Dr. André-R. Rotmann

Corona-Krise: Arzt in Rodgau rät auch Schwangere zu impfen

Die Impfungen sind mit organisatorischem Aufwand verbunden (von links): Dr. André-R. Rotmann mit der Impfbeauftragten Dagmar Warkner und Lavinia Uhlig.
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Die Impfungen sind mit organisatorischem Aufwand verbunden (von links): Dr. André-R. Rotmann mit der Impfbeauftragten Dagmar Warkner und Lavinia Uhlig.

Bei schwangeren Frauen und Wöchnerinnen mit Covid-19-Infektionen gibt es leider vermehrt schwere Verläufe, die zu intensivmedizinischer Behandlung sowie Beatmung führen können.

Rrodgau - Die Sterblichkeit von Schwangeren mit Covid-19 ist deutlich erhöht. Deshalb ist für Schwangere eine Impfung sinnvoll. Alles Wichtige erklärt Gynäkologe Dr. André-R. Rotmann aus Rodgau im Interview. Dr. André-R. Rotmann betreibt seit 25 Jahren eine gynäkologische Praxis in Rodgau mit Schwerpunkten in Kinderwunschbehandlung, Hormontherapie sowie onkologischen Therapien und impft gegen Covid-19. Eine sehr große Patientengruppe sind die Schwangeren und Wöchnerinnen. Sie sind stark verunsichert, wenn es ums Impfen geht.

Können Schwangere gegen Covid-19 geimpft werden oder bestehen Risiken für den Embryo oder das Kind?
Elf führende medizinische Fachverbände empfehlen aufgrund der besonderen Risikosituation der Schwangeren eine Priorisierung für schwangere und stillende Frauen. Dies ist aufgrund aktueller wissenschaftlicher Literatur. Eine Covid-19-Infektion bei Schwangeren macht sechsmal häufiger eine intensivmedizinische Behandlung nötig, eine Beatmung ist sogar 23-mal häufiger nötig als bei Nicht-Schwangeren. Deshalb sollen sie geimpft werden. In der aktuellen Literatur gibt es keinen Hinweis auf eine Gefahr für den Fötus oder das Neugeborene. Im Gegenteil: Mütterliche Antikörper bieten für den Fötus einen Infektionsschutz, für das Neugeborene dadurch eine sogenannte Leihimmunität.
Welcher Impfstoff wird in Ihrer Praxis verwendet?
Für Schwangere und Stillende sowie Frauen mit Kinderwunsch wird aktuell aufgrund von nationalen und internationalen Empfehlungen nur ein mRNA-Impfstoff verwendet, es handelt sich und den Impfstoff der Firma Biontech-Pfizer genannt „Comirnaty“.
Können stillende Mütter auch geimpft werden?
Der mRNA-Impfstoff ist für stillende Mütter nach aktuellen Wissensstand sicher; durch die Impfung gebildete Antikörper gehen in die Muttermilch über, somit sind gestillte Neugeborene durch eine „Nestimmunität“ geschützt.
Wie ist es mit Frauen mit Kinderwunsch? Können diese auch geimpft werden und wenn ja, womit?
Selbstverständlich, ja. Es bestehen keine Hinweise, dass die Fortpflanzungsfähigkeit durch die mRNA-Impfstoffe (also Biontech-Pfizer) beeinträchtigt würde. Eine Immunisierung vor der Schwangerschaft kann somit die Infektionsgefahr in der Schwangerschaft sowie die Risiken minimieren. Die Befürchtung mancher Menschen, dass mRNA-Impfstoffe möglicherweise zu genetischen Veränderungen führen könnten, ist absolut unbegründet und wurde wohl von Impfgegnern in Umlauf gebracht. Die Wirkungsweise dieser Impfstoffe verändern das Erbmaterial der Geimpften nicht.
Wie viele Impfungen wurden in Ihrer Praxis bislang schätzungsweise verabreicht?
Wir haben erst am 10. Mai angefangen und täglich 30 bis 50 Frauen geimpft. Die Organisation ist relativ aufwendig und mit allerlei bürokratischem Aufwand verbunden. Es gibt extrem viele Impfwillige, aber nicht immer ausreichend Impfstoff. Die Patienten, die geimpft werden, sind sehr dankbar und wir sind deswegen glücklich, auch einen Beitrag gegen diese gefährliche Pandemie leisten zu können.

(Das Gespräch führte Simone Weil)

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