Schwarzbieranstich der CDU in Obertshausen

Bosbach: „Ich bin gar kein Rebell“

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Fassanstich: Auch wenn ein wenig Bier daneben ging, meisterte Wolfgang Bosbach (Zweiter von links) den Fassanstich. Unterstützt wurde er dabei unter anderem vom Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der CDU-Obertshausen, Björn Simon (von links), Offenbachs Stadtkämmerer Peter Freier, Landtagsvizepräsident Frank Lortz, Brauereichef Robert Glaab und dem CDU-Europaabgeordneten Thomas Mann.

Obertshausen - Nicht nur zum Anzapfen war CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach zum traditionellen Schwarzbieranstich nach Obertshausen gekommen. Im Bürgerhaus sprach er auch zur Lage der Nation. Von Thomas Holzamer

Es ist voll im Bürgerhaus an diesem Abend. Keine 15 Minuten dauert es, bis die insgesamt 404 Sitzplätze an den Tischreihen bis auf den letzten besetzt sind und rund 100 Gäste auch entlang der Wände stehen. Sie alle wollen hören, was er über die Lage der Nation denkt – Wolfgang Bosbach, bis 2015 Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag und bekannt dafür, seine politische Meinung auch dann zu vertreten, wenn sie einmal im Gegensatz zur Haltung von Regierung oder Parteispitze ist. Ein Rebell sei er deswegen jedoch nicht, betonte der 65-Jährige. „Früher warst du Rebell, wenn du einer revolutionären Bewegung angehörtest, heute scheinbar schon, wenn du deinen Überzeugungen treu bleibst.“ Im Grunde vertrete er lediglich Positionen und Werte, die die CDU einmal ausgemacht haben, erläuterte Bosbach.

Nur wenige Tage habe es gedauert, bis die Antwort auf sein Einladungsschreiben ihn erreicht hatte, erzählt Obertshausens CDU-Vorsitzender Björn Simon zur Begrüßung des Ehrengastes. „Ich komme“, hatte Bosbach geschrieben – mit Schreibmaschine, wie Simon berichtet. Für viele sei es nicht nachvollziehbar, was da gerade in Berlin laufe, ist sich Simon sicher.

Und auch Wolfgang Bosbach, der mit der Wahl im September seinen Abschied aus dem Bundestag genommen hat, sieht das Hin und Her seit der Wahl auch mit Sorge. „Eine Koalition ist keine Fusion, wir müssen auch unsere Überzeugungen vertreten“, fordert er. Und erinnert zugleich an den Blick über die Landesgrenzen hinaus: Wir Deutschen unterschätzen gerne, welchen Ruf wir in der Welt haben“, erinnert er. Gerade einmal drei Regierungswechsel und drei Kanzler in den vergangenen 35 Jahren seien auch ein Zeichen für Stabilität. Und so verwundere es nicht, dass die Mehrzahl der Staaten Deutschland als verlässlichen Anker der EU sehen. Da komme bei vielen die Angst auf, dass wenn diese Stabilität verloren geht, mit ihr auch dieser Anker fehle.

Nichtsdestotrotz gehe es Deutschland jedoch sehr gut, ist sich Bosbach sicher. Und führt als Beispiel das Gesundheitssystem an. „Gerade die Gesundheitspolitik wird ja immer scharf kritisiert, zumindest so lange bis wir mal im Ausland krank werden“, sagt er. Beweis für die hohe Lebensqualität sei auch die Tatsache, dass Deutschland in einer Umfrage zu jenem Land der Welt gewählt wurde, in dem die meisten Menschen am liebsten leben möchten.

Darauf könnten die Deutschen nach Bosbachs Ansicht durchaus stolzer sein. „Schauen Sie mal am 4. Juli auf die USA oder zehn Tage später nach Frankreich“, fordert er im Vergleich zu den Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober auf. „Und diese Wiedervereinigung haben wir geschafft, ohne einen Schuss und ohne einen Tropfen Blut zu vergießen“, betont er. Sicher habe es auch Fehleinschätzungen gegeben, aber Deutschland habe viel geschafft und könne heute stolz auf das Erreichte sein. Doch scheine die Angst zu herrschen, dass Patriotismus mit Nationalismus verwechselt werde. „Es muss ja keiner sagen, dass er stolz ist, Deutscher zu sein, aber ich finde man soll auch keine Angst haben müssen, es zu sagen und dann als Nationalist beschimpft zu werden“, plädiert Bosbach. Leitkultur heiße schließlich nicht, Deutschland vor allem anderen, „aber wenn wir selbst nicht mehr unsere Werte vertreten, wer soll das dann tun“, fragt er.

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Bei allem bisher Erreichten gelte es, den Blick in die Zukunft zu richten. Wichtig sei eine starke Europäische Union, die aber auch ihre Grenzen kenne. „Es wäre kein Fehler, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, es war einer, sie jemals zu beginnen“, so Bosbachs Fazit mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen. Und auch vor den Konflikten in der Welt dürfe man nicht die Augen verschließen.

Von zentraler Bedeutung sei auch der technische Fortschritt und die Investitionen in Bildung. „Wer nichts im Boden hat, muss was im Kopf haben“, erläutert der CDU-Politiker. „Wir neigen dazu, die technischen Entwicklungen zu unterschätzen, weil wir in den alten Industrien führend sind.“ Die wichtigste Investition in die Zukunft sei daher die in die Köpfe der Kinder.

Und auch einen Tipp für seine Kollegen in der Politik hat Bosbach an diesem Abend mit im Gepäck: „Ein bisschen Humor, ein bisschen Fröhlichkeit und ein bisschen Leichtigkeit können der Politik nicht schaden.“

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