Für den alten Rock ‘n’ Roll

„Tom Jet & The Starlighters“ feiern 25-jähriges Bühnenjubiläum 

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Auch solo ist Tom Jet auf den Bühnen im In- und Ausland unterwegs – begleitet nur von seinen Gitarren.

Obertshausen - Vor 25 Jahren gingen aus der populären Band „Colorados“ „Tom Jet & The Starlighters“ hervor. Eigentlich wollten die in der Region prominenten Musiker nur ihr Steckenpferd – den guten, alten Rock’n’Roll der 50er und 60er Jahre – pflegen. Doch längst werden die Männer in den rot karierten Jacken und weißen Lackschuhen international gebucht. Von Michael Prochnow 

1993. Die Colorados hatten gerade ihre Abschiedstour hinter sich. Die Musiker, die alle ihren Jobs nachgingen, wollten einfach nur noch zum Spaß spielen. Neben Thomas „Tom Jet“ Jeutter waren da die neuen „Starlighters“ Helmut „Helle“ Baum mit seinem Saxofon und am Piano, Tom Becker an Kontra- und E-Bass und dazu Kollegen von der Band „United“ aus Seligenstadt, Norbert „Zabo“ Zabolitzki am Saxofon und Christian Hirsch am Schlagzeug. Sie bilden die Ur-Besetzung der Starlighters. Tom Jet war erst Ende der 80er mit Bühnenpartnerin Christin Kehrein als Rock-Duo „Crazy Cats“ durchgestartet. „Wir waren viel unterwegs, werden bis heute über Agenturen gebucht, treten in Deutschland, Italien und in der Schweiz sowie auf Kreuzfahrten auf“, berichtet er. Jeutter war bis dahin noch als Maschinenbautechniker bei Ymos beschäftigt. „Als Colorados hast du gespielt, was dich selbst gar nicht interessiert“, sagt er. Die Hessen fuhren bis zum Gastronomen-Ball nach Hamburg, stimmten Cha-cha, Rumba und Schlager an. „Als Tanzmusiker gehört das dazu.“

Das fiel also jetzt weg. Aber Tom und die Kameraden vermissten rasch das „Band-Gefühl“. Der Hausener gewann die Ex-Kollegen für den Old Style, „einfach so, als Projekt von kleinem Umfang, nur das spielen, was uns selbst gefällt“. Das ist Swing, Boogie-Woogie und Rock’n’Roll der 50er und 60er Jahre. „Obwohl wir dazu eigentlich zu jung sind.“ Hintergrund war ein Aufflammen des Stils in den 70ern. Weil viele Amerikaner rund um Frankfurt stationiert waren, blieben die Hits von Bill Haley, Elvis Presley, Chuck Berry und Fats Domino angesagt. Eddy Chocran, Dion & The Belmonts, Joey Dee & The Starliters waren in Clubs und Hallen zwischen Frankfurt, Offenbach und Hanau unterwegs. „Das hat uns geprägt, das waren Typen mit Temperament“, blickt Tom zurück.

Sängerin Christin und die Männer in den rot karierten Jacken und weißen Lackschuhen werden international gebucht.

Los ging’s mit den Starlighters in Mainflingen. Sie spielten auf Paletten und bei Bomben-Wetter, Hunderte waren auf dem Radweg unterwegs. „Und alle wollten Visitenkärtchen haben“, erzählt Tom. 1993 hatte keiner diese Musikrichtung bedient – es gab fast nur Synthesizer-Pop. „Wir hätten ja im Proberaum für uns allein und gegen den Trend weitergespielt. Aber offenbar haben wir den Nerv vieler Leute getroffen.“

Zwei, drei Jahre ging es für die neue Formation rasant aufwärts, die Gruppe wurde Stammgast des Oldie-Clubs Offenbach, Tanzclubs kamen auf sie zu, Tänzer in Pettycoats und Lackschuhen tummelten sich vor den Bühnen. „Das war toll anzuschauen, wir hatten unsere Szene gefunden“, sagt Jeutter. Das Management der „Crazy Cats“ vermittelte nun auch die Starlighters, bald wurden sie in Stuttgart, Berlin, Hamburg und München gefeiert, traten mit der Spider Murphy Gang, mit Searchers und Equals auf, mit den englischen Größen Swinging Blue Jeans, Rock’n’Roll Circus, Mercy Beat. Tom Jet tourte durch Irland, vom eigenen Fanclub begleitet.

Zabo und Helle kletterten mit ihren Saxofonen Feuerwehrleitern hoch, spielten auf und unter Tischen, über Kopf und ineinander verschlungen. In Obertshausen sind sie am 1. Mai als Saison-Opener beim DRK-Fest auf dem Marktplatz, gehörten zum Waldfest des spanischen Elternvereins, machen Maifest und X-Mas-Party im Bürgerhaus und begleiten viele Vereinsfeste.

„Aber es läuft nicht mehr so viel wie früher“, spürt Jeutter. „Für die reine Rock’n’Roll-Band geht die Zeit vorüber, der Trend wendet sich Swing und Jive-Tanz zu und gewinnt so auch junge Leute auf die Tanzfläche.“ Also konzentriert sich der Bandleader auf Boogie und Swingabende. Er erfindet sich aber auch immer wieder neu, gründete die „Tom Jet Band“, die klassischen Rock von Bon Jovi über Robbie Williams bis zu Deep Purple interpretiert. Daraus entstand wiederum Status Zwoo – „der Versuch, die Starlighters und die Tom Jet Band zu verbinden“.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Der härtere Party-Rock folgt dem Wunsch der Fans mit zwei Gitarren plus Bassgitarre, ohne Saxofone. So haben sie ein Repertoire mit vielen Cover-Titeln einstudiert, zeitgemäßer, druckvoller. Thomas Jeutter setzt stets auf die neueste Tonstudiotechnik auf der Bühne, die Titel werden im Hintergrund synchronisiert. Um den originalgetreuen Klang zu gewinnen, produziert er im Vorfeld daheim in seinem Studio.

Wohin geht die Reise? „Keine Ahnung, es gibt viele Ideen, aber es fehlt die Zeit, alles umzusetzen“, sagt der Boss. Verwirklicht hat er schon die Formationen Billy & The Fenderman, „die kleinen Starlighters“, die „Coming Home Blues Band“. Und dann gibt es natürlich noch Tom Jet alleine als Musiker und Entertainer. Auch als Solist ist er viel unterwegs, zurzeit vor allem mit dem Rudel-Sing-Sang.

„Es macht immer noch viel Spaß, und so lange es läuft, machen wir weiter“, sagt er über die Zukunft seiner Band. „Heute ist es sehr schwer, eine Kapelle mit sechs Mann unterzubringen, viele Veranstalter wollen nur einen Alleinunterhalter oder einen DJ“. Teure Säle, Sicherheitsbestimmungen und die Gema täten ein Übriges, um Live-Auftritte auszubremsen. Tom Jet & The Starlighters, das sind heute neben Tom mit Gitarre und Gesang Dieter Schmidt, Gerald Jäger, Norbert Sprengart, Ditz Gunzenhäuser und Christin Kehrein singt. In dieser und der ursprünglichen Besetzung spielen sie bei der Jubiläumsfeier am Samstag, 14. April, einen Tag nach Jets 60. Geburtstag, im Wiener Hof (Langener Straße 23) in Bieber.

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