Rodgauer Schreiner Ernst Ludwig Klein baut Urenkel Piratenboot

Ab ins Bett und Segel setzen

Ernst Ludwig Klein mit seinem Urenkel Sem auf dem Piratenbootbett.
+
Wer möchte da nicht drin schlafen? Ernst Ludwig Klein mit seinem Urenkel Sem.

Es muss eine riesige Überraschung gewesen sein. Heimlich waren über mehrere Monate die Arbeiten gelaufen. „Das ist aber toll“, konnte der dreieinhalbjährige Sem schließlich nur noch sagen, als er an Weihnachten sein Zimmer betrat.

Dudenhofen – Denn dort steht mitten im Raum ein imposantes Piratenboot, das dem Nachwuchs als Bett dient. Mit Steuerrad, Piratenbettwäsche und selbstverständlich der schwarzen Flagge der Freibeuter mit Totenkopf und gekreuzten Knochen bestückt. Das handwerklich perfekt verarbeitete Holzschiff aus Nussbaum und Eiche hat der Urgroßvater für Sem gemacht.

Ernst Ludwig Klein, Seniorchef der Dudenhöfer Schreinerei Klein, hat es sich nicht nehmen lassen, einige Finessen in das Bootbett einzuarbeiten. Zum Beispiel zwei geräumige Spielzeugschubladen in der ganzen Tiefe des Bettes. Schwarze Kanonenköpfe ragen zu beiden Seiten aus dem Bootsrumpf hervor und eine Klappe im Bug bietet weiteren Stauraum. Steuerrad und der herrliche Bugkopf machen das Werk zu einem echten Schmuckstück. „Schöner hätten wir es uns gar nicht wünschen können“, begeistert sich Sems Mama Nina Petsching für die Arbeit des 90-jährigen.

Auch der passende Kleiderschrank stammt vom Uropa. An der Wand hat sich die Patentante mit einem kleinen Gemälde verewigt, während die Mutter das Zimmer mit den passenden Accessoires bestückt hat: also mit Schatzkiste, Fischernetzen und Tintenfisch-Kuscheltier.

Wenn man einen Schreinermeister in der Familie hat, ist es freilich kein Wunder, dass es außer dem Piratenboot bereits eine rot-weiße Luxusvariante eines Spielhauses (oder eher eine Villa) auf der Terrasse gibt. Solche Projekte scheinen den Dudenhöfer fit zu halten, denn unermüdlich plant er gerade wieder eine neue Unternehmung: eine Überdachung für die Terrasse der Enkelin.

„Alles, was nach 70 noch kommt, ist Glück“, findet Ernst Ludwig Klein. Er blickt zurück: Vor 75 Jahren hat er seine Schreinerausbildung in Offenbach-Bieber begonnen. Zur Arbeit sei er damals täglich mit dem Rad gefahren – von Dudenhofen hin und zurück.

1959 hat er sich selbstständig gemacht. Auf dem Grundstück des Elternhauses in der Georg-August-Zinn-Straße 21 wurden Garage und Hof zur Werkstatt. In Eigenleistung baute er tatkräftig unterstützt von seiner Frau Käthe („Die war mein bester Lehrbub“, lobt Klein die Gattin) Geschäfts- und Produktionsräume auf dem heutigen Betriebsgelände in der Kronbergerstraße 10 in Dudenhofen.

1964 wurde der Neubau bezogen. Damaliger Produktionsschwerpunkt war die Fertigung von Fenstern und Türen. Zu Hochzeiten hatte das Unternehmen 24 Mitarbeiter. Im Jahre 1996 übernahm der älteste Sohn Dieter Klein das Unternehmen. Heute bietet man individuelle Möbel und Wohneinrichtungslösungen für den privaten Wohnraum.

Inzwischen wohnen auch mehrere Generationen auf dem Grundstück. Enkelin Nina Petsching findet das wunderschön: „Wir sind ein großer Hausstand.“ (von Simone Weil)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare