Traumjob trotz Gegenwind

Ehemaliger Erster Stadtrat Hubert Gerhards blickt zum runden Geburtstag auf seinen Werdegang

Glücklicher Jubilar: Hubert Gerhards ist 70 geworden.
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Glücklicher Jubilar: Hubert Gerhards ist 70 geworden.

Er ist ein eher ruhiger Vertreter seiner Spezies. Seine Überzeugung vertritt er unaufgeregt, seine Karrierekurve verläuft geradlinig. In diesen Tagen hat Hubert Gerhards seinen 70. Geburtstag gefeiert und genießt still ausgefüllte Tage fernab der politischen Hektik.

Obertshausen – Geboren wird er in Dernbach und wächst gemeinsam mit zwei älteren Brüdern in in Montabaur auf. Der Vater war Leiter der AOK Unterwesterwald.

Der Jubilar bestand nach acht Jahren den Volksschul-Abschluss, besuchte das Aufbau-Gymnasium und erwarb nach weiteren sechs Jahren das Abitur. Nach dem Besuch der Bundeswehr begann er seine Berufsausbildung mit dem Jura-Studium in Mainz, Freiburg und Speyer, das erste wie das zweite Staatsexamen bestand der Westerwälder in Baden-Württemberg.

Nach Stopps in Freiburg und Frankfurt kam er 1982 zur Stadt Offenbach und wurde persönlicher Referent von Bürgermeister Josef Petermann, Leiter von Finanzdezernat und Wirtschaftsförderung, Stadtwerke und EVO. „Das war eine interessante Mischung“, kommentiert der Jurist seinen ersten Job.

1987 führte sein Weg in den Kreis Offenbach. Als Leiter des Schulverwaltungsamts war er für rund 90 Schulen zuständig. Als Dezernatsverwaltungsleiter Heinz Eyßen ein Jahr später Bürgermeister von Egelsbach wurde, übernahm Gerhards dessen Posten. Er saß nun im Kreis- und im Schulausschuss, war für Gebäude und Ausstattung zuständig.

Bereits 1970 ist das Geburtstagskind in die Junge Union eingetreten. „Das war nach der Willy-Brandt-Wahl 1969, da bin ich mit fünf älteren Pfadfindern in die JU eingetreten“, erinnert er sich.

In die Fraktion gelangte er 1989 als Nachrücker. Kurios war seine Wiederwahl zum Stadtrat: Nach mehrmaligem Patt war er der Sieger eines Losverfahrens gegen Rudolf Schulz, damals noch Vorsitzender der örtlichen SPD. „Das war ein unwürdiges Schauspiel“, bewertet er im Nachgang und spricht von einem „Tiefschlag für die Politik“.

Das Amt des Ersten Stadtrats hatte er am 1. August 1992 übernommen. Gerne erinnert er sich an das Projekt S-Bahn und Omega-Tunnel: „Ich war bei allen Gesprächen mit der Bahn dabei und bei der Abstimmung nachts um 1 Uhr, als wir mit einer Stimme Mehrheit die Unterführung durchgebracht haben.“ Die Entwicklung des Gewerbegebiets Herbäcker wurde innerhalb von vier Jahren fast komplett vermarktet. „Der Kontakt mit DHL in Bonn hat Spaß gemacht, es war toll, so ein Unternehmen hier anzusiedeln“, bemerkt Gerhards.

Trotz gelegentlichen Gegenwindes war es für den Stadtrat ein Traumjob. „Du hockst nicht nur im Büro, bist immer in Kontakt mit Menschen, erweiterst auch bei 90-Jährigen und Goldenen Hochzeiten deinen Horizont“, schwärmt Gerhards von seinen Aufgaben. „Du erfährst viel von der Wandlung der Stadt, auch wenn du nicht mit Rodauwasser getauft bist.“

Hubert Gerhards sitzt schon in der vierten Wahlperdiode im Kreistag sowie in der Regionalversammlung, ist Ortsgerichtsvorsteher und in zwei Stiftungen, Beisitzer im CDU-Vorstand, seit zwölf Jahren Vorsitzender des Alpenvereins, Sektion Offenbach – mit 2000 Mitgliedern eine der größten. Ein E-Bike wäre nicht sein Ding, „dann lieber eine Harley“, stellt der Vater von drei Söhnen und Großvater zweier Enkelkinder abschließend klar. (Von Michael Prochnow)

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