„Einheit wird hier nun zerstört“

Illegaler Abriss ohne Absicherung mitten in Rodgau – Behörden greifen durch

Baustopp im Herzen Nieder-Rodens: Für die ehemalige Hofreite gegenüber der St.-Matthias-Kirche gibt es keine Abrissgenehmigung.
+
Baustopp im Herzen Nieder-Rodens: Für die ehemalige Hofreite gegenüber der St.-Matthias-Kirche gibt es keine Abrissgenehmigung.

Der Kreis Offenbach stoppt den illegalen Abriss eines alten Gebäudes in Rodgau. Dem Eigentümer droht nun Ärger mit den Behörden.

Rodgau – Auch freitags nachmittags schlafen die Behörden nicht: Die Bauaufsicht des Kreises Offenbach hat den Abriss einer fränkischen Hofreite im Herzen Nieder-Rodens gestoppt. Dem Eigentümer des Anwesens Ober-Rodener Straße 50 droht nun ein Bußgeld.

Von einem „ungenehmigtem Abbruch inklusive Baustopp und ordnungsbehördlichem Verfahren“ spricht Kreis-Pressesprecherin Ursula Luh. Der Eigentümer habe bisher keine Abbruchgenehmigung beantragt: „Es gibt auch keine Bauvoranfrage bei der Bauaufsicht. Wir können nicht sagen, was da kommen soll.“

Illegaler Abriss in Rodgau-Nieder-Roden: Eigentümer bekommt Ärger mit den Behörden

Nicht nur wegen der fehlenden Genehmigung bekommt es der Eigentümer mit den Behörden zu tun. Die Straßen und Wege seien „unfachmäßig abgesichert“ gewesen, berichtet Erster Stadtrat Michael Schüßler: „Es drohten Teile in den öffentlichen Verkehrsraum zu stürzen.“

So sperrt man richtig ab: Die Stadt sorgte für eine ordnungsgemäße Absicherung und stellt dem Eigentümer die Kosten in Rechnung.

„Am Wochenende ist bei mir das Telefon heißgelaufen“, berichtet Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Auch Michael Schüßler berichtet von Anrufen besorgter Bürger. Es gehe um „ein Haus im Herzen des Altorts, das den Anschein erweckt hat, es könne sich um ein erhaltenswertes Bauwerk handeln“. Soweit die Stadt wisse, stehe das Haus aber nicht unter Denkmalschutz.

„Enttäuscht und traurig“: Illegaler Abriss in Rodgau

„Enttäuscht und traurig“ reagiert Ulrich Biebel vom Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder-Roden. Die fränkische Hofreite sei ein markantes Gebäude im Altort. Sie sei oft gezeichnet und fotografiert worden und bei Ortsführungen des Vereins immer eine Anlaufstelle gewesen. „Den vertrauten Blick auf die gewachsene Altort-Struktur werden wir vermissen, denn die Gemäuer sind viel mehr als nur alte Steine“, betont Biebel.

Eine Bruchsteinmauer bildet den Abschluss zur Karolingerstraße.

In der Broschüre „Einfache Stadterneuerung“ von 2008 habe die Stadt Rodgau noch das Ziel propagiert, das einheitliche Bild des Altorts zu erhalten: „Diese Einheit wird hier nun zerstört.“ Der Eigentümer des Anwesens war trotz mehrfacher Versuche für unsere Zeitung nicht zu erreichen. (Ekkehard Wolf)

Ein altes Fachwerkhaus in Rodgau-Dudenhofen verfällt zusehends, doch darf es nicht abgerissen werden – es steht nämlich unter Denkmalschutz.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare