250 Jahre evangelische Kirche Dudenhofen: Gefeiert wird im nächsten Jahr

Die gute Stube der Gemeinde

Einzige Querkirche in Rodgau: Der Altar befindet sich nicht an der östlichen Stirnseite der Kirche, sondern an einer Längsseite. Typisch für die evangelische Kirche Dudenhofen ist die umlaufende Empore mit ihrer geschwungenen Brüstung.
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Einzige Querkirche in Rodgau: Der Altar befindet sich nicht an der östlichen Stirnseite der Kirche, sondern an einer Längsseite. Typisch für die evangelische Kirche Dudenhofen ist die umlaufende Empore mit ihrer geschwungenen Brüstung.

Es sollte ein rauschendes Festjahr werden: Fünf runde Jahrestage standen für 2020 im Kalender Dudenhofens. Der größte: 250 Jahre evangelische Kirche. Nur wenige Veranstaltungen des Festprogramms waren möglich. Pfarrerin Christina Koch hofft, das Jubiläum im nächsten Jahr feiern zu können: „Ich habe den Vereinen schon mitgeteilt: Haltet euch den Pfingstsonntag frei.“

Dudenhofen – Wenn die Corona-Lage es erlaubt, soll dann auch etwas stattfinden, das Pröpstin Karin Held in ihrer Festpredigt zum Kirchenjubiläum vorgeschlagen hatte: eine Menschenkette, die die Kirche umarmt. Dieser Brauch stammt laut Held aus England. Pfarrerin Koch: „Das Symbol finde ich wunderbar.“

„Auch in Corona-Zeiten hat sich bewahrheitet, dass die Kirche die gute Stube der Gemeinde ist“, berichtet Christina Koch. Diese gute Stube wird nicht nur an Festtagen genutzt, sondern täglich. Das sieht man an den abgebrannten Kerzen und an den Einträgen im Gästebuch. Eine sinngemäße Kostprobe: „Ich bin dankbar, dass ich hier sein darf in diesen Zeiten, dass ich hier Nähe finde und mich geborgen fühle.“

Nähe und Geborgenheit erleben evangelische Christen in diesem Bauwerk seit 250 Jahren. Die frühere Kirche war für die wachsende Gemeinde zu klein geworden, eine Erweiterung kam nicht in Frage. Die Reformation war bereits zwischen 1550 und 1560 in Dudenhofen eingeführt worden.

Mit Kunstwerken ist das Gotteshaus sparsam ausgestattet. Eine 1896 angebrachte Deckenmalerei wurde 1947 wieder entfernt. Bereits 1885 wurde die Dudenhöfer Kirche im Buch „Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen“ als „kunstlos und kunstleer“ bezeichnet; der Autor fühlte sich eher an einen „Sprechsaal“ erinnert.

Wie viel schöne Seiten die Kirche hat, zeigt der Fotokalender zum Kirchenjubiläum, der aus den Einsendungen eines Fotowettbewerbs zusammengestellt wurde. Als „immerwährender Kalender“ ist er zeitlos aktuell. Im Gemeindebüro liegen noch etwa 50 Exemplare.

Zu den besonderen Details gehört eine kleine Wandmalerei auf der Empore: Ein Mondgesicht mit Tabakspfeife erinnert daran, dass die Dudenhöfer Bauern einst Tabakblätter auf dem Dachboden der Kirche trockneten. Ein anderes Kleinod entdeckt man nur bei genauem Hinsehen. Auf einer Glasscheibe des Windfangs findet sich der Spruch: „Hie ist die Pforte des Himmels“.

Zur evangelischen Kirche Dudenhofen gibt es auch einen eigenen Artikel in der freien Enzyklopädie Wikipedia - und zwar hier.

(Von Ekkehard Wolf)

Kurioses Wandbild: Ein Pfeife rauchendes Mondgesicht ist von der ehemaligen Wandmalerei übrig geblieben.
Das Wappen der Landgrafen von Hessen-Kassel ist über dem Portal angebracht.

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