Rodgauer Trauerbegleiterinnen laden zu Spaziergängen ein

Da sein und zuhören

Brigitte Masur und Siglinde Hühne-Bonifer (rechts) vom Ambulanten Hospizdienst begleiten Trauernde und Sterbende. Die Arbeit koordiniert Felicitas Väth (Mitte).
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Brigitte Masur und Siglinde Hühne-Bonifer (rechts) vom Ambulanten Hospizdienst begleiten Trauernde und Sterbende. Die Arbeit koordiniert Felicitas Väth (Mitte).

Nicht alleine bleiben mit der Trauer, sich Kummer von der Seele reden und den Schmerz bewältigen. Dabei will der ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe Beistand anbieten.

Rodgau – Die ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen und -begleiter versuchen, denen aus dem Tief herauszuhelfen, die einen wichtigen Menschen in ihrem Leben verloren haben. Die Lücke können die Hospizmitarbeiter freilich nicht schließen, die der oder die Verstorbene hinterlassen hat. Aber die Freiwilligen hören zu und suchen gemeinsam mit dem Trauernden nach einer Antwort auf die vielen Fragen, die oft noch bleiben. Gerade weil sie Außenstehende sind, fällt es manchen Menschen leichter, mit ihnen zu sprechen als mit nahen Verwandten.

„Die Nähe behindert“, wissen Brigitte Masur und Siglinde Hühne-Bonifer. Sie sind beide ehrenamtlich sowohl in der Trauerbegleitung als auch beim ambulanten Hospizdienst tätig. Sie betreuen Trauernde, aber begleiten auch Sterbende in der letzten Lebensphase.

Siglinde Hühne-Bonifer hat es als positiv erlebt, als sie jemanden aus ihrer Familie begleiten durfte, der daheim verstorben ist. „So konnte er noch am Leben teilnehmen“, sagt sie. Und Brigitte Masur ist immer wieder beeindruckt von der großen Dankbarkeit der Angehörigen, weil sie das Umfeld ein wenig entlasten kann.

Dabei wird nicht oft übers Sterben oder den Tod gesprochen. „Viele Kranke können auch gar nicht mehr reden“, sagt Felicitas Väth, die den Hospiz- und Palliativberatungsdienst koordiniert. Das Angebot ist unentgeltlich, die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

Vor Corona, als körperlicher Kontakt möglich war, konnten die freiwilligen Helfer auch einfach mal eine Hand halten. Das ist jetzt leider nicht mehr möglich. Auch die Spaziergänge mit Trauernden finden derzeit in dieser Form nicht mehr statt. Zu zweit sind die Damen nun meist unterwegs, weil es sich im Gehen oft einfacher redet. Außerdem helfe vielen auch der Kreislauf der Natur ein wenig beim Entspannen und Loslassen nach dem aufwühlenden Erlebnis.

Die Anforderungen sind so unterschiedlich wie die Menschen. „Man sollte da sehr offen drangehen“, sagt Siglinde Hühne-Bonifer. Tipps zu geben verkneifen sich die beiden erfahrenen Trauerbegleiterinnen. „Wir lassen den anderen wie er ist“, sagt Brigitte Masur.

Weil es beim Sterben und der Trauer viel Ratlosigkeit ud Unsicherheit gibt, ziehen sich oftmals Bekannte zurück. Doch die Profis aus der Sterbebegleitung und Trauerndenarbeit sagen: „Es ist nicht alles schwer, es wird auch viel gelacht.“

Informationen zum Hospiz- und Palliativberatungsdienst: z 06106 8710-25. Da die Angebote kostenfrei sind, werden sie durch Spenden finanziert. Deswegen ist Unterstützung wichtig: Frankfurter Volksbank, Verwendungszweck: Hospizdienst; IBAN DE68 5019 0000 0001 2290 60; BIC FFVBDEFF. (Von Simone Weil)

Infos im Internet

juh-offenbach.de

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