Mit der Beißzange ans Glas

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Holger Gottlieb und seine 16-jährige Tochter Nadine widmen sich der Tiffany-Kunst.

Obertshausen - Junge Mädchen, die mit einer Beißzange hantieren, geben auch im 21. Jahrhundert noch kein alltägliches Bild ab. Die 16-jährige Nadine bedient das Gerät sehr versiert, knickt Glas präzise an den Markierungen ab. Von Michael Prochnow

Klar, sie praktiziert die Technik schon seit ein paar Semestern. Ungewohnt ist aber der Standort: Selten gestaltet sie Tiffany-Bilder im selben Raum wie eine Gruppe Damen, die zu flotter Musik Bauch, Brust und Arme stählen.

Im Volksbildungswerk (VBW) Obertshausen ist fast alles möglich. Ein paar Kostproben aus ihrem umfangreichen Programm stellt die Bildungseinrichtung an ihrem zweiten Servicetag im Rathaus Beethovenstraße vor. Die gymnastischen Angebote begeistern nahezu nur Frauen. Sie lassen sich von Aleks Macakanja Qigong erläutern und folgen den Aufwärm- und Dehnungsübungen.

Danach verteilt Miriam Utzig Gymnastikstäbe. Die schweren Kugeln an beiden Enden verstärken die Schwingungen der Stangen. So werden zahlreiche Muskeln herausgefordert und in Bewegung gehalten, lehrt die Übungsleiterin. Nach ihrer Präsentation im ehemaligen Sitzungssaal ist der Kurs fast ausgebucht.

Um Vibrationen geht es auch bei Klangtherapie mit Maria Kleinhens und Patricia Schulmerich. Ein Klopfen an die verschieden großen Schalen, die Probanden in Händen halten oder auf die Schulter stellen, genügt und Vibrationen durchdringen die Körper. Sie können verschiedene Krankheitsbilder verbessern, erläutern die Leiterinnen. Nun verteilen sich die Stamm-Teilnehmer des „Body-Fit-Mix“-Kurses von Nicole Fischers in dem Raum. Sie ziehen an Gummibändern mit Haltegriffen, möglichst alle im selben Rhythmus.

Vor 25 Jahren mit Tiffany-Technik begonnen

Nadine indes lässt sich von dem Treiben vor ihren Augen nicht beeindrucken, greift nach einer der bunten Scherben und nach einem Glasschneider. Damit teilt sie das Material, erzeugt deutliche Kanten. Zuvor hat sie eine Schablone auf die grüne Fläche gelegt und mit einem wasserfesten Marker umrandet. Nach dem Schneiden werden die Kanten mit einer Schleifmaschine bearbeitet, eine selbstklebende Kupferfolie aufgezogen und mit Lötkolben und -zinn eingefasst. „Das macht mir Spaß, weil man am Ende ein schönes Ergebnis hat“. Vater Holger hat vor mehr als 25 Jahren mit der Tiffany-Technik begonnen. Der gelernte Tischler hat seine Kenntnisse auch im Beruf verwenden und Arbeiten an Fenstern ausüben können. „Du kannst alles machen“, wirbt er für diese Kunst und zeigt Fotos seiner Werke.

Wenn am 16. Februar der neue Kurs mit Sigurd Wißmann beginnt, sind Vater und Tochter wieder dabei. Auch wegen der „familiären Atmosphäre“. Der ehemalige Schulleiter Wißmann zählt zu den Pionieren des VBW.

Im Flur stellt Irmela Merget Bilder aus. In der Geschäftsstelle geben derweil auch die VBW-Vorsitzenden Heide Heß und Jürgen Krapp, Geschäftsführer Jürgen Hofmann sowie weitere Mitarbeiterinnen freundlich Auskunft. Werkstags tun sie das im Zimmer 212.

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