mehr Patienten Freude zu bereiten, sucht Unternehmer Duttiné jetzt Nachahmer. „Mit dieser verhältnismäßig einfachen Maßnahme kann man dafür sorgen, dass sie wieder mehr am Leben teilhaben“, argumentiert er.

Heimleiter Rolf Nispel und Axel Wenderoth von der Unternehmenskommunikation der Inneren Mission, zollen dem Schlossstädter ein großes Dankeschön und unterstützen den Aufruf.

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