Ungewollte Widerstände aufgebaut

Bürger verärgert: Stadt lässt Thujen auf Altem Friedhof entfernen

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Nackte Felder: Das sehen zurzeit Besucher des Alten Friedhofs am Rembrücker Weg. Bis Ende Februar soll kaputtes Grün entfernt werden. 

Ein Ort der Ruhe, auch für die Lebenden – so sehen manche Obertshäuser den Alten Friedhof am Rembrücker Weg. Die Hecken, die die Gräberreihen abgrenzten, boten teils auch in den kalten Monaten einen erholsamen Anblick. 

Obertshausen – Diese sind aber nun seit einigen Tagen großteils verschwunden. Und das zur Überraschung der Friedhofsbesucher und des Fördervereins.

Die Vorsitzende des Fördervereins Alter Friedhof, Hildegard Ott, zeigt Unverständnis für den plötzlichen „Kahlschlag“. „Es war klar, dass etwas passieren wird“, berichtet Ott. Die Pläne, dass die Grünflächen aufgewertet und Wege begradigt werden, seien Thema in der Stadtverordnetenversammlung gewesen. Dennoch überrasche das plötzliche Handeln ohne Bürgerinformation.

„Die Leute rufen mich an und fragen, warum sie nicht informiert wurden“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie verstehe nicht, warum diese – auch in ihren Augen nötige – Maßnahme nicht angekündigt wurde. Auch unserer Zeitung gegenüber teilt eine Leserin ihren Unmut mit: Sie fühle sich nicht zu genüge informiert. Sie verstehe nicht, warum in ihren Augen gesunde Hecken entfernt werden, „und das in Zeiten des Umweltschutzes“.

„Es handelt sich hierbei um eine reguläre Pflegemaßnahme“, teilt Christina Schäfer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, mit. Daher sei eine öffentliche Mitteilung nicht üblich. „Man fühlt sich als Bürger in dem Moment nicht ernst genommen“, erwidert Ott. Mit einer Mitteilung hätte, ihrer Meinung nach, die Stadt solchen negativen Reaktionen und Gerüchten entgegenwirken können. „So baut man nur ungewollte Widerstände auf“, sagt die Vorsitzende weiter und teilt ihre Bereitschaft als Vertreterin des Fördervereins, bei der Neugestaltung mitzuarbeiten, mit.

Braune Flecken in der Hecke sind nicht unbedingt ein Indiz für einen Schaden. Denn Thujen sind keine immergrünen Pflanzen und benötigen viel Wasser.

70 bis 80 Prozent der Thuja-Hecken seien, sagt Schäfer, so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr Grün geworden wären. Das bestätigt auch Hildegard Ott. Die zwei vergangenen, sehr heißen und trockenen Sommer haben den Thujen zu sehr zugesetzt, dass auch intensive Pflege nicht mehr helfe.

Die Entscheidung, die Thujen zu entfernen, trafen die städtischen Gärtner zusammen mit Erstem Stadtrat Michael Möser. Auch wilder Efeu, der unter und durch die Hecken wuchs, machte den nötigen Schnitt schwierig.

Der Zeitraum der Pflegemaßnahme sei bewusst gewählt: Bis Ende Februar soll alles kaputte Grün entfernt sein, bevor Zugvögel zurückkehren. „Der Friedhof soll umgestaltet und gepflegt werden“, bestätigt Schäfer. Die Stadt plane, die Rasenflächen sowie die Wege zu erneuern. Auch mehr Sitzmöglichkeiten sollen den Friedhofsbesuchern zur Verfügung gestellt werden.

Der ökologische Wert der Thujen sei nicht der Beste, sagt Schäfer und verweist auf Mitteilungen des Naturschutzbundes: Das exotische Gehölz, das aus Nordamerika sowie aus drei asiatischen Ländern stammt, biete nur wenigen Vogelarten und Insekten einen Lebensraum.

In einem „Plädoyer gegen die Thujen-Hecke“ schreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Bayern, dass die Pflanzen weder Blüten, Früchte noch Samen tragen. Sie bieten damit heimischen Insekten und Vögeln keine Nahrung. Letztere bevorzugen Laubhecken, in denen sie ihre Nester bauen und Schutz suchen, geschnittene Thujen seien zu dicht. „Die Pflanzen haben zudem einen hohen Bedarf an Wasser“, berichtet Christina Schäfer. Das sei ebenfalls weder ökologisch noch umweltfreundlich.

VON YVONNE FITZENBERGER

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