Kunst im öffentlichen Raum

Skulptur „Riskante Verwindung“ hängt im Rathaus Rodgau

Das Rathaus schmückt sich in seinem Treppenaufgang mit der Skulptur „Riskante Verwindung“.
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Das Rathaus in Rodgau schmückt sich in seinem Treppenaufgang mit der Skulptur „Riskante Verwindung“.

„Torsion risquée“ bedeutet „Riskante Verwindung“. Diesen Titel trägt eine Raumskulptur von Manuel Franke aus Düsseldorf, die im Auftrag der Agentur Kultur, Sport und Ehrenamt der Stadt Rodgau angefertigt und von der Kulturförderung angekauft wurde.

Rodgau - Ihre endgültige Gestalt fand sie vor Ort bei der Montage durch den Künstler über dem Treppenaufgang im Hauptfoyer des Rathauses. Besucher können sie von außen durch die Scheiben des Glasbaus betrachten. Oder bei einem Termin (nur nach Absprache).

Ausgangsmaterial der Skulptur sind vier gewellte Rechtecke aus Stahlblech mit einer Größe von 100 x 190-220 Zentimeter. Sie wurden ineinander gesteckt und gegeneinander verwunden, sodass sich ein Gesamtobjekt mit den Maßen 220 Zentimeter Länge und etwa 95 Zentimeter Durchmesser ergab. Die Anbringung an der Wand des Foyers erfolgte schräg in einem merklich geringeren Steigungswinkel als der Anstieg der darunter hinführenden Treppe.

Künstler Manuel Franke und Kulturdezernent Winno Sahm haben unabhängig voneinander zwei kurze Erläuterungen zu dieser Raumskulptur verfasst – die wir hier veröffentlichen.

Nach Vorstellung von Manuel Franke ist „Torsion risquée“ ein Gegenstück zu Colormaster R in der Rodau Anlage. „Einem Strudel gleich saugt das Objekt seine Umgebung auf und wirft es erneut in dessen Umraum zurück. Einzig in Edelstahl gehalten, reflektiert „Torsion risquée“ die Farbtöne des Foyers und erhält dadurch die eigene Farbigkeit. Das Dominierende des Objektes ist seine Form. Gewöhnliches Wellblech wurde mit Hilfe einer speziellen Maschine so gebogen, dass ein kleiner Radius von nur 50 Zentimeter entstand. Vier Lagen dieser Bögen ineinandergelegt und mit Kraft tordiert, bedingen die visuelle Kraft dieser Wandskulptur. Je nach Standpunkt springt sie zentrifugal auseinander oder rollt sich implodierend ein, immer begleitet sie den Weg des Besuchers durch das Foyer im Rathaus.“

Für Winno Sahm liefern die vier möglichen Betrachtungskorridore aus dem Foyer, von der Galerie, vom unteren oder oberen Ende der Treppe ganz unterschiedliche visuelle Eindrücke. Sahm: „An den Treppenblickpunkten dominiert jeweils die Röhrenform, während bei den seitlichen Ansichten die Materialität und Silberfarbe des Stahlblechs, seine Welligkeit und die Überlappungen sehr viel deutlicher wahrgenommen werden. Am oberen Ende der Treppe können – aufgrund einer optischen Täuschung – Zweifel an der ungefährdeten Passierbarkeit des Treppenabgangs entstehen. Biegung und Verwindung der Ausgangsstücke bringen deren rechtwinkligen Charakter weitgehend zum Verschwinden. Mit der Zylinderröhre – die nichts anderes als eine in den Raum ausgezogene Kreislinie ist – wird eine idealtypische Raumform zitiert. Lücken, Überlappungen und Ausbrüche aus der Kreisform lassen aber das Formideal recht ruppig und fast schmerzhaft verfehlen. Wer will, kann darin ein Sinnbild menschlichen Strebens und der Unvollkommenheit seiner Resultate sehen; in Bezug zum Ort der Skulptur durchaus auch für die Dialektik von Bemühung und (teilweisem) Scheitern der dort administrativ und politisch Tätigen. Weitere und gänzlich andere Bedeutungszuschreibungen sind selbstverständlich genauso denkbar. Jenseits eventuell zugedachter Sinngehalte setzt die Skulptur einen unübersehbaren Raumakzent, stellt einen Blickfang dar, obwohl sie durch ihre Randlage das Foyer keineswegs optisch dominiert. Gerade im Bewegungsablauf der Treppennutzung erhält sie einen ausgesprochen visuell interaktiven Charakter und lässt so einen sonst wenig bewussten Handlungsablauf zum optisch-sinnlichen Erlebnis werden.“

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