Schriftliches Abitur

Spannend bis zur letzten Minute: Abiturprüfungen in Hessen finden statt

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Liebevoll selbst gemacht: Abiplakate in Form eines Schmetterlings (Foto) oder eines Notenschlüssels.

So groß war die Spannung vor dem Abitur wohl noch nie: Wegen des Coronavirus stand noch gestern Mittag (18.03.2020) stand nicht fest, ob die schriftlichen Prüfungen heute beginnen. 

Dudenhofen - „Wir sitzen hier und warten“, sagte Schulleiterin Dagmar Emmerich gestern um 13 Uhr. Eigentlich sollten die Schulen die Prüfungsaufgaben zwischen 12 und 15 Uhr von einem speziellen Internet-Server herunterladen. Doch nach einer Stunde Wartezeit waren die Aufgaben immer noch nicht freigeschaltet.

Gleich heute steht eines der größten Prüfungsfächer auf dem Programm: Englisch. Mehr als die Hälfte des Jahrgangs schreibt mit. Ob Grund- oder Leistungskurs: Jeder Abiturient bekommt drei Themenvorschläge à fünf Seiten vorgelegt. „Das ist viel Papier, das kopiert und sortiert werden muss“, so Emmerich. „Das dauert zwei Stunden“, weiß Hausmeister Bernd Klein aus Erfahrung.

Mit dem Wortspiel „Ihr könnt röschnen“ wünscht Mathe-Lehrerin Miriam Rösch ihren Schülern viel Erfolg.

An guten Wünschen herrscht kein Mangel. Das Foyer und die Pausenhalle hängen voller Plakate. Neben Klassikern wie „Du schaffst das!“ und „Wir glauben an dich“ liest man dort aufmunternde Sprüche wie „Du kannst die Zukunft verändern“ oder die sportliche Variante „Mit Schwung über die letzte Hürde“. Oder ganz cool: „Dream it. Wish it. Do it.“ Zwischen professionell bedruckten Bannern gibt es viel selbst Gemaltes, zum Beispiel ein lächelndes Faultier: „12 Jahre Schlaf . . . und immer noch müde“.

Beim Aufhängen der Abiplakate drängen sich normalerweise die Angehörigen im Pulk durch die Türen, um die besten Plätze zu erwischen. In Corona-Zeiten läuft das anders. Einzeln legten Eltern und Freunde am Montag ihre Plakate auf einem Tisch im Windfang ab. Der Hausmeister hängte sie dann auf.

Nicht ganz so dicht wie sonst hängen die Plakate mit guten Wünschen für die Abiturienten in der Pausenhalle. 

Auch an den Prüfungstagen tut das Oberstufengymnasium alles, um eine mögliche Ansteckungsgefahr zu minimieren. Die Prüfungen werden in Kleingruppen geschrieben, die Tische stehen in extra großem Abstand. Türgriffe und andere Oberflächen sind desinfiziert. Als Aufsicht werden keine Lehrkräfte der Altersgruppe Ü 60 eingesetzt; einige junge Kollegen kommen nicht infrage, weil sie kleine Kinder zu betreuen haben.

Unsicherheit herrschte gestern darüber, ob das schriftliche Abitur wie geplant stattfindet. Die Abiturienten erfahren das im ungünstigsten Fall aus den Nachrichten.

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