Handgenähter Corona-Schutz

Briefhüllen-Manufaktur steigt  auf Masken-Produktion um

Wo sonst edle und ausgefallene Briefumschläge entstehen, werden aktuell Masken genäht. Fotos: Pelka
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Wo sonst edle und ausgefallene Briefumschläge entstehen, werden aktuell Masken genäht.

Masken statt Briefhüllen: Die Corona-Krise zwingt eine Firma aus Rodgau, ihre Produktion umzustellen.

Rodgau – Die rugi Briefhüllen-Manufaktur Rupp & Gißel ist gewöhnlich ein Spezialist für ausgefallene und kreative Lösungen rund um Versandtaschen, genähte Briefhüllen und Verpackungen. Doch Corona verhagelt den Auftragseingang, sodass Umdenken gefragt ist.

„Nähen können wir. Also machen wir Masken“, beschreibt Geschäftsführerin Andrea Rupp die neue Marschrichtung. Auch ihr Geschäftsführerkollege Michael Gißel bestätigt zwar, dass sich das Traditionsunternehmen hiermit nicht ein neues Geschäftsfeld sucht. „Aber nachdem unser Geschäft Mitte März schlagartig eingebrochen war und wir seither drastische Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, haben wir überlegt, was zu tun wäre. Wir wollten unsere Mitarbeiter nicht komplett in Kurzarbeit schicken und haben angefangen, Gesichtsmasken anzufertigen. “.

Ein Teil des Erlöses aus dem Onlineverkauf geht an soziale Einrichtungen wie die Flüchtlingshilfe Rödermark, den Brotkorb Rödermark und die Suppenküche 5+2 in Nieder-Roden. Auch versorgte das Unternehmen inzwischen diverse Altenheime (Haus Julia Weiskirchen, Haus Morija Ober-Roden, K+S Nieder-Roden) mit gespendeten Masken für Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer. Es gingen aber auch von Firmen schon größere Aufträge ein, die ein wenig Geld in die Firmenkasse spülten.

Maskenparade bei rugi in Nieder-Roden.

Zu Gute kam dem Kleinbetrieb (fünf Mitarbeiter) bei der vorübergehenden Neuausrichtung, dass aus Restbeständen eines früheren Auftrags noch ein lebensmittelechtes Papiervlies vorhanden war, das waschfest und trotzdem atmungsaktiv ist. Das Vlies wird nun zwischen Bauwollstoff eingenäht. Rugi beansprucht nicht für sich, dass es sich bei den Masken um ein medizinisch getestetes Produkt handelt. Aber 60, ja selbst 90 Grad – mithin große Hygienestandards – hält eine solche Maske locker aus. Andrea Rupp: „Der Umweltgedanke und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle für uns. Es sind viele Masken auf dem Markt, die eine Menge Abfall produzieren. Unsere Ware ist waschbar und mehrfach verwendbar.“

Rugi bringt sich derzeit auf noch eine weitere Art sozial ein: Das Unternehmen verschickt an Seniorenheime Mutmacherbriefe nach dem Motto: „Wir müssen getrennt bleiben, aber wir halten zusammen!“ Zuletzt erreichten solche Briefe mit ermutigenden Worten an Ostern Altenpflegeeinrichtungen in Rodgau und Rödermark. Der Pfingst-Gruß ist derzeit in Vorbereitung. Diesmal wird in der Briefhülle nicht nur ein gut gemeinter Text stecken, sondern auch ein kleines Unterhaltungsspiel.  

bp

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