Der Generationswechsel der Parteien ist geglückt

Verjüngungskur fürs Parlament

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Jungpolitiker mit Fußball (von links): Lukas Kreher, Sascha Roth, Florian Born, Sabrina Grab, Björn Simon, Anthony Giordano und Sebastian Leinweber kandidierten fürs Stadtparlament. Bei sechs von sieben CDUlern hat der Einzug geklappt.

Obertshausen - Da soll nochmal einer sagen, Lokalpolitik sei nur was für angestaubte Aktenwälzer und weltfremde Wichtigtuer. Nach der Kommunalwahl steht fest: Obertshausens Parlament wird jünger, ziemlich jung sogar. Besonders bei den Christdemokraten ist der Generationswechsel geglückt – aber auch auf anderen Sitzen nehmen unverbrauchte Köpfe Platz. Von Eva-Maria Lill

Politik ist langweilig, staubtrocken und nur für diejenigen interessant, die Jugend milde aus dem Rentenalter belächeln. Alles Lüge. Der Beweis: Obertshausens Stadtverordnetenversammlung bekommt eine Frischzellenkur. Denn die Bürger haben bei der Kommunalwahl ein deutliches Signal gesendet. Viele junge Gesichter werden ab April hoch zum Rednerpult blinzeln und ihre Hände für die Geschicke der Stadt recken. Einige Nachwuchspolitiker sind bereits parlament-erfahren, die meisten das erste Mal dabei. Eine große Chance für unverbrauchte Ideen und eine neue Generation im Rathaus.

Björn Simon und Anthony Giordano sind alte Hasen unter den jungen Hüpfern. Sie vertraten die Junge Union (JU) bereits die vergangenen fünf Jahre im Parlament. Beide Anfang 30 – der eine Fraktions-, der andere Parteichef – alles andere als abgenutzte Spitzen. „Ich bin begeistert vom Abschneiden unserer Leute“, freut sich Simon. Denn: Von sieben JU-Mitgliedern wählte Obertshausen sechs ins Parlament – einige davon hochkumuliert. Fast die Hälfte der 15 Sitze, die die CDU durch Stimmen erobern konnte, gehen somit an eine frische Generation. Lukas Kreher (Platz 17, auf 7 kumuliert), Sabrina Grab (Platz 11, 19 im Kreisparlament), Sebastian Leinweber (Platz 23, auf 16 kumuliert) und Sascha Roth (Platz 20) rutschen neben Giordano und Simon auf die Bank.

„Wir wollen Ideen einbringen, damit wir mit der CDU unsre Heimat als liebenswerte Kleinstadt mit Herz erhalten“, erklärt Sabrina Grab. Laut der JU-Pressesprecherin sind unter anderem ein neues Jugendzentrum, das Mehrzweckgebäude, der Erhalt des Alten Friedhofs und Projekte wie der Bücherschrank am Bahnhofsplatz wichtige Themen für die Nachwuchs-Christdemokraten. „Es ist super, dass wir jetzt unsere Anträge direkt vorlegen können und nicht mehr den Weg über die CDU nehmen müssen“, sagt Grab.

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Die JU habe versucht, im Wahlkampf gezielt Jüngere anzusprechen und zu zeigen, dass politisches Engagement auch für diese Generation interessant ist. „Es gibt junge Menschen, die wollen, die können, die das Wissen und die Begeisterung mitbringen, um etwas aktiv zu verändern“, meint die 28-Jährige. Auch JU-Vorsitzende Angelika Heß bestätigt: „In Oberts-hausen wird die Stimme des Nachwuchses wirklich gehört – das zeigt das Wahlergebnis.“ Auch bei den „Bürgern für Obertshausen“ ist eine junge Riege oben auf. Sören Hense lenkt die Partei-Geschicke, Laura Schulz, Jahrgang 1994, sitzt im Parlament.

Manuel Friedrich, geboren 1986, steht an der Listen-Spitze der SPD. Er will die Interessen seiner Altersgenossen vertreten. Engagiert sich für ein neues Jugendzentrum, Bolzplätze, Freibad und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Denkbar wäre ein ,Ring politischer Jugend’, der für Organisationen offensteht und Politik positiv darstellt“, schlägt Friedrich vor. Denn die Arbeit im Stadtparlament sei eben alles andere als langweilig, öde oder unzeitgemäß.

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