„Wir sind nicht allein“

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Zur Gründungs der BI „Obertshausen gegen Fluglärm“ kamen nur wenige Interessierte.

Obertshausen - „Ich bin entrüstet über die Totenstille, das ist schockierend“, klagte eine Kämpferin gegen den Fluglärm. Die „liebenswerte Kleinstadt“ sei ein „schweres Pflaster, Leute zu mobilisieren“. Von Michael Prochnow

Das bestätigte der Blick in die Runde: Kaum ein Dutzend Bewohner aus beiden Stadtteilen war zur Gründung der Bürgerinitiative „Obertshausen gegen Fluglärm“ ins Bistro der Arbeiterwohlfahrt gekommen. Die Ortsgruppe der Naturfreunde hatte dazu aufgerufen, den Vorbildern aus den Nachbarkommunen zu folgen. Der Landesverband der Naturfreunde Deutschlands sei in dieser Sache sehr engagiert, informierte Rudolf Schulz, Vorsitzender der Ortsgruppe Obertshausen

Es gelte, „ein Zeichen zu setzen, sich auf die Hinterbeine zu stellen“, formulierte ein Teilnehmer. „Jetzt muss was passieren, sonst rauscht das über uns drüber“, fürchtete eine Hausenerin – auch wenn die Flieger in ihrem Stadtteil noch deutlich weniger stark zu hören seien. Sie sei frustriert, dass sich so wenige Gleichgesinnte gefunden hätten. „Es geht nur mit Leuten auf der Straße“, vom Anschreiben an die Fraport oder Politiker „bekommt man nichts Konkretes zurück“.

Anrainer der Gartenstraße fühlen sich hinters Licht gefühlt: „Vorher hat angeblich niemand etwas vom Ausbau gewusst, wir Bürger werden doch für dumm verkauft“, lautete ihre Anklage. Die Abgeordneten sollten merken, dass sie die Wähler nicht weiter verschaukeln könnten. Sie dürften nicht „eine ganze Region kaputt machen“, es dürfe nicht sein, dass mehrere 100 000 Menschen für ein Politiker-Denkmal büßen müssten.

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Ein Anrainer der Bahnhofstraße verfolgt seit 1953 die Entwicklung von Lärm, Gestank und Schmutz. Diese Emissionen hätten in den vergangenen 15 Jahren, auch durch den „katastrophalen Autoverkehr“, enorm zugenommen. „Man kann nur durch Druck etwas Positives erzeugen“, war sich der Senior sicher. „Ich würde Tag und Nacht demonstrieren“, bekräftigte er, doch „es macht keiner mit“. „Wir wussten von vornherein, wo wir hinziehen“, sagte ein Bewohner der Spessartstraße, die am dichtesten an der A 3 liege. „Die Autobahn kriegt man in den Griff“, kommentierte er das permanente Rauschen. „Aber was nutzen mir Lärmschutzfenster gegen Fluglärm in schwülen Sommernächten?“ Er wollte bereits alles verkaufen und wegziehen. „Ich liege im Bett und bekomme Bluthochdruck“, während der Nachbar frage, „welcher Lärm?“

Schlimm seien Ostwetterlagen, wenn die Maschinen über der Autobahn starten sollen, und die Verspätungen, die über ein anderes Anflugverfahren über Obertshausen geleitet würden. Er habe festgestellt, dass die Maschinen vor allem nach 22 Uhr die Stadt sehr niedrig überflögen. Zudem würden am Flughafen Arbeitsplätze abgebaut. „Wir haben jegliche Rechtsstaatlichkeit verloren“, interpretierte ein anderer Sprecher Mediation und Genehmigungsverfahren als „Farce“.

Ein Hausener aus der Mühlstraße fürchtet noch mehr Lärm, wenn das geplante dritte Terminal in Betrieb geht. Ein Anwesender fürchtete, dass die „Flugbewegungen um 50 Prozent gesteigert werden sollen“. Es herrsche „Kriegsstimmung, denn man kann sich nicht wehren“. Gesprächsleiter Schulz formulierte, „der Flughafen verspielt die letzten Sympathien und seine Akzeptanz in der Bevölkerung durch die geplante Masse“.

Einig war sich die Gruppe rasch, für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr zu kämpfen. Eine Begrenzung der Flugbewegungen wird angestrebt, auch über Schadstoffe müsse gesprochen werden. Ein Aktiver plädierte für ein „integriertes Verkehrskonzept mit der Bahn“. Ein Brief an die Stadt soll verfasst und Einsicht in das Schreiben erlangt werden, das der Magistrat offensichtlich an den Landtag versandt hat. Messstationen sollen die Geräuschbelastung dokumentieren. „Hier sitzt eine Gruppe, die was bewegen will“, machte Sprecher Rudolf Schulz den Anwesenden Mut, „ein zartes Pflänzchen, aber wir sind nicht allein“.

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