In Rodgau packen beim Bau des neuen Vereinsheims viele Freiwillige an

Der älteste Helfer ist 82

Sebastian Wilhelm (links) und Sven Loferer (rechts) beim Studium eines Raumplans auf der Baustelle. Corona erschwert dort Abfolge und Einteilung der diversen Arbeiten.
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Sebastian Wilhelm (links) und Sven Loferer (rechts) beim Studium eines Raumplans auf der Baustelle. Corona erschwert dort Abfolge und Einteilung der diversen Arbeiten.

Beim 100 Jahre alten Musikverein wächst mit dem neuen Vereinsheim unweit der SKV-Sporthalle derzeit nicht nur das künftige Probenzentrum der Musiker in die Höhe, sondern auch das Wir-Gefühl der ohnehin starken Vereinsfamilie. Denn der Neubau ist ein Werk der Generationen, das von Eigenleistung und ehrenamtlichem Engagement lebt. Bei den Erd- und vorbereitenden Fundamentarbeiten, zum Beispiel, war der jüngste freiwillige Helfer 15 Jahre alt und der älteste 82.

Weiskirchen - „Die Identifikation der Vereinsmitglieder und Sponsoren mit dem 500 000-Euro-Projekt und der Zuspruch sind riesig“, freut sich denn auch Vorsitzender Sebastian Wilhelm. Und das finanziell und auch ganz persönlich mit der eigenen Hände Arbeit. „Wir haben sehr, sehr viele Anfragen von Leuten, die helfen möchten.“

Der Verein hat das Glück, gleich mehrere kompetente Handwerksmeister und Techniker in seinen Reihen zu wissen. Sie kommen aus den Gewerken Metallbau, Gas, Wasser, Heizung, Sanitär, Elektro, Fliesen, Arbeitssicherheit und Brandschutz und packen in ihrer Freizeit jetzt alle mit an. Das spart enorme Kosten und führt dazu, dass nur wenige Arbeiten fremd vergeben werden müssen – etwa die Verputzarbeiten, die Fenster, der Estrich und die kniffelige Akustikdecke. Hierbei werden Firmen aus der unmittelbaren Umgebung berücksichtigt.

Mit Sven Loferer hat das Team der fleißigen Ehrenamtler sogar einen Bauingenieur mit Architektenzulassung als Mitstreiter gewonnen, der nun den Bereich Planung, Architektur und Statik verantwortet.

Oder Joachim Massoth. Der Elektromeister war 27 Jahre lang Chef einer eigenen Fachfirma, die er inzwischen in die Hände seiner Tochter Johanna übergeben hat. Aktuell zieht der Ruheständler im Neubau in Hainhausen Am Sportfeld die Strippen. Einen Kilometer Kabel hat er seit dem Spatenstich am 31. Oktober vergangenen Jahres schon verlegt. Ein weiterer Kilometer wird dazukommen. Eine Herausforderung wird für ihn die Beleuchtung aus etwa 100 LEDs in der Akustikdecke. Das Licht darf weder blenden, noch Schattenwurf zulassen. Sonst sind die Noten nicht mehr lesbar. „Das wird wie ein Schachbrett aussehen.“

Mit dabei ist auch Ralf Wink. Der gelernte Heizungsbauer, der elf Jahre diesen Beruf ausübte, arbeitet im Wasserwerk Jügesheim in der Instandhaltung der Fernleitung. Abends und an den Wochenenden kümmert er sich in der neuen Rodaustrom-Tonhalle um Sanitär und Heizung.

Wink und Massoth sind nur zwei Beispiele für viele zupackende Hände. Auf die konnte sich etwa auch die Zimmerei Peter Zilch verlassen, als es galt, aus Balken und Grobspanplatten die Wände des Gebäudes in Holzständer-Modulbauweise (mit Hilfe eines Krans) zu errichten. Selbst die Innen- und Außendämmung (Mineralwolle innen, Holzweichfaserplatten außen) wurde in Eigenleistung angebracht. Das gilt auch für die Dämmung der Decke. Als nächstes müssen nun die Wände innen mit Spanplatten und Gipskarton verkleidet werden. Aber zuvor kommen die Fenster rein.

In der Rodaustrom-Tonhalle soll ein 140 Quadratmeter großer Proberaum im Obergeschoss den Orchestern und Ensembles ausreichend Platz zum Üben bieten. Im Erdgeschoss sind zwei Räume für den musikalischen Einzelunterricht geplant, außerdem ein Lager und ein kleiner Aufenthaltsraum. Diese abgeteilten Räume weisen eine Besonderheit auf: Sie haben schiefe Wände, damit sich der Schall nicht totläuft in der Raumflucht, sondern zurückgeworfen und gebrochen wird.

Von Bernhard Pelka

Der gelernte Heizungsbauer Ralf Wink biegt und verbindet nach Feierabend Rohre für Heizung und Sanitär.
Elektromeister Joachim Massoth zieht im neuen Vereinsheim die Strippen.

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