In Rodgauer Treibhäusern gucken die Erdbeeren schon vorwitzig aus der Erde

Die Pflanzsaison kann kommen

Garteneexperte Bernd Fischer inmitten eines Meeres aus Erdbeersetzlingen. Immer mehr Kunden kaufen sie fürs Anpflanzen in Kästen auf dem heimischen Balkon.
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Gartenexperte Bernd Fischer inmitten eines Meeres aus Erdbeersetzlingen. Immer mehr Kunden kaufen sie fürs Anpflanzen in Kästen auf dem heimischen Balkon.

Wo früher der Oleander seinen Stammplatz hatte, steht heute ein Kübel mit Tomatenpflanzen. Statt an Thujahecken erfreuen sich Gartenfreunde lieber an Hochstämmen von Stachel- und Johannisbeeren: Corona verändert im Grünen Pflanzgewohnheiten.

Rodgau - Schon in der vergangenen Saison beobachteten Fachbetriebe wie die Gärtnerei Fischer einen Trend hin zu Nutzpflanzen. Aus Angst vor Engpässen im Supermarkt kauften Kunden so viele Gemüsesetzlinge wie nie zuvor, um vorsorglich zuhause selbst tätig zu werden. Andere suchten hingegen in der mehr gewordenen Freizeit einfach ein sinnvolles Hobby und entdeckten im Lockdown ihren grünen Daumen.

„Am Ende hatten wir nicht mal mehr Samen“, erinnert sich Gartenexperte Bernd Fischer an den sehr guten Absatz. Um die erwartete Nachfrage in der nun beginnenden Saison decken zu können, nehmen Bernd und Ralf Fischer und ihr Team gut zehn Prozent mehr Nutzpflanzen ins Sortiment auf – überwiegend selbst gezogen!

In den Treibhäusern an der Blumenau werden die Stecklinge zeitlich versetzt produziert, um immer einen Vorrat zu haben. Tausende Pflänzchen von Basilikum, Zitronenverbene, Estragon, Kerbel, Koriander, Erdbeeren, Tomaten (sowie später auch Paprika und mehr) legen in den Pflanzschalen derzeit los. Teils geschieht das noch unter Folie. Für Dunkel-Keimer wie Koriander ist sie schwarz, für Licht-Keimer wie Basilikum transparent. Für ganz Eilige halten die Fischers schon einige mediterrane Kräuter bereit, die im wärmeren Italien bereits groß und kräftig geworden sind. Und Salatpflänzchen aus dem Treibhaus. Aber Achtung: Noch herrscht Nachtfrost – und die Pflanzen-Kinderstube im Freien sollte gut geschützt sein. Basilikum etwa braucht selbst nachts um die 13 Plusgrade, damit er keinen Schaden nimmt.

Es gibt inzwischen aber auch fast nichts mehr, das es für den Balkon oder die Terrasse nicht gäbe. Der Handel macht es Hobbygärtnern mit wenig Platz leicht, indem er ein ganzes Arsenal an Obst bereithält, das als Zwerg- oder Säulenbaum von geringer Wuchshöhe im Kübel ohne Probleme Früchte trägt: Pfirsiche, Äpfel, Heidelbeeren als niedriger Busch oder bis zu zwei Meter hoch, entweder in der klassischen Farbe oder sogar in Rosa! Alles ist möglich. Hinzu kommt, dass der Klimawandel Pflanzen Überlebenschancen bietet, denen es früher in unseren Breiten viel zu kalt war – etwa Feigen.

Gut machen sich im Balkonkasten Hängetomaten und dahinter Salat. Auch wer aus dem Gärtnern eine Familienangelegenheit machen und Kindern aus pädagogischen Gründen Erfolge verschaffen möchte, findet heutzutage das Richtige. Fischers haben dafür einen Klassiker neu ins Sortiment aufgenommen: die Saat- und Steckkartoffel: „Die wird immer was.“

Von Bernhard Pelka

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