Pfarrer Dr. Peter Eckstein: Corona offenbart unsere Verletzlichkeit

Rodgau: Erstmals ökumenische Waldweihnacht vor dem Don-Bosco-Heim

Weihnachtsengel Kim Marie Zabolitzki trug an der Seite der Pfarrer Benjamin Graf (links) und Dr. Peter Eckstein am Don-Bosco-heim die Geschichte vom Kind in der Krippe vor.
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Rodgau: Weihnachtsengel Kim Marie Zabolitzki trug an der Seite der Pfarrer Benjamin Graf (links) und Dr. Peter Eckstein am Don-Bosco-heim die Geschichte vom Kind in der Krippe vor.

Manche der etwa 150 Gäste im Rodgauer Wald blickten besorgt zum Himmel, denn kurz vor der ersten ökumenische Waldweihnacht vorm Don-Bosco-Heim hingen dunkle Wolken am Himmel. Aber die Hoffnung des evangelischen Pfarrers Benjamin Graf, dass es trocken bleibe, erfüllte sich. Einen weiteren positiven Aspekt dieser Premiere formulierte Pfarrer Dr. Peter Eckstein von der St. Matthias-Gemeinde: „Gemeinsam kommen wir zusammen an der Krippe, als getaufte Christen, gleich, ob evangelischer oder katholischer Konfession. Und ich gehe davon aus, dass Gott Freude daran hat.“

Rodgau - Mit den Worten aus dem Lukas-Evangelium „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren“, begrüßte Pfarrer Graf die Besucher eines besonderen Gottesdienstes im Nieder-Röder Wald. Der Auftritt der siebenjährigen Kim Marie Zabolitzki hätte aus einem Drehbuch stammen können. In ihrem weißen Engelskostüm erschien sie wie ein kleines Licht in der schon weit fortgeschrittenen Dämmerung und erzählte die Weihnachtsgeschichte auswendig, klar und mit sicherer Stimme.

Einen Bogen von der Weihnachtsgeschichte zu unseren Tagen schlug Pfarrer Eckstein in seiner Predigt. „Gerade in diesem Jahr wurde uns Menschen eine Eigenart vor Augen geführt wie nie seit Jahrzehnten. Und das ist unsere Verletzlichkeit. Trotz aller hohen Entwicklungsstandards und Technologie sind wir verletzlicher, als viele es wahrhaben wollen, und ich habe manchmal den Eindruck, dass sehr vieles dafür getan wird, dass wir uns unserer Verletzlichkeit nicht stellen müssen.“

Die Weihnachtsgeschichte dagegen wisse sehr viel von Verletzlichkeit: „Ein Wickelkind in einer Futterkrippe ist doch ein Zeichen höchster Verletzlichkeit. Menschen und Staaten tun heute vieles dafür, nicht als verwundbar zu erscheinen und schlagen vor lauter Angst vor Machtverlust deshalb umso tiefere Wunden.“

Ein kleines Virus genügt, um Leben zu gefährden und ganze Gesellschaften lahm zulegen. Die Antwort auf unsere Verwundbarkeit liegt in der Behutsamkeit, sagte Pfarrer Eckstein. Denn Behutsamkeit und Hüten kommen vom selben Wortstamm, und in der biblischen Geschichte sind es die Hirten, die zur Krippe kommen, dem Ort der Verletzlichkeit, um als Repräsentanten der Behutsamkeit die heilige Familie zu huldigen. Es sei nichts anderes als Behutsamkeit, die Vertrauen wachsen und viele Wunden heilen lässt. Behutsamkeit ist eine Entschlossenheit und keine Schwäche, die Zeit aufbringt. Eckstein: „Alle technischen Umwälzungen können die humane Revolution nicht ersetzten, die die Welt ganz dringend braucht. Verletzlichkeit und Behutsamkeit, diese beiden Elemente werden darin eine ganz zentrale Rolle spielen, auch und gerade in unserer Zeit und davon will uns diese Weihnachtsfest 2020 erzählen!“  (Axel Hampe)

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