Mit Einmachgläsern einkaufen

Unverpackte Lebensmittel sind ab heute am Puiseauxplatz zu haben

Heute gehen Andres und Nina Bornemann mit ihrem zweiten „natürlichfrei“-Laden in Nieder-Roden an den Start.
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Heute gehen Andres und Nina Bornemann mit ihrem zweiten „natürlichfrei“-Laden in Nieder-Roden an den Start.

Mehl, Nudeln, Getreide, Nüsse, Saaten, Gewürze, Hülsenfrüchte, aber auch Seifen und ökologisch nachhaltige Putzmittel unverpackt und in beliebigen Mengen einkaufen, birgt Vorteile. Weil Verpackungen wegfallen, wird weniger Müll produziert.

Nieder-Roden – Und da Kunden genau die Menge auswählen können, die sie brauchen, werden weniger Lebensmittel weggeworfen.

Weil immer mehr Verbraucher das Konzept eines Unverpackt-Ladens gut finden, eröffnen Nina und Andres Bornemann bereits ihr zweites Geschäft dieser Art am Puiseauxplatz in Nieder-Roden. Heute gehen sie mit „natürlichfrei“ in Rodgau an den Start. Mehr als 800 Produkte werden dort in Mehrwegbehältern wie Gläsern, Körben, Dosen und Schüttbehältern präsentiert – überwiegend in Bioqualität, fair gehandelt und möglichst aus der Region: fast alles lose oder nachhaltig verpackt.

Über ein Jahr lang haben die vegan lebenden Geschäftsleute mit ihrem ersten Laden in Mühlheim bereits Erfahrungen gesammelt. Bei dessen Eröffnung standen die Käufer Schlange. Durch die rege Nachfrage sieht sich das Unternehmerpaar in seinem Konzept bestätigt. Es ist längst nicht nur der umweltbewusste Student, der sein Vorratsregal bei den Bornemanns füllt, sondern alle Generationen und Schichten kaufen dort ein, wie die Inhaber beobachtet haben.

Bis zur letzten Minute hat Andres Bornemann an der Einrichtung gebaut. Eigentlich ist fast alles aus hellem Holz und Bambus selbst gemacht. Lediglich die Kühltheken wurden geliefert. Schließlich werden auch Milchprodukte und Tofu verkauft. Auch Kuchen und Torten sind zu haben, deswegen ist auch eine kleine Caféecke in den hellgrünen Verkaufsraum integriert. Coronabedingt ist das Café aber noch nicht am Start.

Kunden bringen ihre eigenen Behälter wie Schraub- und Einmachgläser mit, die sie leer vorm Einkaufen wiegen und mit Produkten ihrer Wahl befüllen. An der Kasse zahlen sie nur die abgefüllte Menge. Wer spontan kommt und kein eigenes Gefäß oder zu wenig eigene Behälter dabei hat, bekommt kostenlos Schraubgläser gestellt. „Für Süßigkeiten gibt es allerdings Papertüten, wir wollen nicht, dass Kindern etwas passiert, weil ein Glas zu Bruch gegangen ist“, erklärt Andres Bornemann.

Nina Bornemann hat nach 20 Jahren ihren Beruf als Arzthelferin an den Nagel gehängt, um hinter der Ladentheke zu stehen und sich um den Einkauf zu kümmern. Auch ihr Mann Andres ist inzwischen aus seinem Marketingjob ausgestiegen, um sich ganz ins im Öko-Trend liegende Unternehmen einbringen zu können. Sogar ein dritter Laden ist perspektivisch angedacht.

Doch zunächst mal schließen die Bornemanns am Puiseauxplatz auch eine Versorgungslücke mit ihrem Geschäft, das an die Tante-Emma-Läden erinnert. Vielleicht hat die ältere Kundschaft, die dieses Konzept noch aus früheren Jahren kennt, deswegen keine Schwellenangst.

Es braucht sich übrigens niemand beim Einkauf seiner Tupperware aus Kunststoff zu schämen: Denn diese Behälter sind ja für den wiederholten Gebrauch bestimmt, finden auch die Bornemanns.

VON SIMONE WEIL

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