Stadt Rodgau als Vorreiter in der Region

Anfänge der E-Mobilität: Solartankstelle vor 25 Jahren

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40.000 Kilometer legte Franz Dürsch (links) mit diesem kleinen Elektroauto zurück. Das Foto zeigt die Schlüsselübergabe im Jahr 1991. Der „Solec Riva Junior“ war technisch noch nicht ausgereift: Ein Fahrzeug, das die Stadt erwarb, war mehr in der Werkstatt als auf der Straße.

Rodgau - Die neue Ladesäule für Elektroautos am Rathaus ist nicht die Erste ihrer Art in Rodgau. Darauf weist Franz Dürsch aus Rollwald hin. Bereits im November 1992 gab es eine öffentliche Ladestation, und zwar am Feuerwehrhaus Jügesheim. Die Zahl der Nutzer war überschaubar: In ganz Rodgau gab es nur zwei Elektroautos.

Das Projekt lief damals unter dem Namen „Solartankstelle“. Auf dem Dach des Feuerwehrhauses wurde eine kleine Solaranlage errichtet, die unter günstigsten Verhältnissen bis zu 1,2 Kilowatt Strom lieferte. An der Hauswand befand sich eine Steckdose, an der Fahrer von E-Autos ihre Batterien aufladen konnten. Die Stadt ließ sich das 23.000 Mark kosten, das Land Hessen gab 17.000 dazu. Die Stadt Rodgau stand damit an der Spitze des Fortschritts. Sie betrieb die einzige Solartankstelle zwischen Offenbach und Darmstadt. Der damalige Umweltdezernent Thomas Przibilla (SPD) wollte ein umweltpolitisches Umdenken auf dem Energiesektor einleiten.

Computerprogramme zur Abrechnung gab es damals noch nicht. Die Nutzer konnten sich im Rathaus einen Schlüssel holen und ihr Fahrzeug kostenlos aufladen. Der erste Elektrofahrer in Rodgau war Grünen-Stadtverordnete Franz Dürsch. Er fuhr einen Kleinwagen „Solec Riva Junior“, den eine Schweizer Firma gebaut hatte. Kurze Zeit später kaufte die Stadt ein baugleiches Auto als Dienstwagen zum stolzen Preis von 35.000 Mark. Es fuhr höchstens Tempo 50 und kam mit einer „Tankfüllung“ 70 Kilometer weit. Das städtische E-Auto durfte übrigens nicht an die Solartankstelle: Die Stadt hatte Angst, das Ladegerät könne geklaut werden.

Nach drei Jahren und zahlreichen Reparaturen waren die Batterien am Ende. Die Stadt verkaufte ihr Elektromobil zum Bastlerpreis an einen Mitarbeiter der Kläranlage. Franz Dürsch hatte mehr Glück mit seinem Wagen. Er legte damit in zehn Jahren 40.000 Kilometer zurück. „Mit dem Kauf eines Elektrofahrzeugs war mir seinerzeit bewusst, dass es sich noch nicht um eine ausgereifte Serie handelte“, betont Dürsch. Er rechnete damit, dass die Technik zehn Jahre später serienreif sei. Es dauerte dann aber noch ein gutes Jahrzehnt länger.

Verstehen Sie E- Mobilität?

Die Solaranlage auf dem Feuerwehrhaus funktionierte bis 2011, als das Gebäude abgerissen wurde. Sie erzeugte zeitweise zehn Prozent des Stroms, den die Feuerwehr verbrauchte. Im Jahr 2000 musste sie allerdings nachgerüstet werden, weil ihr Wechselrichter den Funkverkehr störte. (eh)

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