Preisträgerkonzert in Obertshausen

Was, wenn jeder perfekt spielt?

+
Weit entfernt vom eher witzigen als wertigen Blockflötenpusten der Kindheit: Preisträgerinnen.

Obertshausen - Eine besondere Wertschätzung wurde der Musikschule zuteil. Anlässlich ihres 25. Geburtstags fiel ihr die Rolle der Gastgeberin für das Preisträgerkonzert des 51. Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ zu.

15 junge Talente boten mit ihren Instrumenten einen außergewöhnlichen Musikgenuss. Für die Vorstellung auf höchster Ebene, dem Bundeswettbewerb im Juni in Braunschweig, war der Auftritt in Obertshausen eine Art Generalprobe, erklärte Obertshausens Musikschulleiter Dietmar Schrod. Mit Jürgen Krapp, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Volksbildungswerks, grüßte er Mädchen und Jungen sowie deren Eltern von Wetzlar bis Wixhausen, von Maintal bis Niddatal. 1160 Teilnehmer stellten sich in sieben hessischen Regionen dem Wettbewerb, 300 maßen sich auf Landesebene und 89 von ihnen spielen oder singen demnächst auf Bundesebene.

Ein Trompeten-Quartett von der Lahn gewann eingangs den Respekt des Auditoriums mit der Toccata von Telemann und Five O’Clock von Clemens Weindorf. Akurat traf es jeden Ton, spielte mehrstimmig mit den anspruchsvollen Melodien. Die Solisten am Klavier begeisterten mit einer Beethoven-Sonate und Konzertstücken von Liszt sowie mit wechselvollen Werken von Debussy und Prokofjew. Die jüngsten Sieger waren vier Mädchen zwischen zehn und zwölf Jahren an den Saiten von zwei Violinen, Viola und Violoncello. Sie interpretierten mit der Sicherheit von Berufsmusikern Kompositionen von Corelli und Mozart sowie eine Polka der Zeitgenossin Sheila M. Neilson. Ein Blockflöten-Duo wechselte während des Vortrags die Instrumente, eine Partnerin blies gleich zwei Flöten gleichzeitig. Kraftvoll trug eine Sopranistin der höchsten Altersgruppe Lieder von Schumann und aus dem Musical My Fair Lady vor.

Eine Neuerung stellte das Spiel des türkischen Saiteninstruments Baglama zum kreativen Rhythmus des Schlagzeugs dar. „Migranten wählen weniger die klassischen Instrumente“, beobachtete Dr. Ursula Jungherr. Die Präsidentin des Landesmusikrats erklärte, dass Geräte aus anderen Kulturen zugelassen werden, „wenn die Leistung stimmt“. Bei „Jugend musiziert“ stehe aktuell das Klavier im Vordergrund. Es stehe in der Gunst des Nachwuchses ganz oben, und die Leistung der Besten könne kaum noch gesteigert werden. Die verkürzte Schulzeit am Gymnasium und der damit verbundene zusätzliche Unterricht am Nachmittag ließ zuletzt jedoch die Zahlen der Musikschüler sinken. Wer sich auf Landesebene durchsetzen wolle, müsse täglich mehrere Stunden üben. Dann brauchen die Jugendlichen Auftritte, damit die Nervosität nachlasse, „und diese Chance geben wir ihnen“. Daneben gibt es Förderkurse mit Dozenten von Hochschule und Rundfunkorchester.

„Es ist wichtig, mit dem Auftritt Emotionen rüberzubringen“, fasste Marietta Lüders von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zusammen, „die Technik beherrschen sie alle“. Sie forderte das Spiel mit Leidenschaft. Die Eltern mögen ihre Sprösslinge animieren, denn ohne ihr Engagement seien keine Erfolge möglich. Marietta Lüders vergab Stipendien für den Kammermusik-Förderkurs, während Schrod Präsente der Stadt Obertshausen verteilte. Peter Schreiber, Vorsitzender des Landesausschusses von „Jugend musiziert“, schwärmte von Euphorie und dem Austausch mit anderen Auserwählten bei der Vorbereitung auf den Bundes-Vergleich. „Die beste Wertung wird erreichen, wer Emotionen in seinen Vortrag bringt“, versicherte auch Schreiber.

(M.)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare