Anwohner fordern Tempo 30

Neue Bürgerinitiative will Sofortmaßnahmen zur Verkehrsberuhigung

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Stark befahren sind die Ortsdurchfahrten der Stadtteile, wie hier die Jügesheimer Ludwigstraße.

Tempo 30 auf den Durchgangsstraßen in Rodgau fordert eine neue Bürgerinitiative (BI), die im Entstehen ist. Dahinter stehen Zoohändlerin Ursula Flottmann (Jügesheim) und Stephanie Blum, die frühere Vorsitzende des ehemaligen Vereins „Mein Nieder-Roden“.

Rodgau - In einer Pressemitteilung verweisen die Initiatorinnen auf das Beispiel der Stadt Rödermark, die Tempolimits auf Teilstrecken der Ortsdurchfahrt Ober-Roden angeordnet hat. Sie bezweifeln, dass die Begründung der Stadt Rodgau für ein Festhalten an Tempo 50 rechtlich belastbar sei.

Die Stadt Rodgau beruft sich auf Gerichtsurteile, wonach ein Tempolimit auf Durchgangsstraßen nur in Ausnahmefällen zulässig ist. Nur an einer Stelle der Rodgauer Ortsdurchfahrten gilt Tempo 30: auf einem 800 Meter langen Abschnitt der Alfred-Delp-Straße auf Höhe der Münchhausenschule.

Das Beispiel Rembrücken zeigt, dass Aufsichtsbehörden strenge Maßstäbe an solche Tempolimits anlegen. Im Herbst empfahl der Kreis Offenbach der Stadt Heusenstamm, das seit 2011 geltende Tempolimit in Rembrücken aufzuheben. Bereits ein Jahr zuvor hatte das Regierungspräsidium mitgeteilt, dass es die Begrenzung auf 30 km/h als „kritisch“ ansehe.

„Man könnte das Tempolimit ja auf 22 bis 6 Uhr begrenzen“, sagt Günter Blum im Namen der Initiative. Er erwartet bereits durch die Schilder eine Wirkung: „Die Hemmschwelle, 70 zu fahren, ist bei Tempo 30 einfach höher.“ Zusätzlich seien Kontrollen mit Blitzern notwendig: „Wir wissen, dass wir uns nicht unbedingt Freunde machen.“

Die sogenannte „Bewegung für Sofortmaßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf Durchgangsstraßen“ fordert nicht nur ein Tempolimit, sondern auch eine stärkere Kontrolle der Lastwagen, die das Lkw-Durchfahrtverbot missachten. Zudem wenden sie sich gegen eine bauliche Verdichtung in den Innerortslagen, die ihrer Ansicht nach mehr Autoverkehr und zunehmende Parkplatznot zur Folge hat. Die städtische Stellplatzsatzung werde unzureichend kontrolliert, kritisiert Günter Blum.

„Seit Jahren werden Menschen, die über steigenden Verkehr und zunehmend unerträglichen Lärm an den Durchfahrtstraßen berichten, von der Kommunalverwaltung vertröstet oder erst gar nicht beachtet“, kritisieren die Gründerinnen der neuen Bürgerinitiative. Anfang April hatte Ursula Flottmann 193 Unterschriften gegen den starken Autoverkehr auf der Kreuzung Ludwig-/Eisenbahnstraße an Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul überreicht.

Blum und Flottmann widersprechen der jüngsten Aussage des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Benjamin Schwarz, wonach die Lage in Rodgau nicht so dramatisch sei wie oft behauptet werde („In Rodgau herrscht kein Verkehrschaos“). Die Wahrnehmung der beiden BI-Gründerinnen ist eine andere: „Es wird gerast – auch nachts –, wild geparkt, gehupt und keine Rücksicht genommen.“ Beide laden die Stadtverordneten ein, „sich die Situation bei den Betroffenen anzuschauen, zu riechen und zu hören“.

Kontakt

Ursula Flottmann: z 06106 9375

Stephanie Blum: z 0157 88322994

VON EKKEHARD WOLF

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