EIN JAHR CORONA Die Rodgauerin Tanja Garlt sehnt sich nach Theaterarbeit

„Das bin doch ich“

Tanja Garlt.
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Tanja Garlt möchte bald wieder loslegen. Vielleicht geht im Freien etwas, überlegt sie.

Rodgau – Für viele ist Kultur ein Sahnehäubchen, eine Dreingabe, die das Leben verschönt. Doch für manche Menschen ist sie Passion, Lebensinhalt – und auch noch Broterwerb. Unter Coronabedingungen allerdings geht fast gar nichts. Das muss die Kulturpreisträgerin Tanja Garlt (2005 gab es für sie den Kulturpreis der Stadt Rodgau, 2009 den des Kreises Offenbach) seit mittlerweile einem Jahr aushalten.

Rodgau – Als freie Regisseurin verzichtet sie schon lange auf Sicherheiten, die eine feste Anstellung bietet. Und doch ist es seit mehr als zwölf Monaten noch einmal ganz anders, so völlig in der Luft zu hängen. Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle Verdienstmöglichkeiten weggebrochen: So arbeitet die Theatermacherin auch als Referentin für den Internationalen Bund (IB) in Frankfurt und bietet Workshops an Schulen an. Dabei geht es für junge Leuten mit schwierigen Schulkarieren oder Flüchtlinge etwa um die Frage: Wie präsentiere ich mich?

Vor einem Jahr stand die Regisseurin mit ihrer Gruppe Theater Total kurz vor der Premiere ihrer Inszenierung von „Viel Lärm um nichts“ von William Shakespeare, als die Aufführung komplett abgesagt werden musste. Dass die Arbeit bislang unvollendet geblieben ist, schmerzt die 48-Jährige sehr. „Auch für meine Schauspieler tut mir das leid, dass sie das nicht zum Abschluss bringen konnten“, sagt sie.

Sobald etwas geht, will sie einen Workshop oder eine kleine Aufführung anbieten. Seit mehr als 20 Jahren inszeniert Tanja Garlt Theaterstücke im Kreis Offenbach. Darunter sind die Schul-Theater-AG MomentMal, der Impuls-Kulturverein oder das von ihr selbst gegründete Ensemble Theater Total – alle in ihrer Heimatstadt Rodgau. Dabei arbeitet sie in den vergangenen Jahren hauptsächlich mit Theaterlaien. Denn sie ist beeindruckt davon, wie sich diese Hobbyschauspieler auf der Bühne entwickeln.

Mit ihrem Impuls Kulturverein ist sie regelmäßig zu Gast in der Gärtnerei Fischer in Dudenhofen. Dort sehen an drei Tagen etwa 1000 Zuschauer im Kamelien-Gewächshaus, was sich die Regisseurin ausgedacht hat.

Mit einem Studium der Theaterwissenschaften in Mainz, einer Ausbildung an der Theaterwerkstatt Frankfurt, Hospitationen und Weiterbildungen, beispielsweise zur Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin, eignete sie sich das professionelle Rüstzeug für die Regiearbeit an. Weitere Stationen führten sie als Haus-Regisseurin an die Frankfurter Schmiere und zu den Bad Homburger Hofspielen. Regelmäßig ist sie auf Einladung des Geschichts- und Heimatvereins Dreieichenhain auch in der Burg Hayn zu Gast und leitet das dortige Theaterensemble.

Die begeisterte Reiterin mit eigenem Pferd empfindet die Situation als „absurd“. In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis ist sie die Einzige, bei der es alles so komplett durcheinandergewirbelt hat. Garlt: „Deswegen ist es für die anderen oft schwer nachzuvollziehen, was es bedeutet, nicht in meinem Beruf arbeiten zu können. Meine Theaterarbeit, das bin ja ich!“

Deswegen versucht die Kulturmacherin, nicht allzu sehr über ihre Situation nachzudenken. Dabei hilft die tägliche Arbeit im Stall: ausmisten, das Tier versorgen und striegeln. „Das erdet“, sagt die Künstlerin. Und eines ist für die Regisseurin ganz sicher: „Ich werde nix über Corona machen.“

Von Simone Weil

Im Kamelienhaus der Gärtnerei Fischer inszenierte Tanja Garlt eine Reihe an Theaterstücken, vor drei Jahren zum Beispiel „Der Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni. Das Szenenfoto zeigt (von links) Michael Gelbke, Holger Schmidt, Dieter Krebs, Sabine Korbach und Ilona Kraus.

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