Weil der Adventsmarkt ausfällt, kommt Glühwein in Rollwald an die Haustür

Eine Vorlage für Nachahmer in Rodgau

An zahllosen Rollwälder Haustüren klingelte die Mannschaft vom Glühwein-Express. Wer öffnete, wurde mit einem guten Schluck und Adventsgrüßen belohnt.
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An zahllosen Rollwälder Haustüren klingelte die Mannschaft vom Glühwein-Express. Wer öffnete, wurde mit einem guten Schluck und Adventsgrüßen belohnt.

Wenn der Adventsmarkt ins Corona-Loch fällt, geben die Rollwälder noch lange nicht auf. Dann kommt der Glühwein eben an die Haustür, sagten sich vier Engagierte aus dem Rollwaldkreis und zogen am Nikolaustag mit dem Handwagen los. Mit Gebimmel und Weihnachtsliedern vom Band drehte der Glühwein-Express am Sonntag die große Runde durch den Stadtteil und lieferte nicht nur literweise Heißgetränke, sondern auch ein Muster für Nachahmer.

Rollwald – Pfarrer Peter Eckstein jedenfalls könnte sich vorstellen, auch in der Mutter-Pfarrei St. Matthias in Nieder-Roden einen vorweihnachtlichen Lieferservice mit dem Segen der Kirche auf die Reise zu schicken. Der Einsatz an der Filiale Heilig Kreuz am zweiten Advent war für den Geistlichen eine Premiere: Zwar habe die Weinsegnung am 27. Dezember, dem Tag des heiligen Johannes, auch in seiner Gemeinde Tradition, Glühwein habe dabei bislang aber keine Rolle gespielt. Die Idee des Rollwaldkreises gefällt Eckstein gut: „Es ist ja nicht nur der Glühwein. Wir erinnern die Leute auch an den Advent und bringen Wärme ins Haus“.

Wann und wie genau Brigitte und Ernst Lorenz, Kay und Timo Purkott auf den Gedanken gekommen sind, ließ sich nur ansatzweise rekonstruieren. Sehr bald nachdem feststand, dass der traditionsreiche Adventsmarkt an der Rollwaldtanne nicht stattfinden kann, meint Brigitte Lorenz. „Es ist natürlich gewachsen“, meint Kay Purkott – so wie viele Ideen im rührigen Rollwaldkreis. Auch die Tatkraft, mit welcher sie umgesetzt werden, ist im Stadtteil erprobt: Gleichsam im Handumdrehen war ein Fahrradanhänger von einem Bekannten in Nieder-Roden organisiert. Aus Dachlatten zimmerten die Aktiven ein Stützsystem, damit der Glühwein-Express bequem und sicher geparkt werden konnte.

Schließlich hatte das Team bei zahllosen Stopps alle Hände voll zu tun. Mit zwei Isolierkannen wurde das dampfende Getränk, wahlweise einfacher oder Frucht-Glühwein, in Tassen der jeweiligen Gastgeber geschenkt – kontaktlos, versteht sich. Die Reserve zum Nachfüllen schwappte in zwei großen Thermo-Behältern. Insgesamt 30 Liter waren für die erste Etappe verladen, noch einmal die gleiche Menge stand in einem Nebenraum der Heilig-Kreuz-Kirche bereit. Damit Kinder am Nikolaustag nicht leer ausgingen, rollte eine Ladung Schaumküsse mit. Greifbar war auch ein Satz Thermobecher für ältere Adressaten, die auf die Schnelle keine Tasse greifbar hatten und nicht mehr allzu gut zu Fuß waren.

Welche Adressen das Quartett ansteuerte, sowohl mit dem mitgebrachten Glöckchen als auch an der Haustür klingelte, war laut Brigitte Lorenz nicht vorab festgelegt: „Wir kennen uns hier alle, das geht spontan“. Mit Plakaten und in den lokalen Medien angekündigt, fand die Aktion großen Widerhall. Gleich nach der Segnung stellte sich vor Heilig Kreuz die erste Familie ein – Gelegenheit für die Akteure, sich ihrerseits den ersten warmen Schluck zu gönnen.  zrk

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