Parkinsongruppe Rodgau hat einen neuen Vorsitzenden / Sport als Therapie

Bloß in Bewegung bleiben

Hans-Jürgen Grebe ist neuer Vorsitzender der Parkinson-Selbsthilfegruppe.
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Hans-Jürgen Grebe ist neuer Vorsitzender der Parkinson-Selbsthilfegruppe.

Die Regionalgruppe Rodgau-Seligenstadt der Deutschen Parkinsonvereinigung hat einen neuen Vorsitzenden: Hans-Jürgen Grebe. Der Diplomkaufmann folgt dem Mitbegründer der Gruppe, Wolfgang Dauer aus Mainhausen nach, der im Mai 2020 verstorben war.

Rodgau - Grebe ist gebürtiger Coburger. Beruflich verschlug es ihn 1979 nach Hessen und 1984 schließlich nach Jügesheim. Dort lebt er noch heute im damals neu gebauten Reihenhaus. Zuletzt war der Ruheständler selbstständig. Rodgauer kennen ihn aus dieser Zeit als Immobilienmakler. Etwa vor sechs Jahren erkrankte der heute 73-Jährige an Parkinson. „Wobei diese Krankheit unter Umständen schon seit Jahrzehnten in einem angelegt sein kann, bevor sie ausbricht“, erläutert der Marketingfachmann.

Ein besonderes Anliegen ist es ihm, dass die etwa 70 Mitglieder der Regionalgruppe, die auch Mainhausen einschließt, trotz Corona den Kontakt nicht verlieren. „Ganz wichtig“ seien der Austausch und die Freizeitgestaltung mit Themen ganz bewusst jenseits der Erkrankung. „Zum Beispiel mit einer Kutschfahrt in den Groß-Umstädter Weinbergen, sobald das wieder geht.“

Von größter Bedeutung sei für Betroffene die Bewegung. Deshalb ist die Regionalgruppe dankbar für die Kooperation mit dem Mainhäuser Kraftsportverein, dessen Studio (zu normalen Zeiten) dreimal die Woche zur Verfügung steht. „Sporttreiben und beweglich bleiben sind das A und O“, sagt Hans-Jürgen Grebe – und nimmt sich selbst beim Wort: Erst kürzlich hat er zusammen mit seiner Frau Birgit vierbeinigen Familienzuwachs angeschafft. Rüde Chico freut sich schwanzwedelnd über jeden Spaziergang. „Und mir tut jeder Schritt gut.“

„Die Diagnose Parkinson ist ein tiefer Einschnitt in die bisherige Lebensplanung. Bislang gibt es keine Heilung und auch keine Therapie, die die Erkrankung verhindert oder vollständig zum Stillstand bringt“, erläutert Hans-Jürgen Grebe. „Aber Parkinson ist eine langsam fortschreitende Krankheit und einige Symptome lassen sich gezielt behandeln, sodass viele Patienten noch Jahre, teils auch Jahrzehnte ein weitgehend normales Leben führen können. Trotzdem ist es schwer, die Krankheit alleine zu bewältigen.“

Unterstützung bietet die Selbsthilfegruppe Rodgau-Seligenstadt als regionale Gruppe der deutschen Parkinson Vereinigung (dPV): Ziel der vor 40 Jahren gegründeten Selbsthilfevereinigung ist es, die Lebensumstände von Parkinson-Patienten und deren Partnern zu verbessern.

Wie sich die fortgeschrittene Erkrankung auf seinen Körper und sein Leben auswirkt, schildert ein Mitglied der Selbsthilfegruppe so: „Da es über Nacht keine regelmäßige Tabletteneinnahme gibt, bin ich morgens ziemlich steif. Die Tabletteneinnahme, verschiedene Übungen und mein Vorsatz, mich nicht unterkriegen zu lassen, helfen. Aber vieles geht nicht mehr so einfach wie früher: Ich kämpfe mit dem Gleichgewicht und brauche eine Gehhilfe. Mir fallen Sachen herunter, das Umblättern der Zeitung fällt schwer. Die Feinmotorik lässt zusehends nach, Schlüssel ins Schloss stecken, Geld aus dem Portemonnaie holen, das Hemd zuknöpfen, Schuhe zubinden – es erfordert meine volle Konzentration. Manchmal geht es, manchmal nicht. Dazu bin ich sprachlich schwer zu verstehen, ich muss mich darauf konzentrieren, langsam, deutlich und laut zu sprechen Aber trotz Parkinson hat das Leben tolle, gute und freudige Seiten behalten.“

Der Gedankenaustausch mit anderen Betroffenen ist für den Kranken, aber auch für die Partner und Angehörigen immens wichtig. „Der Austausch innerhalb der Selbsthilfegruppe sorgt für mehr Information und Verständnis und hilft, unsere Lebensqualität zu verbessern,“ wirbt Hans-Jürgen Grebe für die gute Sache.

Zu den Aktivitäten der 1994 gegründeten Parkinsongruppe Rodgau-Seligenstadt gehören regelmäßige Gesprächskreise, Rehasport, Informationsabende und gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Ausflüge, Wandern oder Spielenachmittage. Man ist füreinander da und hilft sich, auch in den schweren Corona-Zeiten.

Wer sich seiner Krankheit stellt, kommt in der Regel besser damit klar. Die richtige medikamentöse Einstellung, viel Bewegung sowie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie helfen Kranken dabei, die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten. Durch die Einschränkung während der Pandemie mussten die Treffen zwar in den letzten Monaten ausfallen, aber der Kontakt wurde telefonisch aufrecht erhalten. Sobald es die Situation zulässt, sollen zunächst im kleinen Kreis wieder Treffen und gemeinsame Aktivitäten stattfinden.

Kontakt: Tel. 06106 15689 und E-Mail: grebeimmobilien@t-online.de.  

Von Bernhard Pelka

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