Nicht nur zur Wahlkampfzeit: prominente CDU-Politiker in Dudenhofen

Als Franz Josef Strauß in Rodgau war

Ein Bad in der Menge nahmen der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) und Gastgeber Hans-Jürgen Lange 1987. Wegen des großen Andrangs fand die Veranstaltung ausnahmsweise in der Sporthalle Nieder-Roden statt. Es war Strauß’ zweiter und letzter Besuch in Rodgau. Er starb 1988.
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Ein Bad in der Menge nahmen der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) und Gastgeber Hans-Jürgen Lange 1987. Wegen des großen Andrangs fand die Veranstaltung ausnahmsweise in der Sporthalle Nieder-Roden statt. Es war Strauß’ zweiter und letzter Besuch in Rodgau. Er starb 1988.

Sie waren alle schon mal in Rodgau: Wolfgang Schäuble, Horst Seehofer, Helmut Kohl, Franz Josef Strauß  . . . Für prominente Unionspolitiker war das Bürgerhaus Dudenhofen über viele Jahre hinweg eine gute Adresse. Sie wussten: Dort wartet ein voller Saal und ein Publikum, das gern zuhört. Aber die Zeit der großen Saalveranstaltungen ist vorbei.

Rodgau - Ein Minister am Rednerpult war das Mindeste, wenn der CDU-Ortsverband Dudenhofen zum Sauessen oder Heringsessen bat. Der Wahlkampf stand nicht im Vordergrund. Andererseits: Wenn gerade zufällig eine Bundestags-, Landtags- oder Kommunalwahl bevorstand, fielen auch schon mal deftige Worte.

Auch Diplomaten waren in Rodgau zu Gast

Etwas vornehmer ging es beim Neujahrsempfang zu. Kein Wunder, denn zu den Gästen gehörten auch offizielle Repräsentanten anderer Länder. Dann parkten schwarze Limousinen mit CD- oder CC-Kennzeichen in der Ortsmitte. „Wir hatten auch schon Minister aus Israel da“, erinnert sich Hans-Jürgen Lange, der damals in der CDU Dudenhofen das Sagen hatte. Und es klingt nur ein bisschen nach Übertreibung, wenn er sagt: „Man müsste fast fragen, wer nicht da war.“

Zum Neujahrsempfang durfte man nur mit einer persönlichen Einladung in den Saal. Die Einladungen wurden allerdings breit gestreut. So kamen die Dudenhöfer auf Besucherzahlen, die heute wegen des Brandschutzes unvorstellbar wären: 700 Leute beim Sauessen oder mehr als 1000 beim Neujahrsempfang.

CDU Dudenhofen war der größte Ortsverband der Partei

Aber warum ausgerechnet Dudenhofen? Der CDU-Ortsverband hatte in den 90er-Jahren etwas, das man heute ein Alleinstellungsmerkmal nennen würde. Er war bundesweit der Ortsverband mit den meisten Mitgliedern. Die Partei hatte damals in Rodgau fünf Ortsverbände und einen Stadtverband. Allein die Dudenhöfer hatten zu ihrer besten Zeit 360 Mitglieder – so viele wie anderswo ein kleiner Kreisverband.

Hans-Jürgen Lange knüpfte die Fäden und zog an den Strippen. Dafür saß er an der richtigen Stelle. Er war nicht nur Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes, sondern auch Kreisgeschäftsführer der Partei. Zudem hatte er ein ausgeprägtes Talent, Kontakte anzubahnen, die er dann auch beharrlich pflegte.

„Ich hatte ganz gute Kontakte zum Büro von Franz Josef Strauß“, erzählt Lange. „Der hatte im Jahr vielleicht 1000 Anfragen zu Veranstaltungen. Wenn ich damals gefragt habe, wir bräuchten ihn, dann war das gebongt.“ Der bayerische Ministerpräsident kam nach Dudenhofen – und der hessische CDU-Generalsekretär Manfred Kanther, der ihn ebenfalls haben wollte, hatte das Nachsehen.

Erst das Essen, dann die Reden

„Die kamen nicht, weil es mich gab, sondern weil ich viele Mitstreiter hatte“, sagt Hans-Jürgen Lange. Bei keiner Veranstaltung versäumte er, die Küchencrew zu loben. Auf einen Wink hin schwärmten 30 Frauen aus, um Schüsseln und Platten auf den Tischreihen zu verteilen. Keine fünf Minuten später hatten alle Gäste die Teller voll. Die Politik gab’s dann zum Nachtisch. Das Erfolgsrezept: Erst das Essen, dann die Reden. Wer hungrig ist, hört nicht gern zu.

Bei Horst Seehofer, dem damaligen Bundesgesundheitsminister, hatten die Dudenhöfer 783 zahlende Besucher. Die Kunde von den vollen Sälen sprach sich bis ins Bundeskanzleramt herum: „Juliane Weber, die Sekretärin von Helmut Kohl, hat immer montags nach unseren Veranstaltungen angerufen und gefragt, wie viele Besucher wir hatten. Und Kohl sagte dann im großen Kreis: Es geht doch.“

Personenschützer zückten blitzschnell ihre Waffen

„Man muss Freundschaften pflegen, dann wird die Sache immer wieder rund“, nennt Hans-Jürgen Lange einen Faktor des Erfolgs. Und: „Mit den Vorzimmern muss auch immer ein gutes Verhältnis da sein.“ Ein Anruf habe genügt und Kanzler Kohl habe ein Buch mit persönlicher Widmung signiert, erzählt Lange ohne falsche Bescheidenheit.

Von jedem Promi-Besuch kann Lange eine Anekdote erzählen. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis gab es beim Neujahrsempfang mit Wolfgang Schäuble vor 1400 Besuchern. BKA-Beamte hatten zuvor das komplette Bürgerhaus auf mögliche Sicherheitsprobleme abgeklopft. Und dann lehnte sich ein Besucher versehentlich gegen einen Lichtschalter, wie Hans-Jürgen Lange erzählt: „Als dann wieder Licht war, konnte man plötzlich sehen, wie viele Leute Pistolen in der Hand hatten. Das war schon beeindruckend.“

Nicht immer hatten die Veranstaltungen ein solches Format. „Mit dem Heringsessen haben wir mit sieben oder acht Leuten angefangen“, erinnert sich Lange: „Wir waren erst in der Michelsbräu, dann in der Krone, danach in der TSV-Halle und dann mussten wir ins Bürgerhaus gehen.“ Nach der Hochphase gingen die Christdemokraten wieder in kleinere Räume, zuletzt ins Kegelcenter.

Jetzt sind die vollen Säle nur noch Erinnerung. Lange: „Diese Veranstaltungen haben ja auch davon gelebt, dass es eng war. Das ginge heute nicht mehr.“ Auch die Zeit der legendären Traktorfahrten mit 200 bis 300 Teilnehmern ist unwiderruflich vorbei: „Das könnten wir heute nicht mehr machen, allein schon wegen der Versicherung.“

Von Ekkehard Wolf

Ehrengast und Gastgeber am Prominententisch, von links: Frank Lortz, Kurt Georg Kiesinger und Hans-Jürgen Lange. Das Foto ist undatiert. Kiesinger war von 1966 bis 1969 Bundeskanzler und bis 1971 CDU-Bundesvorsitzender. Lortz gehört seit 1982 dem hessischen Landtag an.
Auch Bundeskanzler Helmut Kohl besuchte Dudenhofen. Mit im Bild sind die CDU-Landespolitiker Frank Lortz, Franz Josef Jung und Hermann Schoppe sowie Hans-Jürgen Lange und dessen Sohn Norman.

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