Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden sieht seine Ideen für Friedhof unterrepräsentiert

Auf einer Stufe mit Einzelnen

Denkmalgeschütztes Portal (Torbau) am alten Friedhof.
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Denkmalgeschütztes Portal (Torbau) am alten Friedhof.

Der Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden (AKHNR) ist verärgert: Er sieht seine Vorschläge zur Umgestaltung des Alten Friedhofs bei den städtischen Planungen nicht entsprechend berücksichtigt und gewürdigt. Im Herbst 2019 begann eine Korrespondenz zwischen dem AKHNR und der Stadt Rodgau, nachdem im Mai 2019 „eine aufwändig inszenierte Bürgerbefragung (,Charette-Verfahren’) durchgeführt worden war“, wie Ulrich Biebel für den AKHNR schreibt.

Nieder-Roden – Minutiös listet der Schriftführer auf, wann der Verein seinen Katalog mit Vorschlägen und Forderungen an die Stadt sandte, wann diese darauf reagierte und so weiter.

Unter anderem hatte der AKHNR darauf hingewiesen, dass auf dem Gelände noch die Gebeine von schätzungsweise über 220 verstorbenen Nieder-Röder Bürgerinnen und Bürgern ruhen. Auch der Denkmalschutz des Eingangsgebäudes und die Einstufung der dazu gehörenden Lindenallee, die von der Friedensstraße aus zum Eingang führt, durch die Denkmalschutzbehörde als städtebaulich schützenswert bezeichnet, wurden betont. Angeführt wurde ebenfalls, dass die alte Friedhofsmauer nach Auffassung des Vereins schützenswert sei und entsprechend saniert werden müsse.

Im Antwortschreiben bekräftigte die Stadt die Zusage, dass die Ergebnisse öffentlich vorgestellt würden, bevor sie zur Beschlussfassung an die Stadtverordentenversammlung übergeben werden. Allerdings seien die Ideen des AKHNR zur Flächengestaltung nicht aufgegriffen worden, kritisiert der Verein. Alle aus der Befragung resultierenden Vorschläge seien gleichberechtigt, hieß es im Schreiben der Stadt.

Dieser Umstand aber empört den Arbeitskreis und Ulrich Biebel schreibt: „Daraus muss der AKHNR den unbefriedigenden Schluss ziehen, dass das verantwortungsvolle, langfristige, verbindliche und strukturierte Engagement eines Vereins mit seinen Mitgliedern und den ehrenamtlich handelnden, persönlich haftenden Vorstandsmitgliedern mit der singulären, auf wenige Stunden begrenzte Beteiligung Einzelner auf eine Stufe gestellt wird. Das ist aus Sicht des AKHNR und sicherlich auch aus Sicht vieler weiterer, in Vereinen und vergleichbaren Strukturen tätiger, Ehrenamtler völlig inakzeptabel.“

Der Verein erinnert in seiner zwölfseitigen Pressemitteilung an sein beständiges Wirken. So habe er sich Laufe seiner über 40-jährigen Existenz schon für mehrere kulturelle Objekte im öffentlichen Raum eingesetzt.

Bezüglich des Alten Friedhofs habe der AKHNR seinerzeit erfolgreich erreicht, dass das Torensemble unter Denkmalschutz gestellt wurde und dass eine große Anzahl erhaltenswerter Grabsteine nicht abgeräumt, sondern entlang der Außenmauer aufgestellt werden konnten.

Eine herausgehobene Bedeutung des gemeinnützigen AKHNR, der sich als einziger Verein in Nieder-Roden mit der Pflege und Erhaltung von Natur- und Kulturdenkmälern per Satzung beschäftige, sei offenbar von der Stadt aber nicht vorgesehen. Diese Grundhaltung solle man im Gedächtnis behalten.

Bei der Stadt heißt es bezüglich der Vorwürfe: Tatsächlich hätten zunächst die Sturmfolgen vom August 2019, dann auch die Corona-Pandemie das Projekt Friedhofsumgestaltung zeitlich arg verzögert. Bürgermeister Jürgen Hoffmann wiederholte, dass die Vorschläge des AKHNR nicht mehr Berücksichtigung finden würden, als die einzelner Bürger. Auch Erster Stadtrat Michael Schüßler setzte sich mit dem Thema Repräsentanz von Meinungen auseinander: „Es geht um die Vielfalt von Meinungen und Ideen, die in einem Topf gesammelt werden, die Entscheidung fällt aber letztlich im Stadtparlament“, sagte er. Der AKHNR aber macht sich Gedanken darüber, ob man die Bürger und ihr Engagement nicht verprellt, wenn man so mit ihnen umgehe.

Aus seiner Mitteilung: „Die große Beteiligung bei der Bürgerbefragung zeigte klar und deutlich ein großes Interesse der Nieder-Röder Bürgerschaft an diesem Projekt. Um nachhaltiges Engagement zu fördern, darf es aus Sicht des AKHNR nicht bei einer einzigen Veranstaltung mit Möglichkeit zur Mitsprache und Einflussnahme bleiben.“ Die Gefahr, dass die Glaubwürdigkeit und der Zuspruch für vergleichbare Formate völlig verloren geht, sei akut. Die Offenlegung der Planungen vor einem etwaigen Beschluss sei notwendig. Auch müsse es Raum für die Diskussion der Pläne geben. Vor vollendete Tatsachen wolle man nicht gestellt werden, heißt es.

Noch im Oktober ist ein Online-Veranstaltung geplant. Dann sollen die Pläne für die Umgestaltung vorgestellt werden. (siw)

Eine Sitzbank am Rand des Rasens lädt zum Verweilen ein. Im Hintergrund ist hinter historischen Grabsteinen ein Teil der Wohnanlage „Johanniter-Quartier“ zu erkennen.

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