Pflegemaßnahmen im Obertshausener Wald

Erholungsfunktion hat Priorität

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Christian Münch (2. v.r.), der Leiter des auch für Obertshausen zuständigen Forstamts Langen, erläuterte bei einer Waldbegehung unter anderem die anstehenden Pflegemaßnahmen.

Obertshausen - Was gibt es schöneres als einen Spaziergang durch den Wald? Rund um Obertshausen laden 300 Hektar Waldfläche zum Spazieren gehen, Erkunden und Verweilen ein. Von Sebastian Schwarz

Damit der Wald jedoch überhaupt als Naherholungsgebiet genutzt werden kann, ist eine intensive Pflege nötig. Wie diese aussieht, zeigte Christian Münch vom zuständigen Forstamt in Langen kürzlich bei einer Waldbegehung. Gemeinsam mit dem Offenbacher Revierförster Viktor Soltysiak und Forstamts-Mitarbeiter Knud Dockendorf erläuterte Münch, wie das Gehölz in Schuss gehalten wird. Erster Stopp der Führung ist ein Waldstück bei Lämmerspiel. Zu sehen gibt es dort eine Durchforstungsmaßnahme mit dem sogenannten Harvester, einem 14 Tonnen schweren Gerät, das zum Bäumefällen eingesetzt wird.

Gebannt schauen die Teilnehmer zu, als Fahrer Edgars Usanovs mit dem riesigen Greifarm des motorisierten Ungetüms einen Baum schnappt, ihn umsägt, entastet und anschließend in kleine Stücke zerteilt. Rund 150 Festmeter Holz könne die Maschine pro Tag fällen, sagt Förster Soltysiak. Das entspreche etwas 200 Bäumen. Ein Waldarbeiter schaffe pro Tag rund 15 Festmeter.

Erhalt der biologischen Vielfalt

Ziel der Baumfäll-Aktion ist der Erhalt der biologischen Vielfalt, erklärt Christian Münch. Denn aufgrund der tonigen Böden in Mühlheim und auch in Obertshausen seien in den dortigen Wäldern Fichten besonders stark vertreten. Damit diese andere Bäume wie Ahorn und Esche nicht „totwächst“, gibt es alle fünf bis zehn Jahre eine solche Durchforstungsmaßnahme, bei der etliche Bäume gefällt werden. Warum man hierzu den Harvester verwendet, erläutert Münch: „Mit der Maschine können wir die Unfallzahlen drastisch senken.“ In keinem Beruf habe es früher so viele tödliche Unfälle gegeben wie bei den Forstwirten, so Münch. Weiter geht es mit der Führung anschließend in Obertshausen, im Waldstück „Judenhecke“. Dort zeigt Knud Dockendorf, wie das Forstamt mit seinen Mitarbeitern dafür sorgt, dass sich die Obersthausener auch weiterhin an ihrem Wald erfreuen können.

Denn Durchforstungsmaßnahmen wie die zuvor im Mühlheimer Wald gesehenen stehen bei den Förstern eigentlich gar nicht so weit oben auf der Aufgabenliste. Wichtiger ist ihnen viel mehr der Erhalt der sogenannten „Erholungsfunktion“, wie Dockendorf den Führungsteilnehmern erläutert. „Der Fokus der Waldbewirtschaftung in Obertshausen liegt darauf, die Erholung sicher zu stellen. Das ist unser Kernauftrag“, bekräftigt auch Christian Münch. Und selbstverständlich spiele auch der Naturschutz eine ganz wichtige Rolle.

Einblicke in die Arbeit des Forstwirts

Damit Waldbesucher sich auch in Zukunft an dem Gehölz erfreuen können, werden unter anderem abgestorbene und schräg hängende Bäume gefällt sowie Wege und Bänke instand gehalten, gibt der Forstwirt einen Einblick in seine Arbeit. Zur Verjüngung des Waldes werden außerdem zahlreiche Buchen in dem Waldstück gepflanzt

Zum Aufgabenfeld der Wald-Experten gehört zudem die Ausweisung sogenannter „Habitatbäume“. Diese alten Bäume dienen als Lebensraum für zahlreiche Tierarten, etwa für Spechte und Fledermäuse. Sie werden bei der Waldbewirtschaftung nicht genutzt und dürfen ihren normalen Lebenszyklus durchlaufen. Mindestens drei solcher Bäume werden laut Münch pro Hektar ausgewiesen, aber es können mitunter auch erheblich mehr werden.

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