Einfach mal das Herz öffnen

Ewige Anbetung in der Kirche St. Petrus in Ketten in Rodgau

Seit einem Jahr praktizieren katholische Christen die „ewige Anbetung“ in der Kirche St. Petrus in Ketten, zunächst täglich von 8 bis 20 Uhr. Dieses Bild entstand kurz nach Weihnachten. Archivfoto: Wolf
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Seit einem Jahr praktizieren katholische Christen die „ewige Anbetung“ in der Kirche St. Petrus in Ketten, zunächst täglich von 8 bis 20 Uhr. Dieses Bild entstand kurz nach Weihnachten.

Eine rote Flamme leuchtet in jeder katholischen Kirche. Das „ewige Licht“ ist ein Symbol für die Gegenwart Gottes. Katholische Christen in Weiskirchen bezeugen diese Gegenwart zusätzlich durch die Kraft ihrer Gebete. Seit einem Jahr pflegen sie die alte Tradition der „ewigen Anbetung“.

Rodgau - Wer als zufälliger Besucher die Kirche St. Petrus in Ketten betritt, ist nie allein. Mindestens eine Person ist immer schon da. Sie sitzt auf einer Bank an der rechten Seite und ist im Gebet versunken. Die Zeit hält den Atem an. Ab und zu blättert der oder die Betende eine Seite im Gebetbuch um. Stille. Es kann höchstens mal sein, dass die Perlen des Rosenkranzes leise klackern.

Beim letzten Schlag der Kirchturmuhr öffnet sich die Seitentür erneut. Jemand kommt herein, bekreuzigt sich und geht nach vorne. Ein kurzer Gruß, ein Kopfnicken. Einer steht auf, die andere nimmt Platz. Dann wieder: Gebet und Stille, eine Stunde lang.

Was spielt sich dabei im Kopf, im Herzen und in der Seele ab? Jeder und jede Betende empfindet das anders. Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Annette Loferer beschreibt ihre Erfahrung so: „Ich mache es, weil ich dadurch meine Beziehung zu Jesus Christus intensivieren kann. Man kann alles hinbringen: seine Sorgen, seine Freude, seine Ängste.“ Und was nimmt sie mit nach Hause? „Ruhe, Kraft und Freude: Man geht irgendwie erfüllt aus dieser Stunde heraus.“

Annemarie Jonas gehört ebenfalls zum festen Stamm der Betenden. Sie findet in der Kirche einen Ruhepol im Stress des Alltags: „Hier bin ich an einem Ort, wo ich Jesus alles erzählen kann, was mich bedrückt. Alles fährt runter, sodass ich zur Ruhe komme. Das tut so gut.“

Die Anbetung richtet sich auf Jesus Christus, der nach katholischem Glauben im Altarsakrament gegenwärtig ist. Dazu wird eine geweihte Hostie in einem liturgischen Schaugerät (Monstranz) zur Verehrung gezeigt.

Diese „eucharistische Anbetung“ wird in St. Petrus in Ketten schon seit vielen Jahren donnerstags praktiziert. Pfarrer Ulrich Engel hatte sie eingeführt, als er 1990 nach Weiskirchen kam.

In den Gebetskreisen der Gemeinde entstand die Idee, das Donnerstagsgebet zur „ewigen Anbetung“ auszuweiten. Einige Weiskircher besuchten einen Kongress zum Thema in Altötting. Ein Vorbild fanden sie in Mainz-Bretzenheim, wo seit 2. Februar 2020 rund um die Uhr gebetet wird. „Das hatten wir auch vor Augen, aber durch den Lockdown wurden wir ausgebremst“, erzählt Annette Loferer. Inzwischen hat sich ein fester Stamm an Betenden gefunden: „Es hat sich so eingespielt, dass jeder eine Stunde in der Woche hat, manche haben auch zwei Stunden.“ Falls mal etwas dazwischen kommt, ist meist rasch eine Vertretung gefunden. Als sich vor ein paar Wochen ein Engpass abzeichnete, wurden weitere Freiwillige über das Pfarrblatt gesucht. Mit Erfolg: Jetzt sind auch die Vormittagsstunden wieder besetzt. Zusätzlich sind ein paar Gläubige bereit, im Notfall einzuspringen.

Von 8 bis 20 Uhr wird in der Petruskirche unaufhörlich gebetet. Das ist ungewöhnlich für eine Gemeinde dieser Größe, auch wenn es das Ideal der „ewigen Anbetung“ (24/7) noch nicht ganz erfüllt. Es komme nicht auf eine bestimmte Gebetsleistung an, sondern auf die innere Beziehung zu Gott, sagt Loferer. „Einfach mal das Herz öffnen“, ist ihre Devise. Die Form der Anbetung sei jedem selbst überlassen, „viele beten den Rosenkranz in der Stille“. Aus Gesprächen weiß sie: „Jeder freut freut sich auf seine Anbetungsstunde.“

Dabei geht es nicht nur um persönliche Fragen, Sorgen und Probleme. Alle Besucher der Kirche können das, was sie bewegt, in einer Art Briefkasten hinterlassen. Loferer verspricht: „Wir schließen diese Anliegen ins Gebet ein.“ Auch Annemarie Jonas betet mehr für andere als für sich selbst: „Es gibt so viel Elend auf der Welt, man kann gar nicht genug beten.“ (Ekkehard Wolf)

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