Bei der Kommunalwahl setzten viele Wähler andere Akzente als die Parteien

Beliebte Politiker in Rodgau weit nach vorn gewählt

Ein Wähler steckt seine Stimmzettel in die Wahlurne (Symbolbild)
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Fast die Hälfte der Wähler (47,8 %) nutzten am Sonntag die Möglichkeit, ihre bevorzugten Kandidaten durch das Kumulieren und Panaschieren zu unterstützen (Symbolbild).

Weiskirchen bleibt die CDU-Hochburg in Rodgau. Die Union erreichte dort bei der Kommunalwahl am Sonntag mit Abstand ihr bestes Stadtteilergebnis. Auch der Wählerverein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) fuhr in Weiskirchen sein bestes Ergebnis ein. Kein Wunder: 15 der 25 ZmB-Kandidaten wohnen dort.

Rodgau - Wie wichtig der Wohnort sein kann, zeigte sich auch bei den Freien Wählern Rodgau (FWR). Sie haben in Dudenhofen ihre größte Basis und erzielten ihr bestes Stadtteilergebnis.

Die Grünen und die FDP erhielten die höchste Zustimmung in Hainhausen und Jügesheim. AfD und Linke waren in Jügesheim erfolgreicher als in anderen Stadtteilen. Nur die Wähler der Tierschutzpartei verteilten sich gleichmäßig auf alle fünf Stadtteile.

Rekord: 10.962 Stimmen für Winno Sahm (Grüne)

Nur zwei der insgesamt 225 Kandidierenden erhielten mehr als 10 .000 Stimmen: Winfried Sahm und Karin Wagner von den Grünen. Das ist nicht nur ein Ausdruck persönlicher Beliebtheit, sondern liegt auch daran, dass auf der Grünen-Liste nur 18 Namen standen. Bei einem Listenkreuz werden die Stimmen automatisch der Reihe nach von oben nach unten auf die Kandidaten verteilt. Im Fall der Grünen erhalten dann die ersten neun Bewerber je drei Stimmen.

Wer von diesem Effekt am meisten profitieren will, stellt genau 15 Kandidaten auf. Die AfD und die Tierschutzpartei machten das diesmal so.

Wähler in Rodgau wirbeln die Kandidatenlisten durcheinander

Bei der CDU bedeutete ein Listenkreuz lediglich eine Stimme pro Person, denn die Union hatte als einzige Partei die Höchstzahl von 45 Kandidaten nominiert. Die meisten Stimmen bei der CDU holte Anette Schweikart-Paul, die bisherige Stadtverordnetenvorsteherin. Sie wurde mit 7 .543 Stimmen vom dritten Listenplatz ganz nach oben gewählt. Auch sonst wirbelten die Wähler die CDU-Liste durcheinander. Der größte Gewinner war Jürgen Resch aus Dudenhofen, den die Wähler um 15 Plätze nach oben katapultierten. Auch die bisherige Stadträtin Margit Müller-Ollech erzielte mehr als einen Achtungserfolg. Sie hatte auf dem letzten Listenplatz kandidiert und landete 13 Stufen weiter oben.

Bonus als Bürgermeisterkandidat: Max Breitenbach (CDU)

Für Bürgermeisterkandidat Max Breitenbach zahlte sich offenbar aus, dass er zwölf Tage vor dem 14. März seine Kandidatur für die Direktwahl bekannt gab. Er erzielte das drittbeste Ergebnis bei der CDU, obwohl er als Neunter angetreten war.

Dank der Mehrfachstimmen sind auch die beiden CDU-Senioren Helmut Trageser (+ 10 Plätze) und Ewald Simon (+ 6) wieder im Stadtparlament. Der Listenparteitag hatte sie auf die wenig aussichtsreichen Positionen 21 und 19 gesetzt.

Um 19 Plätze verbessert: Gerald Klein (SPD)

Bei der SPD erzielte Jutta Dahinten die höchste Zustimmung. Als Einzige holte sie über 7 000 Stimmen und verwies das junge Spitzenkandidaten-Duo (Patricia Knoll, Felix Deister) auf die Plätze zwei und drei. Der frühere Dudenhöfer Ortsvorsteher Gerald Klein machte bei den Genossen den größten Sprung nach vorne – um 19 Positionen auf Platz 13. Für einen Sitz in der geschrumpften SPD-Fraktion reicht das aber nicht.

Akzente setzten die Wähler auch bei der FDP: Sie schoben Peter Keller um 16 Positionen nach oben und Julia Schüßler um 14. Mit den erreichten Platzierungen sechs und elf erhalten sie aber keine Mandate.

Die bisherige ZmB-Stadträtin Christina Major schnitt sieben Plätze besser ab als ihre Position auf der Kandidatenliste erwarten ließ. Bei der Linken profitierte Petra Kipper von ihrer Bekanntheit als Wildtierpflegerin und kletterte vom achten auf den vierten Platz.

Von Ekkehard Wolf

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