Werke von Marina Arsangerieva

Vernissage mit Überraschung

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In ihren Werken verarbeitet die tschetschenisch-ukrainische Marina Arsangerieva (links) Stilelemente aus der Kultur ihres Heimatlandes.

Obertshausen - Marina Arsangerieva malt Frauenbilder in starken Kontrasten. Jetzt eröffnete der Deutsch-Türkische Kulturverein zusammen mit der Türkischen Studentplattform Frankfurt im Rathaus Schubertstraße eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin aus der Ukraine. Von Michael Prochnow 

So endet nicht jede Vernissage: Esad Sahin, der Lebensgefährte der Malerin, kniet vor der Treppe des kühlen Verwaltungsgebäudes vor seiner Marina nieder, überreicht ihr eine langstielige Rose und fragt sie, ob sie ihn heiraten möchte. Eingeweihte Freunde des Bräutigams lassen Rosenblätter über das Paar regnen, Applaus brandet auf, der Angebeteten rollen ein paar Tränen über die Wangen, dann umarmt sich das Paar innig.
Es könnte ein Motiv aus der Sammlung ihrer Bilder sein, die bis zum 3. März dem schmucklosen Raum Leben einhauchen. Marina Arsangerieva zündet auf jeder Leinwand ein Feuerwerk intensiver Farben, die über Grautöne und Schwarz obsiegen. Und immer sind es Frauen: Mal mit einer Haarpracht aus großen und kleinen, kunterbunten Wiesenblumen, mit Porträts ihrer Schwester, geeint vor abstrakten Formen und Linien, oder Farbspritzer über einen Körper, dem von seinem grauen Ebenbild der Mund zugehalten wird.

„Was sonst, ich bin selbst eine Frau“, lautet die ernüchternd logische Antwort Marinas zur Frage nach dem Motiv, das (fast) jedes Bild dominiert. Das Blumenmeer, das aus vielen Werken zu fließen scheint und selbst die Zifferblätter der Uhren auf einer Komposition bestimmt, basiert auf der ukrainischen Kultur. Ganz typisch ist die Vision, für die sie das rechteckige Format des Gemäldes diagonal teilte: Eine Tänzerin hockt versunken vor einer dunklen Häuserzeile, löst sich in aufhellenden Grautönen und schwebt mit wehenden Tüchern rücklings über eine saftige Wiese davon.

In vielen Bildern hat das Talent auch den Krieg und Besetzung in ihrer Heimat thematisiert. Zum Beispiel in dem Gesicht, auf das spitze Schwerter zielen. Die Künstlerin hat sie durch Einschnitte in die Leinwand dargestellt, die mit Bändern in den Farben ihres Heimatlandes zusammengehalten werden. Sie arbeitet bevorzugt mit Öl- und Acrylfarbe, die schnell trocknet, oft mischt sie beide. Inspiriert wurde sie von Van Gogh.

Marina Arsangerieva hat tschetschenisch-ukrainische Wurzeln, wuchs an der Grenze zu Russland auf und malte schon als Kind gerne. Vor sieben Jahren kam sie nach Frankfurt, um ihre Deutschkenntnisse zu verfeinern. Sie begann zu modeln, widmete sich an der Goethe-Uni den Theater-, Film- und Medienwissenschaften, wirkt in Filmen mit und steht auf Bühnen in der Mainmetropole.

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Ebru Al, Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Kulturvereins, und der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi eröffneten die Ausstellung in Ermangelung eines Vertreters der Stadt. „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, zitierte letzterer Picasso und zollte der Malerin großen Respekt. Der Politiker aus Heusenstamm sieht Migration als Bereicherung, „wenn alle etwas von ihrer Kultur mitbringen“. Atila Karabörklu, Bundes- und Landesvorsitzender einer Gemeinschaft offen gesinnter türkischer Gemeinden, erkannte in den Bildern Hoffnung: „Marina malt das Leben, unsere Wünsche, sie enthüllt mit ihrer Kunst die Weiblichkeit.“

Mehmet Ali Yildirim und sein Partner umrankten das farbenfrohe Spektakel mit sehnsuchtsvollen Melodien aus der Türkei. Die passten auch gut zur Gefühlslage der Frau im Mittelpunkt: Sie hat „Ja!“ gesagt.

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