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Wilde Erdbären trotzen dem Eis

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Minusgrade Schnee Kinder Waldkindergarten
Wollmützen, dicke Jacken und der Bewegungsdrang halten die Jungen und Mädchen bei minus drei Grad mollig warm. Foto: Michael © Prochnow

Obertshausen - Glaubt man den Geschichtsschreibern, dann hat es Waldkindergärten auch schon viele Jahrhunderte vor Christus gegeben - auch wenn sie nicht so hießen. Von Barbara Hoven

Der Sage nach wurden schließlich schon Romulus und Remus, nach der römischen Mythologie die Gründer der Stadt Rom, von einer Wölfin im Wald großgezogen. Wenn auch weniger komfortabel als es die Kinder im Waldkindergarten „Die wilden Erdbären“ in diesen kalten Wintertagen erleben. Funktionskleidung, Handwärmer und Thermoskannen, derzeit Teil der Grundausstattung am Waldrand an der Laakirchener Straße, gab‘s damals noch nicht. Heute fehlt es diesbezüglich an nichts mehr. Deshalb irren all jene, die glauben, dass die von der Awo Obertshausen betriebene Freiluft-Einrichtung im Winter dicht machen müsse. Auch bei Minusgraden toben die 14 Jungen und Mädchen jeden Tag draußen, egal ob es regnet oder schneit.

Der größere Aufwand beim Pipi machen ist das einzige, was die Erzieherinnen Barbara Ilg und Daniela Ott am Winter ein wenig nervt. „Das dauert halt ‘ne Weile, bis man den Kindern all die dicken Kleider aus- und wieder angezogen hat“, sagt Ilg und lacht. Ohne den Zwiebel-Look geht im Winter eben nichts. Ansonsten sei es einfach nur toll, alle Jahreszeiten hautnah in der Natur zu erleben.

Bilder vom Waldkindergarten:

Die Kinder sehen das ganz offensichtlich ähnlich: Obwohl das Thermometer gestern auf minus drei Grad gesunken ist, sind unter den Kapuzen und Wollmützen nur strahlende Gesichter zu entdecken. Lautes Kinderlachen schallt durch den Wald. Vom vierjährigen Niko etwa, der gerade einen verschneiten Asthaufen erkraxelt. Oder von Ina, drei Jahre alt, die hoch konzentriert mit einem Stöckchen ihre ersten Buchstaben in den Schnee zeichnet. Zwischendurch sorgen die achtsamen Erzieherinnen mit Bewegungsspielen immer wieder dafür, dass die Kinder nicht auskühlen. „Viel Bewegung ist im Winter das wichtigste“, weiß auch Asha Scherbach. Die Leiterin des Waldkindergartens will mit manchem Vorurteil aufräumen: So widerspricht sie etwa entschieden, wenn Leute meinen, die Kinder würden im Winter im Waldkindergarten öfter krank als in konventionellen Betreuungsstuben. „Das Gegenteil ist der Fall, die Kinder lieben den Winter, sind gesund und sehr gut abgehärtet.“ Zudem sei die Ansteckungsgefahr mit Krankheitserregern im Freien geringer als in geschlossenen Räumen.

Viel anstrengender als der Winter sei, da sind sich die Erzieherinnen einig, stets der Hochsommer mit Hitze, zu hohen Ozonwerten und den Schnaken. Jetzt, im Winter, sind die 14 Jungen und Mädchen kaum zu bremsen. Sie fahren Schlitten, gehen auf Spurensuche, verwöhnen die Vögel mit Meisenknödeln. Sogar der allmorgendliche Frühstückskreis findet im Freien statt. Die drei bis sieben Jahre alten Kinder sitzen dann, wie auch im restlichen Jahr, auf Baumstämmen. Nur liegt im Winter halt ein isoliertes Sitzkissen drauf. So auch morgen, wenn im Waldkindergarten Weihnachten gefeiert wird - natürlich am frischen Tannenbaum und mit selbst gebastelten Geschenken aus der Natur.

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