Rodgauer Vereine in der Corona-Falle

Interview: Alle Mühe kann umsonst sein

Karl-Heinz Kühnle
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Karl-Heinz Kühnle

Karl-Heinz Kühnle hat in Dudenhofen Wolfgang Linke an der Spitze der Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) abgelöst. Der frühere Ortsvorsteher übernimmt den Dachverband in schwieriger Zeit. Corona verhindert die meisten Vereinsveranstaltungen. Wir sprachen mit dem neuen IGEMO-Chef.

Wie ist die Stimmung unter den Vereinen?

Die Stimmung kann natürlich nicht gut sein. In dieser schwierigen Zeit haben die Vorstände große Mühe, den Verein weiter am Leben zu erhalten. Das gilt insbesondere für den Zusammenhalt und das Kontakthalten zu den Mitgliedern. Auch wenn Trainings- oder Probenbetrieb teilweise wieder bedingt möglich sind und viele Vereine dabei neue Ideen entwickeln, so ist leider das aktive Wirken in den Vereinen derzeit nicht wie gewohnt umsetzbar oder ist vielfach noch sehr stark eingeschränkt. Eine Herausforderung für alle Vereine ist die gesundheitliche Fürsorge für die Mitglieder. Es ist ein schmaler Grat zwischen den Vereinsaktivitäten und der Beachtung aktueller Corona-Entwicklungen. Die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln stellt auch hier eine große Herausforderung dar.

Viele Vereine hatten ohnehin zuletzt Not, ihre Veranstaltungen personell noch zu stemmen. Jetzt, da ein konkretes Ziel fehlt – fürchten Sie, dass Vereine weitere Mitglieder verlieren?

Das glaube ich nicht. Die Mitgliederzahlen haben sich im letzten halben Jahr nicht merklich verändert. Zumindest kann ich das von meinen Erkenntnissen aus Jahreshauptversammlungen in den letzten Wochen sagen. Die Vereinsmitglieder wissen um die Sorgen und Probleme – besonders in vielen Fällen die finanziellen Nöte – und lassen ihren Verein in dieser Zeit jetzt nicht im Stich.

Nichts ist derzeit planbar. Wie sehr belastet das die Organisationsteams in den Vereinen?

Das ist für alle Organisatoren frustrierend und entwickelt derzeit wenig Motivation. Es ist heute schon zu erkennen, dass traditionelle Veranstaltungen der Vereine weiterhin bis ins nächste Jahr ausfallen müssen. Aufwendige Vorbereitungen, intensive Planungen und hohe finanzielle Verpflichtungen, zum Beispiel bei bereits abgeschlossenen Verträgen, bedeuten ein hohes Risiko. Jeglicher Aufwand kann umsonst gewesen sein. Niemand gibt den Organisatoren eine Garantie, dass Veranstaltungen stattfinden können.

Corona verursacht nicht nur immensen wirtschaftlichen Schaden, sondern auch eine emotionale Bruchlandung. Welche Folgen hat es für die Vereine und deren Gäste, dass Geselligkeit, Gemeinschaft und Unterhaltung in großen Gruppen aktuell nicht möglich sind?

Ich glaube, dass die Folgen kaum einzuschätzen sind. Ich erlebe, dass aktuell viel Zwischenmenschliches und Liebgewonnenes auf der Strecke bleibt. Jedenfalls merken die Vereine und Gäste jetzt schon, was ihnen fehlt. Der kulturelle Stillstand bremst in hohem Maße das gesellschaftliche Miteinander. Der Wille von Veranstaltern, bald wieder etwas Unterhaltsames auf die Beine zu stellen und den Besuchern Freude bereiten zu können, ist aber noch nicht verloren gegangen. Ich bin überzeugt, dass wir in absehbarer Zeit wieder verbindlicher werden agieren können.

Wie machen Sie „Ihren“ Vereinen als der neue Chef in dieser Lage Mut?

Wir dürfen jetzt nicht resignieren, sondern müssen gemeinsam und mit Zuversicht aus der Corona-Krise finden. Die Vorstände haben hier eine Vorbildfunktion für ihre Mitglieder und tragen zu dem eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Ich appelliere daher an alle Ehrenamtlichen, vorhandene Chancen zu nutzen und nach Alternativen zu suchen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt nicht verloren geht. Damit werden wir diese Zeit überstehen. Da bin ich sicher.

Das Gespräch führte Bernhard Pelka

Veranstalter (hier das städtische Malfest) müssen sich heute Vieles einfallen lassen, um alle Auflagen zu erfüllen. Das wirft die Vereine zurück. Fürs Malfest hatte die Stadt die Mal-Zonen klar voneinander getrennt und die Laufwege des Publikums mit Zäunen und Flatterband begrenzt.

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