Denkmalschützerin des Kreises möchte ihn erkunden

Rodgauer Bunker wird ausgegraben

Hier ging es in den Bunker hinab. Der Eingang ist seit Jahrzehnten zugeschüttet.
+
Hier ging es in den Bunker hinab. Der Eingang ist seit Jahrzehnten zugeschüttet.

Mitarbeiter der Stadt werden voraussichtlich nächste Woche die Umrandung des bei Rodungsarbeiten freigelegten Bunkers an der Babenhäuser Straße ausgraben. Dabei geht es darum, die Abmessungen des größtenteils von Erde bedeckten Schutzbaus exakt zu erfassen. Die Maßnahme gehört zu einer ganzen Reihe von Aktionen, die der Dokumentation des Bauwerks dienen.

Rodgau-Jügesheim - Kreisdenkmalpflegerin Dagmar Kroemer hat daran größtes Interesse. Die Archäologin erkundet seit geraumer Zeit im Kreis Offenbach Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Entdeckung in Jügesheim soll in eine Gesamtdokumentation von Kroemer einfließen. „Da muss man jetzt ran, sonst ist das verloren“, erläutert die Expertin, warum Eile geboten ist. Klar: Die Augenzeugen aus dieser Zeit werden immer weniger – ebenso mögliche Unterlagen.

Dagmar Kroemer ist dankbar, dass die Stadt Rodgau alle Arbeiten mit ihr abstimmt. Interessant findet die Fachfrau den Zugang zum Schutzraum. „Gibt es dort Reste einer Luftschleuse? Wie sind die Wandstärken? Wie ist der Eingang überhaupt gestaltet?“ Diesen Fragen gelte es, nachzugehen. Das wird schwer. Denn der Bunker – so heißt es – wurde nach dem Krieg mit Sand verfüllt. Kroemer zufolge wäre es allerdings unverhältnismäßig, nun alles rauszuholen.

Die Stadt plant, die gesamte Anlage wieder zu begrünen. Ein Steinmetz werde auch das Kreuz dort bearbeiten. Selbst der Gehweg werde einbezogen, sagt eine Stadt-Sprecherin. Gegen diese Lösung sei nichts einzuwenden, sagt Dagmar Kroemer. „Solange das Denkmal unberührt bleibt, geschieht ihm nichts – und wir sind außen vor.“ Bunker waren bis zur Novelle des hessischen Denkmalschutzgesetzes 2016 für den Denkmalschutz weniger interessant. Damals erkannte man allerdings, dass aus den genannten Gründen Handlungsbedarf besteht. Seither sind zum Beispiel bereits bekannte Schutzräume in Neu-Isenburg oder auch die Reste einer Scheinwerferbatterie am Heusenstammer Schloss Denkmale. „Oder der Bunker unter dem Hof der evangelischen Kirche in der Dietzenbacher Altstadt. Das muss nicht alles unbedingt erhalten, aber wenigstens dokumentiert werden“, sagt die Kreisdenkmalschützerin.

Gut erinnert sie sich an Grabungen 2019 auf dem Gelände der ehemaligen Bundesmonopolverwaltung für Branntwein am Güterbahnhof in Neu-Isenburg. Damals erforschte sie einen Röhrenbunker. „An den Wänden waren viele Graffitis.“

Das Jügesheimer Exemplar aus den frühen 1940er Jahren war das Gemeinschaftswerk des Maurers August Jäger aus dem Ostring 66 und zweier Nachbarfamilien. Dagmar Kroemer vermutet, dass Jäger deswegen Kontakt zum 1933 vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Herrmann Göring, gegründeten Reichsluftschutzbund gehabt haben muss.

Dieser Verband habe Richtlinien herausgegeben – etwa zum Bau von Schutzräumen, zur Absicherung von Häusern und Fluchttunneln. Dass Jägers Projekt zum 1940 per Führer-Erlass gestarteten Bunkerbauprogramm gehörte, glaubt die Archäologin hingegen nicht. „Das galt nur größeren Städten wie Frankfurt und Offenbach.“

Von Bernhard Pelka

Der Bunker an der Babenhäuser Straße war die vergangenen Jahre unter Grünbewuchs verschwunden. Nach den Rodungsarbeiten ist die Betondecke teils wieder zu sehen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare