Zwölfjährige Solomariechen

Allein im Rampenlicht

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Solo auf der Bühne: Gardetänzerin Sara Hagemann.

Obertshausen - Die ersten Takte des Liedes schallen durch den Spiegelsaal im ersten Stock des Vereinshauses an der Tempelhofer Straße. Sara Hagemann steht in der Mitte des Raumes, das rechte Bein seitlich, den linken Arm nach oben gestreckt. Die Zwölfjährige lacht. Von Lena Marie Jörger

Von Nervosität keine Spur. Warum auch – seit Jahren tanzt sie in den Garden des Obertshäuser Karnevalvereins „Die Elf Babbscher“, seit einem Jahr steht sie solo auf der Bühne und nimmt an Turnieren des Deutschen Verbands für Garde- und Schautanzsport (DVG) teil. „Mit Fastnacht hat das aber nichts zu tun“, stellt die Schülerin klar, als sie, etwas außer Puste, fertig getanzt hat. Zwar tritt sie in der Kampagne auch bei Sitzungen auf. „Gardetanz ist aber Leistungssport“, betont Sara. Mit beiden Händen zieht sie ihren blonden Pferdeschwanz fest. Das zierliche Mädchen wirkt beinahe etwas schüchtern – während es auf der Bühne pure Selbstsicherheit ausstrahlt.

Einmal pro Woche trainiert die Obertshausenerin eine Stunde lang mit Trainerin Lisa Wellner. Was nach wenig klingt, hat es in sich. „Das ist ganz schön anstrengend.“ Außerdem übt Sara jeden Abend im Keller. „Das ist wichtig, um dranzubleiben“, betont ihre Mutter Andrea Schwab. Sie ist der Grund, warum Sara ihre Liebe zum Gardetanz entdeckt hat – die liegt quasi im Blut. Schwab tanzte früher selbst in der Garde, trainiert seit etwa fünf Jahren die Mini-Garde „Blue Butterflies“ der „Babbscher“ mit. Dort fing auch Sara an. „Getanzt hat sie aber schon mit drei Jahren“, verrät Schwab. Von den Kleinen ging es zu den Großen, den „Blue Blizzards“, die zwischen zwölf und 16 Jahre alt sind.

Sara tanzt ausschließlich die Stilrichtung Polka. Was das bedeutet, kann sie im Schlaf herunterbeten: „Bei Polka wird viel mehr gesprungen und Wert auf Figuren wie Überschläge und Räder gelegt“, erklärt sie. „Bei der anderen Richtung, Marsch, läuft man dagegen nur.“ Was ihr an dem Sport so gefällt, beantwortet die Sechstklässlerin mit nur einem Satz: „Es macht einfach Spaß.“ Erst nach kurzem Überlegen ergänzt sie, „man kann sehr kreativ sein.“ Die Choreographie für ihr Turnierstück hat Sara gemeinsam mit ihrer Trainerin erarbeitet. „Davor haben wir drei Stunden lang Lisas CDs durchgehört!“, erinnert sich Sara und seufzt.

„Elf Babbscher“: Da geht die Post ab

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Fastnachtsitzung der "Elf Babbscher"
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Etwa ein halbes Jahr hat sie danach gebraucht, bis der Tanz saß. Beim ersten Turnier vor drei Wochen klappte es dann aber doch nicht reibungslos. „Ich war etwas zu schnell“, erzählt Sara und verzieht das Gesicht. „Aber dann habe ich einen Schritt eingebaut, dann hat es wieder gepasst.“ So reichte es für den zweiten von drei Plätzen. Beim zweiten Turnier wurde sie sogar Zweite von fünf Starterinnen. Besonders wichtig auf der Bühne: das Lachen. „Man muss ständig lachen, und irgendwann bekommt man einen richtigen Lachanfall“, erzählt Sara – und lacht. Irgendwann will sie es bis in die Bundesliga schaffen. Und auch danach noch weiter auf der Bühne stehen: als Schauspielerin. Für ihre ersten Pokale gibt’s demnächst ein eigenes Regal, und für sie nächstes Jahr ein neues Turnierkostüm – in Grün. „Bei einem Turnier hatte eine Konkurrentin ein grünes Kleid an und wurde Siegerin“, verrät Sara. „Grün ist die Gewinnerfarbe!“

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