Turbulente Yeti-Jagd

Theaterclub „Lach Mal“ sorgt mit neuem Stück für Attacken aufs Zwerchfell

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Mit der Flinte auf die Jagd: Das gefällt nicht jedem und ruft schnell engagierte Yeti-Schützer auf den Plan. 

Man nehme reichlich Wortwitz, platziere geschickt schlüpfrige Anspielungen, steigere schier unüberwindbare Konflikte und löse sie durch übertriebene Überraschungen und gleich mehreren Happy Ends. 

Obertshausen – Exzellente Bühnen-Talente wären hilfreich, prominente Mitspieler das Sahnehäubchen. Der Theaterclub „Lach Mal“ verfügt über all diese Zutaten und vereint sie in der Komödie „Die Yeti-Jäger“.

Ein Herr mit Stock und Tirolerhut humpelt in die Rezeption, eine Mutter kritisiert ihren Sohn Thorsten, der viel zu lange im „Dampf-Bad“ verweilt. Mit rabenschwarzem Humor ziehen sie über ihren Schwiegervater und seinen Opa her: „Er ist nur so alt geworden, weil wir kein Geld für einen Killer haben.“

Oberförster Gustav Schmierhuber grummelt, liefert sich einen Schlagabtausch mit dem Enkel und zückt zehn Euro zum Geburtstag des Teenagers. Nebenbei erfährt der Alte, dass die Schwiegertochter die Pension „Zum strammen Hirsch“ verkaufen will. Der Betrieb lohne sich nicht mehr, seitdem das Sporthotel von Volksmusik-Star Marianne Rödl gegenüber geöffnet hat.

Ehemann Ulrich Schmierhuber ist empört über den Spottpreis, den Notar Arno am Ende notiert hat. Ulrich und Evelyn geraten in Streit, sie sperrt ihn aus, er hüllt sich im Stall in ein altes Fell. So muss ihn die Hotel-Testerin Belinda Kerrygold vorgefunden und für den Schneemenschen Yeti gehalten haben.

Jedenfalls provoziert sie einen Auflauf von Medienvertretern – und weiteren Gestalten im Yeti-Kostüm. Berthold Tessmer zum Beispiel, den Ex von Sängerin Rödel. Und selbst der „Ober-Ranger“ Schmierhuber senior schleicht im Fell durch die Nacht, verfolgt von der liebestollen Testerin Kerrygold. Enkel Thorsten verbündet sich mit der demonstrierenden Yeti-Schützerin Franziska Übelkorn, beide stehen (fast) hüllenlos Mama Evelyn gegenüber ...

Dann ist da noch Nachbarin Silke Schalbier, die ihre Nase immer im falschen Moment in die Angelegenheiten der Familie Schmierhuber steckt. Ganz großes Kino bietet die Szene, in der sich die Kittelschürzen-Trägerin in den uniformierten und grausam sächselnden Schützenkönig und Yeti-Jäger Hans-Josef Pillemann verguckt.

Der lüsterne Blick, die Hände, die erotisch über die Schürze fahren, dazu noch ein gieriges Stöhnen, Mimik und jede Geste bilden eine Einheit, Beate Thews überzeugt. Heiko Möser gefällt mit Dialekt für Fortgeschrittene als Flintenmann, sein Bruder Michael als stets grantelnder Senior. Mit herrlich übertrieben Bewegungen gibt Andreas Farnung den schwulen Notar.

Sehr sicher spielt Beate Zeiger die Evelyn, Dreh- und Angelpunkt im „strammen Hirsch“. Stephan Rauschkolb ist der geschundene Ehemann Ulrich. Mutig und ambitioniert gelingt der Auftritt von Julian Herbert als Enkelsohn und Raisa Uhlig als militante Tierschützerin, die mit Protestplakaten anstelle von Kleidung im Rampenlicht der Yeti-Jäger stehen. Ulrike Heng gibt mit einem authentisch-amerikanischen Akzent die Belinda Kerrygold, Rudolf Cramer schlüpft in die Rolle des Hans-Josef Pillemann, dem Ex von Volksmusikerin Marianne Rödel. Sie wird von Yvonne Halabarda dargestellt, die sich mit gutem Bayerisch präsentiert.

Der als Theater-Urgestein angekündigte Thomas Zeiger dankte den zahlreichen Sponsoren und den Gruppen, die in zwei Pausen die Gäste bewirteten unter dem Motto „lachese, essese, trinkese, Ihr Beitrag ist immer gut“, denn der Erlös geht an wohltätige Organisationen.

VON MICHAEL PROCHNOW

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