Toaster und Wichtel

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Mit seiner Examensarbeit „Cornell und der Toaster“ hat Robert Scheffner einen ersten Preis bei der „Visionale“ geholt.

Obertshausen ‐ Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Robert Scheffner holte einen ersten Preis bei der Visionale in Frankfurt. Der junge Drehbuchautor und Produzent von Trickfilmen aus Hausen gewann mit seiner Examensarbeit „Cornell und der Toaster“. Von Michael Prochnow

Die selbst geschaffenen Figuren, Handlung und Ausführung des animierten Streifens beeindruckten die Jury am Main. Der Absolvent der Academy of Visual Arts Frankfurt siegte in der Kategorie „Young Professionals“, in der er sich vor allem gegen Studierenden der Offenbacher Hochschule für Gestaltung durchsetzen musste. Die Reihenhaus-Fassade ist unauffällig, auch die Einrichtung verrät nichts vom Innenleben. Doch was auf den ersten nach einer kleinen Kellerbar aussieht, entpuppt sich als Lebensraum für buchgroße Wesen mit sanftmütigem bis traurigem Blick. Ihr Zuhause ist ein durchsichtiger Würfel aus Plexiglas, andere erstrahlen im Scheinwerferlicht und warten vor der Linse der Spiegelreflexkamera auf ihren nächsten Schritt.

Im elterlichen Hobbyraum hatte Robert eine schlichte Szenerie aufgebaut. Aus verschiedenen Perspektiven fotografierte er die einzelnen Bewegungen seiner Protagonisten aus Draht, Knete und Stoff und fügte die Bilder auf seinem Laptop zu einem Film zusammen: Eines Morgens verabschiedet sich der Toaster mit einer kleinen, schwarzen Rauchwolke. Cornell trägt das geliebte Gerät im Garten zu Grabe. Das beobachtet Herr Ollenhauer.

Er buddelt den Apparat heimlich wieder aus – und wird von Cornell der Grabräuberei beschuldigt. Doch Ollenhauer hat den Toaster repariert, und so werden er und Cornell Freunde, haben ihre Einsamkeit besiegt.

„Die Botschaft ist nicht unbedingt witzig“, erklärt Robert Scheffner, dass sein erster Anlauf nicht schon mit einer Trophäe gekrönt worden ist. „Bei den Rüsselsheimer Filmtagen ging es um Satire, da hab' ich mich einfach auf gut Glück beworben.“ Die Erfahrung war's wert, sagt der junge Künstler heute.

In Frankfurt schien er wieder leer auszugehen. Erst zu allerletzt wurden „Cornell“ und Scheffner aufgerufen, erinnert er sich an das lange Warten bei der Visionale. Wichtiger als die 500 Euro Preisgeld sei die Möglichkeit, sich mit dem Titel bewerben zu können. In Stuttgart, wo er jetzt am Internationalen Trickfilm-Festival teilnehmen möchte, gehe es auch darum, Kontakte zu anderen Filmschaffenden und Auftraggebern herzustellen.

Einige Jobs hat Robert bereits bekommen. Für eine Zeitschrift illustrierte er mit seinen Figuren eine Reportage. Regelmäßig arbeitet er in einem Frankfurter Trickfilm-Studio mit.

Dort lernte er ein paar Tricks, unter anderem wie seine Puppen mit Hilfe von Magneten eine höhere Standfestigkeit erlangen. Für einen zweiminütigen Internetauftritt hat der Hausener den Kopien der Pop-Stars Madonna und Lady Gaga bereits die Haare gemacht.

Das Studio unterstützt ihn möglicherweise auch bei seinem nächsten Projekt, an dem er bereits arbeitet. In einer skurillen Weihnachtsgeschichte, verrät der Autor mitten in der fünften Jahreszeit, geht es um einen Wichtel mit Schlafstörungen.

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