Wetter steuert Angebot

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Inge Wolf leitet seit mehr als 15 Jahren die Kleiderkammer des DRK Hausen. Die Einrichtung im DRK-Zentrum in der Dreieichstraße 10 ist dienstags und donnerstags jeweils von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Obertshausen ‐ Die Aktiven Elisabeth Michaelsen, Josef Hackenberg und Katharina Fuß haben sie gegründet, die Kleiderkammer der DRK-Ortsvereinigung Hausen. Anfang der 80er Jahre residierte sie zunächst im Keller des Bürgerhauses. Von Michael Prochnow

Drangvolle Enge herrschte in dem dunklen Raum, erinnern sich Helfer der ersten Stunden. Dann zog die Einrichtung mit dem gesamten Verein in eine ehemalige Lederwaren-Firma an der Lämmerspieler Straße, wo die Einrichtung den größten Saal beanspruchte. 1997 zog das Rote Kreuz dann in die Dreieichstraße, das Angebot für Bedürftige hatte sich längst zu einem der größten im ganzen Land entwickelt. Seit mehr als 15 Jahren leitet Inge Wolf die Kleiderkammer. Sie erinnert sich: Anfangs nutzten vor allem Spätaussiedler aus Schlesien, die im nahen Übergangswohnheim Gumbertseestraße untergebracht waren, die Ausgabe. Dann kamen die Russland-Deutschen, in den 90ern Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die nächste Gruppe bildeten Asylbewerber, die Hilfe suchten. „Aus dieser Zeit kommen noch genau drei Personen“, zählt die Ehrenamtliche auf.

Frauen aus Osteuropa suchen Kleider

Heute suchten viele Frauen aus Osteuropa, die hier für jeweils drei Monate Pflegedienste übernähmen, Kleider für Verwandte in der Heimat. Zahlreiche junge Familien stellten sich an, „die Nationalität spielt heute keine Rolle mehr“, beobachtet Inge Wolf. Das Gros rekrutierte sich aus Hartz-IV-Empfängern.

Insgesamt drei Kleiderkammern unterhalten DRK-Ortsvereinigungen im Kreis. Zwischenzeitlich wurden sie vom Kreisverband geführt, mittlerweile laufen sie wieder unter der Regie der Helfern vor Ort. Sie verbindet ein sozialer Arbeitskreis, in dem sie sich regelmäßig austauschen. Die Rodgauer öffnen in Nieder-Roden täglich einen „Kleiderladen“. Die Einnahmen kommen einem sozialen Projekt zu Gute. Bedürftige erhalten eine eigene Karte und können kostenfrei Kleidung abholen.

Die Hausener Kollegen wollen ihr Konzept beibehalten, um ihre Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden. Die Kammer ist weiterhin dienstags und donnerstags jeweils von 15 bis 17 Uhr geöffnet, erklärt Leiterin Wolf. An den dicht gefüllten Ständern hängen mehrere tausend Kleidungsstücke. In dem hellen Raum im Souterrain gehören zudem Schuhe, Bettwäsche, Handtüchern, Spielwaren und Haushaltswaren gehört zum Angebot. Bis zu 30 Teile dürfen Gäste mitnehmen. Die Gruppe unterstützt aber auch Mitbürger, die Hilfspakete für ihre Not leidenden Landsleute schnüren.

Bis 20 Personen kommen an einem Öffnungstag

Zwischen 15 und 20 Einzelpersonen, Paare und ganze Familien kommen an einem Öffnungstag. Manche fahren selbst von Dietzenbach, Heusenstamm, Mühlheim, Hanau und Maintal nach Hausen. Dort akzeptiere man auch die Ausweise, die bei den „Tafeln“ in Frankfurt und Offenbach ausgegeben würden, informiert die Sprecherin. Ihr Team besteht aus 13 ehrenamtlichen Mitstreitern, hinzu kommen zuweilen Jugendliche, die Sozialsstunden leisten müssen. Derzeit packen drei junge Leute mit an.

Zu den Tätigkeiten der Mitarbeiter zählt, Kleidung von Flohmärkten abzuholen, die nicht verkauft wurde. Sie fahren zu Haushaltsauflösungen und sortieren die Ware, die vor allem von Spendern gebracht wird. Jacken und Hosen, Unter- und Oberbekleidung wird auf die Kleiderständer verteilt, schildert die Organisatorin. Nach der Ausgabe wird aufgeräumt und das Sortiment aus dem Lager aufgefüllt. „Im Winter bekommen wir viele Sommersachen und umgekehrt.“ Badeanzüge, Röcke, T-Shirts werden also momentan in Kisten verpackt und in Regale gestellt. Auch die aktuelle Wetterlage steuert die Auslage.

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