Viele waren zu Tränen gerührt

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Hochbetrieb herrschte am Samstag im Hochbetrieb der Friedrich-Fröbel-Schule.

Obertshausen - Gute Mine zum bösen Spiel: Das Metronom-Duo übertönte am Samstagnachmittag mit fröhlichen Hits die leisen Töne und das stumme Kopfschütteln über etwas, das manchen Einwohnern erst mit diesem Abschiedsfest so recht bewusst wird. Von Michael Prochnow

In 14 Tagen hört das bunte Herz der Hausener auf zu schlagen, die Friedrich-Fröbel-Schule ist dann nur noch Geschichte.

Es war alles andere als eine der üblichen heiteren Feiern, wie man sie von diesem Ort gewohnt war. Keine vergnügten Tänze in bunten Gewändern, keine drangvolle Enge in der überfüllten Aula und keine aufgeregten Drittklässler in bunten Kostümen, die auf ihren Auftritt warten. Statt der vielfältigen und filigranen Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht lagen lediglich Listen auf den Tischen in den Klassenräumen, sortiert nach Einschulungsjahrgängen.

Darin sollten sich die Besucher eintragen. Fast aus jedem Jahr fand sich noch jemand, doch viele waren es nicht, die sich noch für die Chronik einschrieben. Die Kinder, die derzeit noch das Gebäude an der Fröbelstraße mit Leben erfüllen, schien der Anlass der Veranstaltung weniger zu berühren als ihre Eltern. Viele von ihnen lernten hier selbst das Schreiben, Lesen und Rechnen, das Schulhaus bedeutet für sie ein Stück Heimat, wie ein Vater erklärte.

Der Posten galt als „Strafstelle“

1733 wurde erstmals in Hausen unterrichtet – im privaten Zimmer des Lehrers in der heutigen Kapellenstraße. Dort entstand 1839 die alte Schule aus Bruchstein, 1875 wurde sie aufgestockt. Bis dahin hatten die Bewohner nur drei Pädagogen kennen gelernt – der Posten galt als „Strafstelle“. 1902 weihten sie dann den ersten Teil der neuen Fröbelschule ein, erinnert die Chronik des damaligen Rektors Josef Seufert. 1949/50 wurde sie erweitert, 1958 erhielt sie die Turnhalle.

„Kennt jemand den?“ Beim Abschiedsfest der Fröbelschule waren auch alte Fotos zu sehen.

Konrektorin Marga Winter fasste die Trauer, „die Außenstehende nicht nachvollziehen können“, in Worte. Die Einrichtung sei den Menschen ans Herz gewachsen, „wir kennen sie noch aus Zeiten, in denen Schulen gepflegt, nicht nur erhalten wurden“, bemerkte die Pädagogin bitter. „Wir sind dem Charme und der Atmosphäre des Gemäuers erlegen“, erläuterte sie die emotionale Verbindung zu dem Schulhaus. Erleichtert sei sie, dass die „unruhigen Jahre hinter uns liegen“.
Jahre voller Hoffen und Bangen“, die sehr viel Kraft gekostet hätten. „Kraft, die woanders sinnvoller eingesetzt werden sollte“. Das gelte auch für ein aufwändiges Spielgerät, das mit vielen Spenden 2003 im Hof erstellt wurde. Es solle zwar umgesetzt werden, doch das sei so teuer wie ein neues Teil, informierte Dagmar Silber vorm Förderverein. „Ein Beispiel, wie mit Steuergeldern umgegangen wird.“

Von den acht Lehrkräften der Fröbelschule wechseln sechs oder sieben nach den Ferien mit den künftigen Dritt- und Viertklässlern an die Brückenstraße. Zwei Lehrerinnen haben einen Versetzungsantrag gestellt. Die Konrektorin wird die Fröbelschüler am neuen Ort noch bis 2011 führen, dann wechselt sie selbst in den Ruhestand. Draußen wurden alte Schulbücher und Wandkarten verhökert, dazu gab’s Kaffee und Kuchen und andere Leckereien.

Eltern äußerten erneut ihr Unverständnis, dass ausgerechnet die einzige Schule im Ortsmittelpunkt aufgegeben wird. Nun würden viele Familien durch einen langen und gefährlichen Schulweg tägliche Schwierigkeiten aufgebürdet. „Kindeswohl fällt im Kreis Offenbach unausgegorenen Sparplänen zum Opfer“, schimpfte eine Mutter. Zu Tränen gerührt waren viele, als die Musiker „Time to Say Good Bye“ anstimmten, „Zeit, Lebewohl zu sagen“.

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