„Wir fahren bis zum letzten Handschuh“

Sozialstation Rodgau hat Vorräte für vier Wochen

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Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe, Mundschutz - die Vorräte sind begrenzt. (Symbolbild)

Die Corona-Pandemie bringt ambulante Pflegedienste an ihre Grenzen. Ein Beispiel dafür ist die Sozialstation Rodgau. Sie nimmt derzeit keine neuen Patienten auf und freut sich über jede Entlastung. Die Vorräte an Desinfektionsmitteln und Mundschutz sind begrenzt.

Rodgau - „Wir sind aufgrund unserer vorsichtigen Einkaufspolitik noch in der Lage, unseren Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Geschäftsführer Stefan Jaud, „aber wir sind weder personell noch materiell in der Lage, zusätzliche Patienten zu versorgen.“ Das betrifft auch Kranke mit multiresistenten Keimen (MRSA), wie Pflegedienstleiterin Renate Koser berichtet. Erst kürzlich habe sie einige Patienten ablehnen müssen, die MRSA-positiv aus der Klinik entlassen worden seien.

„Alle Mitarbeiter sind noch gesund. Sie gehen ganz toll mit dieser Situation um“, freut sich die Pflegedienstleiterin: „Die Moral und Laune der Mitarbeiter ist top.“ Als größte Herausforderung der letzten Tage bezeichnet sie „die Unvernunft mancher Patienten und ihrer Angehörigen“. Viele ältere Menschen seien trotz aller Warnungen weiter unter die Leute gegangen. Die Bitte der Pflegekräfte, etwas Abstand zu halten, stoße bei manchen Kunden auf Unverständnis. Es gebe aber auch das andere Extrem: nämlich die Frage, „warum wir nicht vollkommen vermummt vor der Tür stehen“.

Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Mundschutz – so sieht die Schutzausrüstung für den Pflegealltag aus. Die Vorräte sind begrenzt. „Wir haben genug da, um über die nächsten vier Wochen hinwegzukommen“, sagt Renate Koser. Bis dahin hofft sie, dass der Großhandel wieder liefern kann. Zurzeit sind die Lagerbestände so dezimiert, dass die Händler die Ware nur in begrenzter Menge ausliefern – bei Einmalhandschuhen zum Beispiel nur 15 Kartons.

Eigentlich dürfte das nicht passieren, denn die Sozialstation hat ihren Jahresbedarf längst bezahlt. „Wir kaufen immer große Mengen ein“, erklärt Geschäftsführer Jaud: „Weil wir nicht die Lagerkapazitäten im Haus haben, erhalten wir das Material auf Abruf.“ Bisher hat sich das bewährt. Während der Pandamie hakt es aber mit dem Nachschub. Stefan Jaud: „Es geht um Material, das wir schon bezahlt haben, das auf Lager liegt und schon uns gehört: Selbst das erhalten wir nicht mehr in dem Umfang.“

Als Entlastung begrüßt es die Sozialstation, wenn Familien ihre Angehörigen in diesen Tagen selbst versorgen. „Das macht uns die Planung wesentlich einfacher“, sagt Stefan Jaud. Allerdings bedeute das für die Sozialstation auch finanzielle Einbußen, schließlich zahle das Unternehmen die Gehälter weiter. Jaud: „Wir versuchen mit allem, was wir können und mit allem, was wir haben, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Wir hoffen, dass uns das noch eine ganze Weile gelingen wird.“ Auf den Punkt gebracht: „Wir werden sicherlich bis zum letzten Handschuh fahren, aber irgendwann sind unsere Vorräte erschöpft.“

VON EKKEHARD WOLF

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