Bei Rodungsarbeiten

Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt – Expertin will historischen Fund erkunden

Der von Geröll versperrte Zugang zu dem Bunker ist nach den Rodungsarbeiten deutlich zu sehen.
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Der von Geröll versperrte Zugang zu dem Bunker ist nach den Rodungsarbeiten deutlich zu sehen.

In Rodgau im Kreis Offenbach ist bei Rodungsarbeiten ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt worden. Wird er Geheimnisse preisgeben? Eine Expertin will es herausfinden.

  • Arbeiter legen bei der Rodung eines Grundstücks in Rodgau (Kreis Offenbach) einen Weltkriegsbunker frei.
  • Eine Nachbarin erinnert sich, wie ein ehemaliger Anwohner den Bunker im Zweiten Weltkrieg errichtete.
  • Der historische Fund ist für die Stadt Rodgau keine Überraschung - eine Expertin möchte ihn nun erkunden.

Update vom Montag, 15.03.2021, 13.44 Uhr: Nach der Entdeckung eines Weltkriegsbunkers in Rodgau bei Offenbach sollen nun die Ausgrabungen und Erkundungen beginnen. Mitarbeiter der Stadt werden voraussichtlich in den nächsten Tagen die Umrandung des bei Rodungsarbeiten freigelegten Bunkers an der Babenhäuser Straße ausbuddeln.

Bei den Arbeiten ist laut Kreisdenkmalpflegerin Dagmar Kroemer Eile geboten. „Da muss man jetzt ran, sonst ist das verloren“, erläutert die Expertin. Die Erkundung des Rodgauer Bunkers, der in den 1940er Jahren als Gemeinschaftswerk des Maurers August Jäger aus dem Ostring 66 und zweier Nachbarfamilien gebaut wurde, soll in eine Gesamtdokumentation von Kroemer einfließen. Die Archäologin erkundet seit geraumer Zeit im Kreis Offenbach Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg.

Rodgau: Erkundung des Bunker im Kreis Offenbach könnten schwierig werden

Besonders interessant ist für die Expertin der Zugang zum Schutzraum. Wie ist er gestaltet und sind noch Reste einer Luftschleuse vorhanden? All diese Fragen gilt es zu klären. Einfach könnte das jedoch nicht werden. Denn der Bunker in Rodgau soll laut Berichten nach dem Krieg mit Sand verfüllt worden sein. Kroemer zufolge wäre es allerdings unverhältnismäßig, nun alles rauszuholen.

Rodgau: Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt – Enkelin des Maurers meldet sich

Update vom Freitag, 26.01.2021, 13.56 Uhr: Zum Bunker, der in Rodgau bei Offenbach bei Rodungsarbeiten freigelegt worden war, gibt es neue Erkenntnisse. Bei unserer Zeitung hat sich nach dem Artikel Helga Linduschka gemeldet. Sie ist eine Enkelin des Bunker-Betonierers August Jäger. Der Maurer aus dem Ostring 66 hatte den Schutzraum schräg gegenüber seinem Haus in den 1940er Jahren gebaut.

Aus Erzählungen ihrer Mutter Hedwig Zilch (geb. Jäger), einer Tochter von August Jäger, weiß Helga Linduschka noch, dass der Bunker in Rodgau bei Offenbach eine Gemeinschaftsarbeit war. Die Familie Jäger und zwei Nachbarfamilien hätten den Schutzbau für sich selbst errichtet. „August hat betoniert und Hedwig hat den Speis gemacht.“

Neue Erkenntnisse zu Bunker im Kreis Offenbach aus dem Zweiten Weltkrieg

Als Kind habe sie auf dem Bunker „rumgeturnt“. Er war damals schon verschlossen und teils von Erde bedeckt, erinnert sich die 68-Jährige, die heute in Hainhausen lebt. „Das hatte für uns Kinder großen Reiz.“ Im Krieg hätten die Schutzsuchenden in dem Bunker in Rodgau bei Offenbach auf Bänken gesessen. „Licht gab es auch. Und natürlich eine Belüftung.“ Sobald sich Luftangriffe ankündigten, seien die Jägers und die zwei anderen Familien mit Not-Koffern und eingemachtem Essen in den Bunker geflüchtet. Einen Treffer habe das Bauwerk aber zum Glück nie bekommen.

Inzwischen hat eine Mitarbeiterin der Denkmalschutzbehörde beim Kreis Offenbach erste Fotos von dem einst überwachsenen Relikt gemacht. Eine genaue Erkundung des Bunkers in Rodgau bei Offenbach soll folgen. 

Kreis Offenbach: Bunker aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt

Erstmeldung vom Mittwoch, 24.02.2021, 13.09 Uhr: Rodgau – Markante Entdeckung bei Rodungsarbeiten in Rodgau bei Offenbach: Ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg wurde freigelegt. Der von Geröll versperrte Zugang ist deutlich zu sehen. Augenzeugin Margarethe Jacob („Gretchen“) lebt dort noch heute im Haus ihrer Eltern und erinnert, den Baufortschritt in den 1940er Jahren beobachtet zu haben.

Soweit sie noch weiß, handelt es sich um einen privat errichteten Schutzraum, gebaut vom Maurer August Jäger, der schräg gegenüber der Bäckerfamilie Jacob im Ostring in Rodgau lebte.

Zweiter Weltkrieg: Bunker in Rodgau bei Offenbach freigelegt – „Da ist niemand rein“

„Dem Bunker hat aber keiner getraut. Da ist niemand aus der Nachbarschaft rein“, erzählt die fast 94-jährige Jügesheimerin. Unweit des Schutzbaus in Rodgau war früher der kleine Löschteich der Feuerwehr, die damals ihr Spritzenhaus noch an der Ecke Dudenhöfer Straße / heutige Kurt-Schumacher-Straße hatte. Für die Stadt Rodgau ist der ehemals zugewachsene Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg allerdings keine Überraschung. „Allen war klar, dass er sich dort befindet. Wir wollen die Grünanlage aber neu gestalten“, erläutert eine Stadtsprecherin. Wie, das sei noch offen. Das hänge auch davon ab, wie die Denkmalschutzbehörde beim Kreis Offenbach die Bedeutung des Schutzraums einstuft.

Auch in Rodgau-Weiskirchen gibt es einen privat errichteten Weltkriegsbunker. Der neue Besitzer hatte eine kuriose Idee, wie er das historische Gemäuer verwenden kann. (bp)

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