Firma verweist aufs Arbeitsrecht

Verträglichen Abschied gestrickt ?

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Die Wirtschaftskrise hat auch das Obertshausener Traditionsunternehmen Karl Mayer getroffen. 350 Mitarbeiter wird der Textilmaschinenhersteller entlassen.

Obertshausen - Längst hat die Wirtschaftskrise auch Obertshausen erfasst. Unter dem Druck der Absatzflaute muss das Traditionsunternehmen Karl Mayer 350 Leute entlassen. Von Thomas Holzamer

Eine schwierige Situation gerade für die Angestellten der Obertshausener Firma Karl Mayer, die einen Jobabbau in dieser Größenordnung in der bisherigen Unternehmensgeschichte so nicht erleben mussten, wie Pressesprecherin Ulrike Schlenker einräumt. Bisher seien die Stellen im Unternehmen stets sehr sicher gewesen, „quasi wie in einem volkseigenen Betrieb“.

Zusätzlich kochen derzeit weitere Emotionen hoch. Wie aus Kreisen der Beschäftigten zu hören ist, fühlt sich ein Teil der Mitarbeiter ungerecht behandelt. Demnach sei es im Zuge der Sozialauswahl zu Ungerechtigkeiten bei den Entlassungen gekommen. Während ledige Kollegen mit nur kurzer Betriebszugehörigkeit bleiben dürften, müssten Familienväter mit längerer Betriebszugehörigkeit gehen, lautet der Vorwurf.

Dies könne in Einzelfällen zwar der Fall sein, entgegnet Ulrike Schlenker, Schuld daran seien jedoch die gesetzlichen Regelungen, die es bei der Sozialauswahl zu beachten gelte.

Geprüft werde in der Regel nach vier Kriterien, wie die stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrates, Monika Winter erläutert. Neben dem Alter, der Dauer der Betriebszugehörigkeit und einer etwaigen Unterhaltspflicht des Beschäftigten spiele dabei auch eine eventuelle Behinderung eine Rolle, so die Betriebsrätin.

Theoretisch sei eine vorsätzliche Benachteiligung des einzelnen Arbeitnehmers dadurch nicht möglich, ergänzt Pressesprecherin Schlenker. So schreibe das Arbeitsrecht beispielsweise vor, dass das Durchschnittsalter der Belegschaft durch die Entlassungen weder signifikant steigen noch sinken dürfe. Zu beachten sei selbstverständlich auch die Funktion des jeweiligen Angestellten, wie Monika Winter bestätigt.

Für die betroffenen Mitarbeiter bestehe jedoch die Möglichkeit, den Sozialplan von der Gewerkschaft überprüfen zu lassen, sagt Robert Weissenbrunner von der IG-Metall in Offenbach. Doch die Gewerkschaft könne das Geschehen nur aus der Ferne beurteilen, da eine gewisse Distanz zum Betriebsrat von Karl Mayer bestehe und man zudem beim Jobabbau bewusst ausgekoppelt werde, so Weissenbrunner.

Ob es auf Dauer bei den vorgesehenen 350 Entlassungen bleibt, ist derzeit noch nicht abzusehen. Geplant sei ein weiterer Stellenabbau zwar nicht, sollte sich die Auftragslage aber weiter verschlechtern, sei das nicht auszuschießen, meinte Unternehmenssprecherin Schlenker.

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