Drogenhandel endet vor Gericht

Drogenhandel: Angeklagter kommt mit Bewährungsstrafe glimpflich davon

Ein halbes Kilo Cannabisprodukte fand die Polizei bei dem Rodgauer
+
Ein halbes Kilo Cannabisprodukte fand die Polizei bei dem Rodgauer

Glimpflich kam der vielfach vorbestrafte Rodgauer davon, der sich vor dem Schöffengericht in Offenbach wegen bewaffneten Drogenhandels verantworten musste.

Rodgau - Weil die Tat schon vier Jahre zurückliegt, verließ er das Gerichtsgebäude mit einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung.

Der 40-Jährige erscheint in Handschellen. Er sitzt gerade die letzten Wochen einer Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung ab. Heute geht es um den 6. Oktober 2016. In einem Rodgauer Mehrfamilienhaus hatten Mitbewohner wohl eine Chance gewittert, ein häufig lärmendes Paar zumindest für einige Stunden zur Räson zu bringen. Jemand hatte der Polizei von eindringlichem Cannabis-Geruch aus dessen Wohnung berichtet.

Der Angeklagte erzählt, etwa einmal pro Woche seien Beamte erschienen, wenn seine Freundin wieder mal unter Amphetamin-Einfluss durchgedreht sei.

Auf das „Polizei, machen Sie auf!“ wollte damals niemand öffnen, weshalb die Ermittler mündlich einen Durchsuchungsbeschluss einholten und die Tür aufbrachen. In der Wohnung fanden sie über ein halbes Kilo Cannabisprodukte in Form von Haschisch und Marihuana, außerdem mehr als 120 Gramm Amphetamin und Spuren von Kokain, ferner 1920 Euro in bar, teils in einer für Dealer typischen Stückelung kleiner Scheine. Ein hoher Betrag für jemanden, der damals Arbeitslosengeld in Höhe von 1100 Euro bezogen haben will.

Staatsanwältin Sylvia Erdelt wirft dem Angeklagten bewaffneten Drogenhandel vor. In einem Schrank neben dem Eingang lagen zwei verbotene Butterflymesser. Der Angeklagte hatte gegenüber der Polizei erklärt, die Drogen gehörten vollständig ihm. Die Aussage revidiert der Mann vor Gericht zum Teil. Ihm sei das Cannabis zuzuordnen, seiner damaligen Freundin das Amphetamin. Damit die ihren Führerschein behalte, habe er deren Stoff auf seine Kappe genommen. „Wie so vieles in meinem Leben machte auch das keinen Sinn“, erläutert der Rodgauer. „Zwei Monate später erwischte die Polizei sie besoffen am Steuer.“

Mit Drogen habe er damals nicht gehandelt, „aber ich war von Cannabis abhängig“. Die Butterflymesser will er einem nicht mehr ganz nüchternen Freund auf einem Gartenfest zur Sicherheit abgenommen und bei sich im Schrank verwahrt haben. „Die hatte ich längst vergessen“.

Richter Manfred Beck erklärt, es falle schwer, zu glauben, dass der Angeklagte die stattliche Menge nur zum Eigenkonsum besessen habe, „2010 verurteilte ich Sie schließlich schon mal wegen Handels“. Außerdem habe er auch eine Feinwaage besessen. Auf Becks Frage, wie er es in Zukunft mit Rauschgift halten wolle, erklärt der Mann: „Ganz ehrlich, ich habe die Schnauze davon voll.“

Staatsanwältin Erdelt betont, die Menge lasse ebenso auf Handel schließen wie das Bargeld. Die Messer hätten sich in Griffnähe befunden. Trotz acht Eintragungen im Bundeszentralregister spricht sich Erdelt dafür aus, die geforderten 18 Monate Gefängnis zur Bewährung auszusetzen. Die Tat liege ewig zurück. Durch die aktuelle Haftstrafe des Angeklagten hege sie die Hoffnung, „dass er es endlich verstanden hat“.

Rechtsanwalt Moritz David Schmitt hörte „ein von Reue getragenes Geständnis“. Er sieht durch Drogenabhängigkeit eine verminderte Schuldfähigkeit: „Ich bin dafür, dass er mit dem Suchthilfezentrum Wildhof Kontakt aufnehmen muss.“ Die verbotenen Messer habe sein Mandant nur verwahrt. Das Geld solle er zurückbekommen: „Es ist nicht erwiesen, dass der Betrag aus Handel stammt.“

Das sehen Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen anders. Auch wenn der Angeklagte Konsument sei und es sich um einen minder schweren Fall von bewaffnetem Handel handele, „es fanden sich schließlich keine Schusswaffen“. Das Geld bleibe eingezogen. Die 18 Monate Haft werden auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Angeklagte 250 Sozialstunden ableisten und sich bei der Suchtberatung melden.

Von Stefan Mangold

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare