Sanierung der Altlast „Rußfabrik“ seit April 2020 gestoppt

Giftige Schadstoffe breiten sich im Grundwasser aus

Der Brunnenschacht auf dem Hof der ehemaligen Rußfabrik ist zurzeit nutzlos: Die Anlage zur Sanierung des Grundwassers ist seit fast eineinhalb Jahren außer Betrieb.
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Der Brunnenschacht auf dem Hof der ehemaligen Rußfabrik ist zurzeit nutzlos: Die Anlage zur Sanierung des Grundwassers ist seit fast eineinhalb Jahren außer Betrieb.

Seit fast eineinhalb Jahren stockt die Grundwassersanierung auf dem Gelände der ehemaligen Rußfabrik in Rodgau. Die Anlage ist abgeschaltet, weil sie mit Art und Konzentration der Schadstoffe nicht mehr zurechtkommt.

Hainhausen - Laut Regierungspräsidium (RP) Darmstadt war die Abschaltung notwendig, damit keine Schadstoffe in die Rodau gelangen. Das war im April 2020. Fast eineinhalb Jahre sind seither vergangen. Eine neue Anlage soll Ende des Jahres in Betrieb gehen. Das ist Sache der RSG Immobilien GmbH (Frankfurt), der Eigentümerin des Geländes.

Warum dauert das so lang? Die Behörde verweist darauf, dass die Kommunikation mit dem Sanierungspflichtigen nicht mit einem Brief erledigt sei. Das Bodenschutzdezernat des RP habe innerhalb von 24 Stunden nach der Erstmitteilung reagiert: „Die Sanierungsanlage wurde unverzüglich abgeschaltet, um das Oberflächengewässer zu schützen.“ Für Planung und Bau der neuen Anlage zur Wasseraufbereitung sei ein halbes Jahr angemessen: Die Anlage sei eine Spezialanfertigung, die genau auf den Einzelfall angepasst sein müsse.

Rodgau: Seit April 2020 ist kein sichtbarer Fortschritt auf dem Gelände der Rußfabrik

Seit 1996 laufen Pumpen und Aktivkohlefilter, um giftige Schadstoffe aus dem Grundwasser zu entfernen. Dabei handelt es sich vor allem um polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus Produktionsabfällen der Rußfabrik.

Rodgau: Sanierung des Grundwassers zieht sich über Jahrzehnte hin

So eine Sanierung dauert Jahrzehnte. Dazu wird Wasser aus dem Boden gepumpt, gereinigt und in die Rodau eingeleitet. Der PAK-Grenzwert an der Einleitung in die Rodau wurde 2020 zweimal überschritten. Das Problem: Im Einzugsbereich zweier Brunnen befindet sich Teeröl im Boden. Das Regierungspräsidium spricht von einer etwa 20 Zentimeter mächtigen Teerölphase. Dafür ist die bisherige Aufbereitungsanlage nicht ausgelegt.

Bei der Nachrüstung werden diese beiden Brunnen mit einer speziellen Pumpentechnik und einem Phasenabscheider ausgestattet, um Öl und Wasser zu trennen. „Ziel der Maßnahmen ist es zunächst, die Grundwassersanierungsanlage wieder ein Betrieb zu nehmen und eine Ausbreitung der Schadstoffe zu verhindern“, schreibt das Regierungspräsidium. Dies habe „höchste Priorität“.

Rodgau: Schadstoffe breiten sich weiter aus, wenn nichts geschieht

Warum wird das belastete Erdreich nicht einfach ausgebaggert, um die Ursache des Übels zu beseitigen? „Dieser scheinbar naheliegende Lösungsansatz wird dem Ausmaß des Schadens (...) nicht gerecht“, antwortet die Behörde auf Anfrage unserer Zeitung. „Ein großer Teil der Schadstoffe befindet sich bereits im Grundwasserbereich.“ Eine Auskofferung hätte also „nur einen geringen positiven Effekt“.

Unter den Wiesen auf dem Fabrikgelände liegen dicke Schichten von Schadstoffen, unter anderem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Teeröl.

Wie es mit der Sanierung der Altlast weitergeht, ist offen. Über Art und Umfang der Maßnahmen ist laut RP noch nicht entschieden. Dafür seien weitere Untersuchungen notwendig.

Bis dahin ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Schadstoffe weiter ausbreiten. Das Grundwasser bewegt sich langsam, aber stetig: um sechs Zentimeter pro Tag. (Von Ekkehard Wolf)

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